Wer im Team Trinkgeld aufteilen will, teilt es besser nach Schicht und nicht nach dem ganzen Tag. Die Ausnahme: Das Mittagsteam macht die Vorbereitung für den Abend. Bringt der Mittag 160 € Trinkgeld und der Abend 480 €, schiebt ein Tagestopf, also ein Topf für den ganzen Tag, 96 € vom Abendteam zum Mittagsteam. Wer nur abends arbeitet, verliert so etwa 120 € pro Woche, also 5.760 € in einem Jahr mit 48 Arbeitswochen.
In Deutschland ist ein Tagestopf erlaubt. Er ist fair, wenn dieselben Leute beide Schichten arbeiten, denn dann ändert er deine Woche nur um etwa 12 €. Arbeiten immer dieselben Leute am Abend, bitte um einen Topf pro Schicht mit einem festen Anteil für die Vorbereitung am Mittag.
Trinkgeld aufteilen: nach Schicht oder nach Tag
Nimm einen normalen Tag in einem gut besuchten Restaurant mit 70 Plätzen in München im Jahr 2026. Mittags arbeiten von 11 bis 16 Uhr zwei Kellner und ein Barkeeper. Abends arbeiten von 17 bis 23 Uhr drei Kellner, und ein Barkeeper ist 5 dieser 6 Stunden da.
In einem Trinkgeldtopf, auch Trinkgeldpool genannt, legt das Team alles Trinkgeld zusammen und teilt es danach. Dieser Topf zählt Stunden als Punkte. Eine Stunde als Kellner ist 1 Punkt, eine Stunde als Barkeeper ist 1,2 Punkte. Die 20 % extra ersetzen die Abgabe an die Theke, also den Teil vom eigenen Trinkgeld, den Kellner sonst dem Barkeeper geben.
- Mittag: 2 Kellner × 5 Stunden = 10 Punkte, dazu der Barkeeper mit 5 × 1,2 = 6 Punkten. Das sind 16 Punkte.
- Abend: 3 Kellner × 6 Stunden = 18 Punkte, dazu der Barkeeper mit 5 × 1,2 = 6 Punkten. Das sind 24 Punkte.
- Mittags gibt es 160 € Trinkgeld, also 10 € pro Punkt. Abends gibt es 480 €, also 20 € pro Punkt.
- Im Tagestopf liegen 640 € für 40 Punkte, also bekommt jeder 16 € pro Punkt.
| Wer | Nach Schicht | Nach Tag | Änderung pro Schicht |
|---|---|---|---|
| Kellner am Mittag, 5 Stunden | 50 € | 80 € | +30 € |
| Barkeeper am Mittag, 5 Stunden | 60 € | 96 € | +36 € |
| Kellner am Abend, 6 Stunden | 120 € | 96 € | −24 € |
| Barkeeper am Abend, 5 Stunden | 120 € | 96 € | −24 € |
Die Kellnerin am Abend fällt von 20 € auf 16 € Trinkgeld pro Stunde, also 20 % weniger. Der Kellner am Mittag steigt von 10 € auf 16 € pro Stunde. So sieht eine ganze Woche aus:
| Deine Woche | Nach Schicht | Nach Tag | Änderung pro Woche |
|---|---|---|---|
| 5 Abendschichten | 600 € | 480 € | −120 € |
| 2 Mittags- und 3 Abendschichten | 460 € | 448 € | −12 € |
| 5 Mittagsschichten | 250 € | 400 € | +150 € |
Ein Tagestopf kostet dich nur dann echtes Geld, wenn du immer in der vollen Schicht arbeitest.
Warum manche Restaurants den ganzen Tag teilen
Finde heraus, welchen Grund dein Restaurant hat, denn jeder Grund braucht eine andere Lösung.
Der Mittag macht die Vorbereitung für den Abend
Nebenarbeit ist alles außer Bedienen: putzen, auffüllen und vorbereiten. Die Vorbereitung vor dem Service heißt in der Gastro Mise en place. In manchen Restaurants poliert das Mittagsteam Besteck und Gläser, schneidet Zitronen für die Bar und füllt Eis und Getränke an jeder Station auf. Der Abend kommt rein, alles ist fertig, und nach dem letzten Tisch geht er sofort nach Hause.
Dann bezahlt der Tagestopf den Mittag für echte Arbeit für den Abend. Kellner am Abend finden ihn in solchen Restaurants oft gut.
Der Chef findet niemanden für den Mittag
Bei 10 € Trinkgeld pro Stunde wollen gute Kellner nicht mittags arbeiten. Der Tagestopf hebt den Mittag auf 16 € pro Stunde, und der Chef zahlt keinen Cent mehr. So löst er sein Problem, Leute für den Mittag zu finden, mit dem Trinkgeld vom Abendteam.
