Der teuerste Fehler bei der Gastronomie Finanzierung passiert, bevor überhaupt jemand über Zinsen redet: Du unterschreibst den Mietvertrag oder bestellst die Küche — und verlierst damit den Anspruch auf jeden Förderkredit für dieses Vorhaben. Kein Einspruch, keine Ausnahme, keine zweite Chance.

Die kurze Antwort für einen Kredit für Gastronomie in der Größe von 110.000 € — ein typisches Budget für einen zweiten Standort: Der Weg führt fast immer über deine Hausbank, also Sparkasse, Volksbank oder deine Geschäftsbank. KfW und Landesförderbanken vergeben ihre günstigen Kredite nicht direkt an dich, sondern über genau diese Hausbank. Fehlen dir Sicherheiten, springt die Bürgschaftsbank deines Bundeslands mit bis zu 80 % Ausfallbürgschaft ein. Und alles, was du an Küchentechnik least, musst du gar nicht erst finanzieren.

Gehen wir den Weg der Reihe nach durch.

Der Antrag muss raus, bevor das Vorhaben beginnt

Das ist die harte Regel, an der reihenweise Gastronomen scheitern — meistens, weil ihnen niemand rechtzeitig davon erzählt hat.

Förderkredite gibt es nur für Vorhaben, die noch nicht begonnen haben. Als Beginn zählt in der Regel schon die verbindliche Unterschrift: der Mietvertrag, der Kaufvertrag, die Bestellung der Küche, die Anzahlung beim Ausbauunternehmen. Ist die drin, ist die Förderung für dieses Vorhaben weg. Du kannst dann noch einen normalen Firmenkredit bekommen, aber eben zum freien Zinssatz und ohne Haftungsfreistellung.

Planen darfst du natürlich. Businessplan schreiben, Flächen anschauen, Angebote einholen, mit dem Steuerbüro rechnen — alles unkritisch. Kritisch wird es genau in dem Moment, in dem du dich verbindlich bindest.

Die richtige Reihenfolge sieht so aus:

  1. Zahlen und Businessplan für den neuen Standort fertig machen.
  2. Termin bei der Hausbank, Programm auswählen.
  3. Förderantrag über die Hausbank stellen.
  4. Zusage abwarten.
  5. Erst danach Mietvertrag und Bestellungen unterschreiben.

Was im Detail als Vorhabensbeginn gilt, ist je nach Programm unterschiedlich. Klär das vor jeder Unterschrift mit deiner Hausbank oder direkt bei der Förderbank — diese eine Frage entscheidet über mehrere tausend Euro Zinsdifferenz.

KfW vergibt nicht direkt — der Weg geht über die Hausbank

Ruf nicht bei der KfW an, um einen Kredit zu beantragen. Das ist der häufigste Irrtum überhaupt, und du verlierst damit Wochen.

Die KfW und die Landesförderbanken arbeiten nach dem Hausbankprinzip. Deine Bank prüft dich, stellt den Antrag, haftet zu einem Teil mit und reicht das Geld an dich durch. Die Förderbank sieht dich nie. Für dich heißt das: Der Mensch, der über deinen Kredit entscheidet, sitzt bei deiner Sparkasse oder Volksbank um die Ecke — nicht in Frankfurt.

Daraus folgt eine sehr praktische Sache. Banken sind zurückhaltend, wenn sie das ganze Risiko allein tragen. Deshalb gibt es die Haftungsfreistellung: Beim ERP-Gründerkredit StartGeld übernimmt die KfW 80 % des Ausfallrisikos deiner Hausbank. Das verändert das Gespräch komplett — und viele Berater erwähnen es nicht von selbst. Sag es aktiv:

"Ich möchte das über den ERP-Gründerkredit StartGeld mit 80 % Haftungsfreistellung finanzieren. Können Sie mir das durchrechnen?"

Sprich mit zwei bis drei Banken, nicht nur mit einer. Sparkassen und Volksbanken sind in der Gastronomie oft näher am Geschäft als große Filialbanken. Und hol dir vorher eine kostenlose Erstberatung bei deiner IHK oder beim Startercenter deiner Stadt — die kennen die regionalen Programme, die auf keiner Bundesseite stehen.

