40 Portionen Sauce kochen dauert ungefähr doppelt so lange wie 10 Portionen — nicht viermal so lange. Genau diese Lücke ist der ganze Geschäftsfall hinter dem Vorkochen, und sie ist der billigste Weg, wie eine kleine Küche wachsen kann, ohne mehr Fläche zu mieten.

Hier die Kurzfassung. Vorkochen — oder Batch Cooking, wie es inzwischen oft heißt — bringt Geld, wenn du die richtigen Sachen in großen Chargen machst: deine sicheren Verkäufer, die Basen, die in mehreren Gerichten stecken, und alles, was langsam gart und schnell wieder heiß ist. Du legst die Menge nach echten Verkaufszahlen fest, kalkulierst nach gegartem Gewicht statt nach Einkaufspreis, kühlst sauber ab und kennzeichnest jeden Behälter. Dann sinken deine Personalkosten pro Portion, deine Bonzeiten und dein Verwurf. Kochst du die falschen Sachen vor, hast du am Ende nur einen vollen Kühlschrank mit Zeug, das keiner bestellt.

Warum sich Vorkochen rechnet: die Rechnung mit echten Zahlen

Der meiste Aufwand in einem Rezept ist fix. Topf aufsetzen, Behälter holen, abschmecken, abwaschen — diese Minuten ändern sich kaum, ob du 10 oder 50 Portionen machst. Nur Schneiden und Portionieren skalieren wirklich mit.

Rechnen wir das mit echten Zahlen. Sagen wir, eine Kochstunde kostet dich 22 €. Das ist 2026 in Deutschland realistisch: rund 16,50 € Bruttolohn plus Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung, Urlaub und Ausfallzeiten. Der Mindestlohn liegt bei 13,90 €, aber für gelernte Köche zahlst du mehr.

Kleine Charge — 12 Portionen Rindergulasch

  • Vorbereiten, ansetzen, abfüllen, aufräumen: 60 Minuten aktive Arbeit
  • Personalkosten: 22 €
  • Personalkosten pro Portion: 1,83 €

Große Charge — 48 Portionen vom selben Gulasch

  • Vorbereiten, ansetzen, abfüllen, abkühlen, aufräumen: 120 Minuten aktive Arbeit
  • Personalkosten: 44 €
  • Personalkosten pro Portion: 0,92 €

Viermal so viel Essen für die doppelte Arbeit. Du sparst 0,91 € pro Portion. Wenn dieses Gericht 500-mal im Monat über den Pass geht, sind das 455 € im Monat — rund 5.460 € im Jahr. Aus einer einzigen Entscheidung über die Chargengröße.

Jetzt mach dasselbe für deine fünf meistverkauften Gerichte. Diese Summe lohnt sich.

Der 5-Fragen-Test: was du wirklich vorkochen solltest

Nicht alles verdient eine große Charge. Bevor du irgendetwas hochskalierst, schick es durch diese fünf Fragen. Ein Gericht sollte mindestens vier davon bestehen.

  1. Verkauft es sich jeden Tag? Nur sichere Verkäufer. Wenn du nicht genau weißt, welche das sind, weiß es deine Kasse — schau in die Auswertung der letzten vier Wochen.
  2. Schmeckt es am dritten Tag noch gut? Schmorgerichte, Fonds, Saucen, Hülsenfrüchte, Getreide und Confit werden meist besser. Empfindliches nicht.
  3. Steckt es in mehr als einem Gericht? Eine Tomatenbasis, die Pastasauce, Pizzasauce und Suppe wird, ist die dreifache Mühe wert.
  4. Gart es langsam und ist schnell fertig? Sechs Stunden ohne Aufsicht, vier Minuten bis zum Teller. Das ist der perfekte Kandidat.
  5. Kannst du es lagern, ohne dein halbes Kühlhaus zu blockieren? Platz ist in einer kleinen Küche echtes Geld.