Der Chef will Lohn sparen
Manche glauben, ein Tagestopf spart dem Chef Lohn. In Deutschland stimmt das nicht. 2026 bekommt jeder Kellner mindestens den Mindestlohn von 13,90 € pro Stunde, und Trinkgeld kommt obendrauf. Trinkgeld ersetzt keinen Lohn (§ 107 Abs. 3 GewO).
Unser Artikel darüber, was Kellner in Deutschland wirklich verdienen, erklärt das genauer.
Ein ruhiger Montagmittag bringt 64 € Trinkgeld für 16 Punkte, also 4 € pro Punkt. Eine Kellnerin am Mittag bekommt dann mindestens 13,90 € Lohn plus 4 € Trinkgeld, also 17,90 € pro Stunde. Den Lohn zahlt der Chef immer, egal wie viel im Topf liegt.
Zahlt dein Chef weniger als 13,90 € pro Stunde, weil Trinkgeld dazukommt, ist das nicht erlaubt. Das prüft in Deutschland der Zoll.
Wann ein Tagestopf fair ist
Ein Tagestopf ist in drei Fällen fair:
- Alle arbeiten beide Schichten. Mit 2 Mittags- und 3 Abendschichten pro Person verschiebt der Topf nur etwa 12 € pro Woche, und jeder bekommt jede Woche ähnlich viel Geld.
- Das Mittagsteam arbeitet jeden Tag eine schriftliche Liste für die Vorbereitung am Abend ab, und jemand prüft sie.
- Der Topf ist für eine Bar, bei der jeder Abend anders läuft. Manche Bars teilen über die ganze Woche, damit ein ruhiger Dienstag niemandem die Miete kaputtmacht.
Der Preis dafür ist in allen drei Fällen gleich. Deine besten Abende bringen weniger und deine schlechtesten mehr.
Jeder Topf, ob nach Schicht oder nach Tag, zahlt dem besten Verkäufer weniger, als er selbst verdient hat. Verkaufst du in jeder Schicht am meisten, kostet dich ein Topf immer Geld. Dann passt ein Restaurant besser, in dem jeder Kellner sein Trinkgeld im eigenen Portemonnaie behält, wie in vielen deutschen Restaurants. Davon gibt er einen festen Teil an Küche und Theke ab, und dieser Teil steht schriftlich in den Regeln.
Worum du deinen Chef bittest
Nimm denselben Tag wie oben und vergleiche die Lösungen:
| Teilung | Kellner am Mittag, 5 Stunden | Kellner am Abend, 6 Stunden | Wer für den ruhigen Mittag zahlt |
|---|---|---|---|
| Nach Schicht | 50 € | 120 € | Das Mittagsteam |
| Nach Tag | 80 € | 96 € | Das Abendteam |
| Nach Schicht, der Abend gibt dem Mittag 10 % für die Vorbereitung | 65 € | 108 € | Das Abendteam, für Arbeit vom Mittag |
| Nach Schicht, der Chef zahlt mittags 3 € mehr Lohn pro Stunde | 65 € | 120 € | Der Chef |
Bitte um einen Topf pro Schicht, bei dem der Mittag 10 % für die Vorbereitung bekommt, schriftlich in den Trinkgeldregeln. So bezahlt der Topf den Mittag für die Arbeit, die er für dich macht, und nicht für ruhige Stunden. Macht der Mittag keine Vorbereitung, bitte um eine reine Teilung nach Schicht und um mehr Lohn für den Mittag. Leute für den Mittag zu finden, kostet dann den Chef und nicht dich.
Bring Zahlen mit, keine Gefühle. Hol dir die Trinkgeldlisten der letzten vier Wochen und rechne aus, wie viel ein Punkt mittags und abends wert ist. Geh zusammen mit den anderen Abendkellnern hin, denn vier Leute mit denselben Zahlen sind ein Plan und keine Beschwerde. Sag es so:
"Ich habe die letzten vier Wochen aus den Trinkgeldlisten ausgerechnet. Abends ist ein Punkt etwa 20 € wert und mittags etwa 10 €. Der Tagestopf nimmt also jedem Abendkellner etwa 24 € pro Abend weg. Können wir nach Schicht teilen und dem Mittag 10 % vom Abendtrinkgeld für die Vorbereitungsliste geben? Ich schreibe die Liste gerne."
Das Mittagsteam verliert mit diesem Plan 15 € pro Schicht, und das wird es auch sagen. Der Anteil für die Vorbereitung ist deine Antwort, denn er bezahlt Arbeit, die alle sehen können.