Die Förderkredite, die für 110.000 € passen

  • ERP-Gründerkredit StartGeld — bis 125.000 €, für die Gründung und die ersten fünf Jahre danach. 80 % Haftungsfreistellung für deine Hausbank. Für einen zweiten Standort in dieser Phase ist das der naheliegendste Weg, und 110.000 € passen sauber in den Rahmen.
  • ERP-Förderkredit KMU — für Betriebe, die länger am Markt sind. Höhere Summen, Investitionen und Betriebsmittel in einem.
  • Landesförderbanken — NRW.BANK, LfA Förderbank Bayern, IBB Berlin, L-Bank Baden-Württemberg, NBank Niedersachsen, IFB Hamburg, ISB Rheinland-Pfalz, SAB Sachsen. Jedes Bundesland hat seine eigene, mit eigenen Programmen. Auch sie laufen über die Hausbank.
  • Kommunale Programme — Städte und Kreise fördern über ihre Wirtschaftsförderung oft Ausbau, Barrierefreiheit oder Leerstandsbelebung in der Innenstadt. Klein, aber geschenkt ist geschenkt.
  • Mikromezzaninfonds — Kapital als stille Beteiligung, ohne dass du Sicherheiten stellst. Für kleinere Beträge und für Fälle, in denen dir schlicht Eigenkapital fehlt.

Was diese Kredite gemeinsam haben: Die Zinsen liegen deutlich unter dem freien Firmenkredit, die Laufzeiten sind lang, und es gibt oft tilgungsfreie Anlaufjahre. In denen zahlst du nur Zinsen, keine Tilgung. Genau das braucht ein neuer Standort in den ersten Monaten, wenn die Küche schon Geld kostet und der Umsatz noch nicht steht.

Programme und Konditionen ändern sich regelmäßig. Prüf die aktuellen Bedingungen auf kfw.de und bei deiner Landesförderbank, und lass dir von der Hausbank zwei Varianten nebeneinander rechnen.

Sicherheiten: Bürgschaftsbank, persönliche Bürgschaft — und was du nie verpfändest

Das klassische Gastro-Problem: Du hast keine Immobilie. Und deine Sicherheiten sind Küchentechnik, die gebraucht kaum etwas wert ist, plus ein Mietvertrag, der gar nichts wert ist.

Dafür gibt es die Bürgschaftsbank deines Bundeslands. Sie übernimmt gegenüber deiner Bank bis zu 80 % Ausfallbürgschaft. Aus einem "zu wenig Sicherheiten" wird damit ein "machbar". In den meisten Bundesländern gibt es zusätzlich die Bürgschaft ohne Bank (BoB) bis rund 250.000 €: Du gehst zuerst zur Bürgschaftsbank, holst dir die Zusage und gehst mit ihr zur Hausbank. Für 110.000 € ohne Immobilie ist das genau der richtige Weg.

Kostenlos ist die Bürgschaft nicht — es fallen eine Bearbeitungsgebühr und eine laufende Bürgschaftsprovision an. Lass dir das in Euro pro Jahr vorrechnen, nicht in Prozent. Meistens ist es immer noch die günstigste Variante, aber du solltest die Zahl kennen.

Eine persönliche Bürgschaft ist bei dieser Kredithöhe Standard. Kaum eine Bank gibt 110.000 € ohne. Damit musst du rechnen.

Aber hier kommt der Satz, den dir jeder erzählt, der es hinter sich hat: Gib niemals dein selbstgenutztes Wohnhaus oder deine Eigentumswohnung als Sicherheit. Ein Standort, der nicht läuft, darf dich niemals das kosten, wo du wohnst. Wenn eine Bank für 110.000 € auf dein Zuhause besteht, ist das nicht die richtige Bank. Geh zur nächsten. Und schau genau hin, wer sonst noch mit unterschreiben soll — eine Bürgschaft der Partnerin oder des Partners ist eine echte Verpflichtung, keine Formalie.

Was die Bank sehen will

Wenn du mit diesen Unterlagen ins erste Gespräch gehst, bist du weiter als die meisten:

  1. Jahresabschlüsse der letzten zwei bis drei Jahre vom bestehenden Betrieb.
  2. Aktuelle BWA und Summen- und Saldenliste — vom Steuerbüro, nicht älter als ein paar Wochen.
  3. Businessplan für den neuen Standort mit Rentabilitätsvorschau: Umsatz, Wareneinsatz, Personal, Pacht, Ergebnis.
  4. Kapitaldienstfähigkeitsrechnung. Die zentrale Frage der Bank lautet: Kann der neue Standort Zins und Tilgung tragen, auch wenn es schlechter läuft als geplant? Rechne die Rate vorher selbst durch, zum Beispiel mit dem Kreditraten-Rechner, und leg sie neben dein geplantes Ergebnis.
  5. Liquiditätsplanung für die ersten 12 bis 24 Monate, inklusive Anlaufphase, Kaution, Erstausstattung und Personal vor der Eröffnung.
  6. SCHUFA-Selbstauskunft, privat und betrieblich. Schau selbst rein, bevor die Bank es tut.
  7. Eigenkapital, typisch 15 bis 20 % der Investitionssumme.
  8. Sicherheiten beziehungsweise die Zusage der Bürgschaftsbank.

