Ein Vorstellungsgespräch in der Küche steht an, und dir wird schon warm? Durchatmen. Küchenchefs sind direkt, aber sie wollen dich nicht reinlegen. Sie wollen nur wissen, ob du einen vollen Freitagabend überstehst, ohne zusammenzuklappen.
Die häufigsten Fragen im Vorstellungsgespräch als Koch drehen sich um deine Stationen, dein Hygienewissen, dein Tempo unter Druck und darum, wie du ins Team passt. Bereit dir kurze, echte Geschichten nach der STAR-Methode vor (Situation, Aufgabe, Aktion, Ergebnis), und du klingst wie jemand, den der Küchenchef auf seiner Linie haben will.
Hier sind die Fragen, mit denen du rechnen musst — und wie du sie beantwortest.
1. Erzähl mir von deiner Erfahrung in der Küche
Jedes Gespräch fängt hier an. Dein Gegenüber will schnell eine Landkarte: Wo hast du gearbeitet, welche Küche kennst du, welche Posten kannst du halten.
So antwortest du: Kurz und geordnet. Betriebe, Rolle, was du tatsächlich gekocht hast. Beispiel: "Zwei Jahre in einem gut laufenden italienischen Restaurant an Pasta und Grill. Davor ein Jahr als Vorbereitungskoch in einer Hotelküche. Am sichersten bin ich an warmen Vorspeisen und am Grill, aber ich kenne auch die Grundlagen der Patisserie."
Wenn du eine Ausbildung hast, nenn sie beim Namen — Koch/Köchin (drei Jahre) oder Fachkraft für Küche (zwei Jahre). Und wenn du Quereinsteiger bist, sag das offen. In der deutschen Gastronomie ist das völlig normal, und ehrlich schlägt geschönt.
2. Wie gehst du mit einem vollen Service um?
Der Samstagabend interessiert sich nicht für deine Gefühle. Küchen brauchen Leute, die schneller werden, wenn sich die Bons stapeln, nicht langsamer.
So antwortest du: Zeig, dass du ruhig, organisiert und sauber bleibst. Beispiel: "Vor dem Service baue ich meine Mise en place komplett auf. Im Ansturm lese ich Bons laut vor, feuere der Reihe nach und halte meinen Posten sauber. Wenn ich zurückfalle, rufe ich rechtzeitig um Hilfe, statt es zu verstecken."
Der letzte Halbsatz ist der wichtigste. Küchenchefs haben mehr Angst vor jemandem, der einen Rückstand verheimlicht, als vor jemandem, der langsam ist.
3. Was weißt du über Lebensmittelhygiene und HACCP?
Diese Frage ist nicht verhandelbar. Eine schwache Antwort kann das Gespräch hier beenden.
So antwortest du: Nenn Temperaturen, Kreuzkontamination und Kennzeichnung — mit den Zahlen, die in Deutschland gelten. Beispiel: "Leicht verderbliche Ware halte ich bei höchstens 7 °C, Hackfleisch bei 2 °C, Tiefkühlware bei −18 °C. Warmhalten mindestens 65 °C, Wiedererhitzen 72 °C für zwei Minuten im Kern. Ich benutze getrennte Bretter für rohes Fleisch und Gemüse, beschrifte und datiere alles im Kühlhaus, arbeite nach FIFO und wasche mir bei jedem Tätigkeitswechsel die Hände."
Zwei Punkte, die dich sofort professionell wirken lassen: Erwähn die DIN 10508 als Grundlage der Temperaturwerte, und sag, dass du die Belehrung nach § 43 Infektionsschutzgesetz hast — die brauchst du sowieso vor dem ersten Arbeitstag, und die jährliche Auffrischung macht der Betrieb.
Wenn Allergene zur Sprache kommen: In Deutschland regelt die LMIDV die Auskunft bei loser Ware. Ein Satz wie "Ich weiß, dass Allergene dokumentiert sein müssen und nicht nur mündlich weitergegeben werden dürfen" zeigt, dass du das Thema ernst nimmst.
4. Wie gehst du mit Kritik vom Küchenchef um?
Küchen sind keine sanften Orte. Man will wissen, ob du eine scharfe Ansage annehmen und daraus lernen kannst, statt zu schmollen oder zu diskutieren.