Ist die Antwort Nein, hast du zwei Wege. Bitte um eine Mischung aus Mittags- und Abendschichten, damit sich der Topf für dich ausgleicht. Oder arbeite hier mittags, wo der Tagestopf 16 € pro Stunde zahlt, und abends in einem Restaurant, das nach Schicht teilt.
Ist ein Trinkgeldtopf pro Tag erlaubt
In Deutschland gibt es kein eigenes Gesetz für den Trinkgeldtopf. Es gelten Regeln aus dem Arbeitsrecht und dem Steuerrecht, und 2026 heißt das:
- Ein Tagestopf ist erlaubt. Kein Gesetz sagt, ob ihr nach Schicht, nach Tag oder nach Woche teilt. Das steht in deinem Arbeitsvertrag oder in einer Regel, die für alle gleich gilt, am besten schriftlich.
- Trinkgeld gehört den Leuten, für die der Gast es gibt. Nach § 107 Abs. 3 GewO zahlt der Gast es freiwillig und zusätzlich zur Rechnung. Trinkgeld für das Team darf der Chef nicht für sich behalten, auch kein Kartentrinkgeld.
- Trinkgeld ersetzt keinen Lohn. Der Mindestlohn liegt 2026 bei 13,90 € pro Stunde, und der Chef zahlt ihn voll, egal wie viel Trinkgeld es gibt.
- Wer beim Topf mitmacht, sagt kein Gesetz. Küche, Spüle und Theke können dabei sein, wenn es so in euren Regeln steht.
- Trinkgeld, das Gäste freiwillig geben, ist für dich steuerfrei (§ 3 Nr. 51 EStG). Fragen zur Steuer klärst du mit dem Finanzamt oder einem Steuerberater.
Hat dein Betrieb einen Betriebsrat, sprich auch mit ihm. Für alles andere frag die Gewerkschaft NGG (Nahrung-Genuss-Gaststätten) oder einen Anwalt für Arbeitsrecht, denn Regeln ändern sich.
Woran du merkst, dass der Chef etwas aus dem Topf behält
Ein Topf, den du nicht sehen kannst, ist ein größeres Risiko als ein Topf pro Tag. Achte auf diese Zeichen:
- Du darfst das Trinkgeld nicht zählen und siehst die Summe vom Tag nicht.
- Dein Anteil ist jede Woche ungefähr gleich, egal ob viel oder wenig los war.
- Der Chef füllt die Umschläge allein und gibt sie erst am nächsten Tag aus.
- Niemand kann dir eine Trinkgeldliste mit der Summe, den Stunden und dem Wert pro Punkt zeigen.
Sagen wir, nach einem vollen Samstag zeigt deine Kellnerabrechnung, also dein Bon aus dem Kassensystem am Schichtende, 110 € Kartentrinkgeld von deinen Tischen. Am nächsten Tag liegen 30 € in deinem Umschlag, so viel wie letzten Dienstag. Frag noch am selben Tag nach der Trinkgeldliste: das Bargeld, das Kartentrinkgeld aus dem Kassensystem, die Stunden von allen und der Wert pro Punkt. Ein ehrlicher Topf hat diese Liste fertig.
Schreib selbst auf, wie viele Stunden du arbeitest und wie viel Kartentrinkgeld auf deiner Kellnerabrechnung steht. Passen die Zahlen nicht und der Chef zeigt die Liste nicht, fordere dein Trinkgeld schriftlich, zum Beispiel per E-Mail. Hilfe bekommst du bei der NGG, wenn du Mitglied bist. Auch die Rechtsantragstelle am Arbeitsgericht hilft dir kostenlos, eine Klage aufzuschreiben, ganz ohne Anwalt.
Ein Chef, der Trinkgeld behält, muss es dir auszahlen. Er darf dich nicht bestrafen oder kündigen, weil du dein Geld forderst (§ 612a BGB). Viele Arbeitsverträge haben eine Ausschlussfrist, also eine Frist, nach der du kein Geld mehr fordern kannst, oft nur drei Monate. Ohne so eine Frist hast du meistens drei Jahre Zeit, gezählt ab dem Ende des Jahres.
Das machst du diese Woche
- Hol dir die Trinkgeldlisten der letzten vier Wochen und rechne aus, wie viel ein Punkt mittags und abends wert ist.
- Zähl deine Mittags- und Abendschichten in einer normalen Woche, damit du siehst, ob dich der Tagestopf 12 € oder 120 € kostet.
- Schreib jede Vorbereitung auf, die das Mittagsteam wirklich für den Abend macht.
- Bitte deinen Chef zusammen mit den anderen Abendkellnern um einen Topf pro Schicht mit 10 % für die Vorbereitung am Mittag.
- Schreib ab heute jeden Tag deine Stunden und das Kartentrinkgeld von deiner Kellnerabrechnung auf.