Der gute Teil: Ein zweiter Standort ist der deutlich leichtere Fall. Du legst echte Zahlen auf den Tisch statt Prognosen. Wareneinsatzquote, Personalquote, Pachtquote, Deckungsbeitrag pro Gast, Umsatz pro Sitzplatz — alles belegbar aus dem laufenden Betrieb. Genau das will eine Bank sehen. Wer zum ersten Mal gründet, hat nur eine Excel-Datei und Hoffnung.

Leasing statt Kredit: die Kreditsumme kleiner rechnen

In der Gastronomie ist Leasing Standard, und es ist der einfachste Hebel, um den Kreditbedarf zu senken.

Kühlung, Spülmaschine, Kombidämpfer, Ofen, Zapfanlage, Kassenhardware — das alles lässt sich leasen. Die Rate läuft aus dem laufenden Umsatz, und die Summe fehlt in deinem Kreditantrag. Statt 110.000 € brauchst du vielleicht nur 75.000 €, und schon sieht die Kapitaldienstfähigkeit anders aus.

Zwei Dinge musst du wissen. Über die Laufzeit ist Leasing meistens teurer als Kauf. Und Leasingverträge lassen sich in der Regel nicht vorzeitig beenden — du zahlst die Restlaufzeit, auch wenn der Standort zumacht. Also: Laufzeit, Restwert, Kaufoption und Andienungsrecht vorher klären, nicht überfliegen.

Dritte Variante: gebraucht kaufen. Gastro-Auktionen und Händler für gebrauchte Küchentechnik sind voll mit Geräten aus Betrieben, die geschlossen haben. Ein zwei Jahre alter Kombidämpfer kostet einen Bruchteil und hält genauso lange.

Was ein Kredit für Gastronomie kostet — und warum hier keine Prozentzahl steht

Ich schreibe dir bewusst keine Zinszahl hin. Jede Zahl, die hier steht, ist in drei Monaten falsch — und deine Kondition hängt an Bonität, Sicherheiten, Laufzeit und Programm, nicht an einem Durchschnitt aus dem Internet.

Was stabil bleibt, ist die Rangfolge von günstig nach teuer:

  1. KfW- und Landesförderkredite. Deutlich unter dem freien Firmenkredit, lange Laufzeit, oft tilgungsfrei am Anfang.
  2. Klassischer Investitionskredit der Hausbank. Teurer als die Förderung, aber planbar und mit festem Tilgungsplan.
  3. Leasing. Je nach Objekt und Anbieter irgendwo dazwischen.
  4. Kontokorrent und Dispo. Mit Abstand am teuersten. 9 bis 14 % sind völlig normal. Als Puffer für zwei Wochen in Ordnung. Als Dauerfinanzierung ruiniert er Betriebe, weil er nie kleiner wird.

Hol dir zwei bis drei Angebote und lass dir jedes schriftlich geben — mit Effektivzins, Laufzeit, Tilgungsplan und allen Nebenkosten. Die aktuellen Förderkonditionen stehen auf kfw.de. Was deine Bank an Marge obendrauf nimmt, sagt dir nur deine Bank. Und ja, die Sätze ändern sich; vergleich am selben Tag, nicht mit einem Angebot von vor einem halben Jahr.

Eine ehrliche Anmerkung von Kollegen, die es hinter sich haben: Geld ist gerade nicht billig. Wenn dein zweiter Standort sich nur rechnet, solange alles perfekt läuft, dann rechnet er sich nicht. Änder den Plan oder warte.

Rote Flaggen bei der Gastronomie Finanzierung

Diese Liste ist der Teil, der dir am meisten Geld spart.