So antwortest du: Zeig Reife und Lernbereitschaft. Beispiel: "Ich sehe das als kostenlose Weiterbildung. Wenn der Chef sagt, meine Sauce ist zu salzig oder das Anrichten stimmt nicht, korrigiere ich es beim nächsten Teller und merke es mir dauerhaft. Lieber am Dienstag hören als am vollen Samstag danebenliegen."
5. Erzähl von einem Fehler, den du in der Küche gemacht hast
Jeder Koch verbrennt mal etwas, lässt eine Pfanne fallen oder schickt das falsche Gericht raus. Ehrlichkeit zählt hier mehr als Perfektion.
So antwortest du: Nutz die STAR-Methode. Steh zum Fehler, und konzentrier dich darauf, wie du ihn gelöst hast. Beispiel: "Ich habe an einem vollen Samstag ein Steak medium statt medium rare rausgeschickt. Der Service hat es abgefangen. Ich habe mich beim Chef entschuldigt, sofort nachgefeuert und dafür gesorgt, dass es schnell und heiß rausgeht. Seitdem prüfe ich Kerntemperaturen konsequent vor dem Anrichten."
6. Wie arbeitest du mit dem Service zusammen?
Schlechte Kommunikation zwischen Küche und Gastraum ruiniert den Abend für alle. Küchenchefs lieben Köche, die das Team auf der anderen Seite des Passes respektieren.
So antwortest du: Sprich über Respekt, klare Kommunikation und gemeinsame Ziele. Beispiel: "Höflich und direkt. Wenn ein Tisch eine Allergie oder einen Sonderwunsch hat, will ich das früh wissen — schriftlich auf dem Bon, nicht als Zuruf. Änderungen bestätige ich dem Service laut zurück, damit niemand raten muss."
7. Wie reduzierst du Lebensmittelabfall?
Der Wareneinsatz ist eine der größten Sorgen jedes Betriebs. Ein Koch, der an Abfall denkt, spart echtes Geld.
So antwortest du: Nenn Prep-Planung, FIFO und die Verwertung von Abschnitten. Beispiel: "Ich bereite nach erwarteten Gästezahlen vor, nicht nach Gewohnheit. Gemüseabschnitte gehen in den Fond, Knochen in die Brühe, altbackenes Brot in Semmelbrösel. Mit FIFO wird ältere Ware zuerst verbraucht. Weniger Abfall heißt niedrigerer Wareneinsatz und ein entspannterer Chef."
Ein konkreter Zielwert macht dich sofort glaubwürdig: Ein gesunder Wareneinsatz in der Küche liegt bei 28 bis 33 % vom Nettoumsatz.
8. Warum willst du in dieser Küche arbeiten?
Hier zeigt sich, ob dich dieser Betrieb wirklich interessiert oder ob du nur Gehälter einsammelst.
So antwortest du: Zeig, dass du dich informiert hast. Beispiel: "Mir gefällt, dass ihr saisonal kocht und regional einkauft. Eure Karte wechselt oft, das heißt, ich lerne ständig neue Techniken. Ich will unter einem Chef arbeiten, dem das Produkt wirklich wichtig ist."
9. Was ist deine Gehaltsvorstellung?
Diese Frage kommt in Deutschland fast immer, und viele Bewerber verkaufen sich unter Wert. Nenn eine Zahl, keine Frage zurück.
Realistische Werte für 2026:
| Position | Vergütung |
|---|---|
| Mindestlohn (seit 1.1.2026) | 13,90 € pro Stunde |
| Küchenhilfe, Spüle | 13,90–16 € pro Stunde |
| Vorbereitung | 14–17 € pro Stunde |
| Koch | 15–20 € pro Stunde |
| Sous-Chef | 36.000–46.000 € im Jahr |
| Patissier | 34.000–45.000 € im Jahr |
| Küchenchef | 42.000–65.000 € im Jahr |
Nenn eine Spanne und begründe sie mit deiner Erfahrung. Und frag nach, ob Nacht-, Sonntags- und Feiertagszuschläge gezahlt werden — die sind nach § 3b EStG bis zu bestimmten Grenzen steuer- und beitragsfrei (25 % nachts, 50 % sonntags, 125 % an Feiertagen) und können dein Netto deutlich heben.
Die Fragen, die du selbst stellen solltest
Ein Gespräch läuft in beide Richtungen. Diese Fragen zeigen Erfahrung und schützen dich:
- "Wie ist die Küche besetzt, und wie sind die Posten verteilt?"
- "Wie wird der Dienstplan gemacht, und wie weit im Voraus steht er?"
- "Wie werden Überstunden erfasst und abgegolten?" Die Arbeitszeiterfassung ist in der Gastronomie Pflicht, und der Zoll prüft hier zuerst.
- "Wie sind die Ruhezeiten geregelt?" Nach dem Arbeitszeitgesetz gelten 11 Stunden, in der Gastronomie auf 10 verkürzbar mit Ausgleich.
- "Wird das Trinkgeld geteilt, und wenn ja, nach welchem Schlüssel?"
- "Wie läuft die Einarbeitung ab?"
- "Wie viele Sonntage im Jahr habe ich frei?" Gesetzlich müssen es mindestens 15 sein.
Fragen, die dein Gegenüber gar nicht stellen darf
Das weiß kaum jemand, und es ist gut zu wissen. Nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) sind Fragen unzulässig, die auf Herkunft, Religion, Geschlecht, sexuelle Identität, Alter oder Behinderung zielen. Ebenfalls unzulässig sind in der Regel Fragen nach:
- einer Schwangerschaft oder Kinderwunsch
- der Familienplanung und der Kinderbetreuung
- der Religionszugehörigkeit (außer bei kirchlichen Arbeitgebern)
- einer Mitgliedschaft in Gewerkschaft oder Partei
- Vorerkrankungen, die für die Tätigkeit keine Rolle spielen
Auf eine unzulässige Frage darfst du nach ständiger Rechtsprechung auch die Unwahrheit sagen, ohne dass dir daraus ein Nachteil entsteht. Zulässig sind dagegen Fragen nach Vorstrafen, die für den Job relevant sind, und nach akuten Erkrankungen, die dich an der Arbeit hindern würden.
Probearbeiten: was erlaubt ist
Viele Küchen laden zum Probearbeiten ein — sinnvoll für beide Seiten. Aber die Grenze ist klar:
- Ein kurzes Kennenlernen ohne echte Arbeitsleistung (Zuschauen, ein paar Handgriffe zeigen) gilt als Einfühlungsverhältnis und muss nicht bezahlt werden.
- Sobald du produktiv mitarbeitest — Posten fahren, Bons abarbeiten, Ware vorbereiten —, ist das ein Arbeitsverhältnis auf Probe. Und das muss vergütet werden, mindestens mit dem Mindestlohn.
Ein ganzer unbezahlter Samstagabend ist nicht in Ordnung. Sprich das ruhig vorher an: "Wie ist das Probearbeiten geregelt — als Kennenlernen oder als bezahlter Tag?" Eine seriöse Küche hat darauf eine klare Antwort.
Tipps für ein starkes Küchengespräch
- Nimm deine Messerrolle mit, wenn gefragt. Manche Chefs bitten um ein Probearbeiten, also sei vorbereitet.
- Sieh aus wie das Fach. Saubere Kleidung, kurze Nägel, Haare zusammen. Küchen lesen Hygiene in der ersten Sekunde.
- Bring deine Unterlagen mit. Lebenslauf, Arbeitszeugnisse, Ausbildungsnachweis und die Bescheinigung über die Belehrung nach § 43 IfSG. Wer die dabei hat, wirkt sofort organisiert.
- Sei ehrlich bei deinen Fähigkeiten. Sag nicht, du kannst einen ganzen Fisch filetieren, wenn du es nicht kannst. Der Chef merkt es am ersten Tag.
- Frag nach der Kündigungsfrist deines aktuellen Jobs und nenn ein realistisches Startdatum. Das wirkt professionell.
Ein Küchengespräch ist im Kern nur eine kurze Kostprobe davon, wie du denkst und arbeitest. Üb diese Fragen, erzähl echte Geschichten aus der Küche, und komm ruhig, sauber und neugierig rein. Dann gehört der Posten dir. Viel Erfolg, Chef!
Wenn du auf der anderen Seite des Tisches sitzt und selbst einstellst, hilft dir wie du Schichtleitungen in der Gastronomie einstellst.