  • Brauereidarlehen und Bierlieferungsvertrag. Die klassische deutsche Falle. Die Brauerei gibt dir ein zinsgünstiges Darlehen oder einen Zuschuss, dafür verpflichtest du dich zu einer Abnahmemenge in Hektolitern — meist über 8 bis 10 Jahre. Das klingt nach günstigem Geld und ist es auch, solange alles läuft. Wird der Standort schwächer als geplant, schaffst du die Menge nicht, und es wird eine Restschuld fällig. Dazu bist du beim Einkaufspreis gebunden, kannst dein Sortiment nicht frei wählen, und beim Verkauf des Betriebs hängt der Vertrag mit dran. Lass so einen Vertrag anwaltlich prüfen, bevor du unterschreibst. Das ist der eine Vertrag in der Gastronomie, bei dem sich die Beratungskosten immer lohnen.
  • Der Dispo als Dauerlösung. Wenn dein Kontokorrent seit einem Jahr nie unter null geht, ist das kein Puffer mehr. Das ist ein teurer Kredit ohne Tilgungsplan. Sprich mit der Bank über eine Umschuldung in ein Darlehen.
  • Umsatzvorfinanzierung von Fintechs. "Vorschuss auf deine künftigen Kartenumsätze, tägliche oder wöchentliche Rückzahlung, Zusage in 24 Stunden." Der Preis steht als Fixgebühr da, nicht als Effektivzins — und genau das ist der Punkt. Rechne die Gebühr auf die tatsächliche Laufzeit hoch, dann siehst du, was das Geld wirklich kostet. Tägliche Abbuchungen aus einem Gastrobetrieb mit dünner Marge sind gefährlich.
  • Vermittler, die sich als Berater ausgeben. Frag direkt: "Bekommen Sie eine Provision für meinen Abschluss, und von wem?" Wer darauf ausweichend antwortet, berät dich nicht, sondern verkauft dir etwas.
  • Unklare Bearbeitungs- und Bereitstellungsgebühren. Alles, was Geld kostet, gehört in den Effektivzins oder auf ein Blatt Papier mit Eurobeträgen.
  • Vorkasse für eine Kreditzusage. Immer Betrug. Keine Bank und keine Förderbank verlangt Geld dafür, dass sie dir Geld gibt.
  • Zeitdruck. "Das Angebot gilt nur heute." Bei einem Restaurant Kredit über 110.000 € mit zehn Jahren Laufzeit? Auflegen.

Wenn die Zahlen nicht passen, zwing sie nicht

Manchmal ist der beste Finanzierungsschritt, weniger zu brauchen. Bevor du die vollen 110.000 € aufnimmst:

  • Verhandel einen Mietanreiz oder Baukostenzuschuss. Vermieter mit leerstehender Fläche geben oft mietfreie Monate oder beteiligen sich am Ausbau — im Tausch gegen eine längere Laufzeit. Fragen kostet nichts, und es ist der günstigste Euro im ganzen Projekt.
  • Nimm eine Bestandsfläche statt einer Rohfläche. Ein Lokal mit vorhandener Lüftung, Abluftführung, Fettabscheider und Starkstrom spart dir schnell einen fünfstelligen Betrag. Eine Rohfläche ist fast immer die teuerste Variante.
  • Least die Technik, statt sie zu kaufen.
  • Starte mit einer kleineren Karte. Weniger Gerichte heißen weniger Geräte, weniger Lager, weniger Personal in der Anfangsphase. Erweitern kannst du im dritten Monat immer noch.
  • Denk über eine stille Beteiligung nach (§ 230 HGB). Kapital gegen Gewinnbeteiligung, ohne feste Rate und ohne Mitsprache im Tagesgeschäft. Auch der Mikromezzaninfonds arbeitet nach diesem Prinzip. Wenn Fremdkapital gerade teurer ist als ein Anteil am Gewinn, ist das der ruhigere Weg.

Und wenn nichts davon reicht: warte. Ein zweiter Standort, der ein Jahr später aufmacht, ist eine Verzögerung. Ein zweiter Standort, der zu teuer finanziert ist, zieht den ersten mit runter.


Gute Geldgeber sind langsam, gründlich und stellen unangenehme Fragen. Die schlechten sind schnell, laut und wollen deine Unterschrift, bevor du gelesen hast. Für 110.000 € heißt der Weg: Businessplan fertig machen, mit zwei bis drei Hausbanken sprechen, den Förderantrag vor jeder Unterschrift stellen, die Bürgschaftsbank einschalten, wenn dir Sicherheiten fehlen, und die Küchentechnik leasen statt finanzieren. Kein Brauereidarlehen ohne Anwalt, kein Dispo als Dauerlösung — und niemals dein Zuhause als Sicherheit. Dein erster Standort hat dir das Recht erarbeitet, ordentlich zu finanzieren. Nutz es.