Was du nie vorkochst

Manche Sachen sterben in der Lagerung, egal wie gut deine Technik ist:

  • Alles Frittierte. Knusprig ist ein 90-Sekunden-Fenster. Kartoffeln kannst du vorfrittieren, aber nie fertig ausbacken.
  • Angemachte Salate und geschnittene Kräuter. Sie fallen zusammen, werden dunkel und sehen müde aus.
  • Geschnittene Avocado, Äpfel, Bananen. Sie oxidieren, und kein Zitronentrick rettet das ganz.
  • Zarter Fisch. Einen Tag, vielleicht zwei. Danach servierst du etwas anderes.
  • Deine Ladenhüter. Ein Gericht vorzukochen, das viermal pro Woche über den Pass geht, ist organisierter Verwurf. Lies lieber, was du mit den schwächsten Gerichten auf der Speisekarte machst — die Antwort ist selten "mehr davon kochen".

Wie viel du kochst: die Bedarfsformel

Beim Schätzen der Chargengröße verlieren die meisten Küchen genau das Geld wieder, das sie bei der Arbeitszeit gespart haben. Nimm lieber eine Formel.

Bedarfsmenge = durchschnittlicher Tagesverbrauch × Tage bis zur nächsten Produktion × 1,2

Die 1,2 sind dein Puffer für einen starken Tag. Beispiel: Du verkaufst 30 Portionen Chili am Tag und kochst zweimal pro Woche vor, also vier Tage zwischen zwei Chargen.

30 × 4 = 120, dann × 1,2 = 144 Portionen pro Charge

Und jetzt die Realitätsprüfung: Setz die Menge nie höher, als die Haltbarkeit erlaubt. Wenn das Chili fünf Tage gut ist und deine Charge für sechs reicht, kürzt du die Charge — nicht die Haltbarkeit.

Rechne die Mengen jede Saison neu und immer dann, wenn du die Speisekarte änderst. Eine im Januar festgelegte Menge ruiniert dich im Juli ganz leise.

Dein echter Wareneinsatz: Ausbeute statt Einkaufspreis

Das ist der Teil, den fast alle falsch machen. Der Preis auf der Rechnung ist nicht das, was dein Essen kostet. Fleisch verliert beim Putzen und Garen, Gemüse verliert Schale, Fonds reduzieren.

Ausbeute in % = gegartes Gewicht ÷ rohes Gewicht × 100

Du kaufst 11 kg Rinderschulter zu 12,50 € pro kg — das sind 137,50 €. Nach dem Putzen und einem langen Schmoren bleiben 7,15 kg brauchbares Fleisch. Das ist eine Ausbeute von 65 %.

  • Echter Preis pro kg gegart: 137,50 € ÷ 7,15 = 19,23 €
  • Eine Portion mit 150 g: 2,88 €

Hättest du den Teller mit 12,50 € pro kg kalkuliert, wäre jede einzelne Portion zu billig gewesen. Wieg deine fünf wichtigsten Chargen einmal roh rein und gegart raus, schreib die Ausbeute auf eine Karte und rechne von da an immer damit.

Noch ein Grund, die Waage zu benutzen: zu große Portionen. Gibst du 30 g zu viel von dem Gulasch auf den Teller, verschenkst du 0,58 €. Bei 40 Tellern am Tag, sechs Tage die Woche, sind das über 7.200 € im Jahr, die aus der Tür laufen. Eine Portionswaage für 60 € stoppt das.

Rechne immer netto. Das ist die deutsche Denkweise und der häufigste Fehler in jeder Kalkulation. Seit dem 1.1.2026 gelten auf Speisen 7 % Umsatzsteuer in jedem Kanal — im Haus, außer Haus, Lieferung, Catering. Getränke bleiben bei 19 %. Wenn du also einen Kartenpreis in eine Wareneinsatzquote umrechnest, teilst du zuerst durch 1,07.

So sehen echte Chargen in Zahlen aus

Alle Einkaufspreise netto, alle Umsätze netto. Stand 2026, Großhandelspreise über Metro oder Transgourmet.

ChargeRohware (netto)Ausbeute / PortionenWareneinsatz pro PortionKartenpreisQuote
Rindergulasch11 kg Schulter à 12,50 € + 28 € Beiwerk = 165,50 €65 %, 47 Portionen à 150 g3,52 € + 0,55 € Spätzle = 4,07 €14,90 €29,2 %
Confierte Hähnchenkeulen14 kg Oberkeulen à 5,90 € + 12 € Fett und Gewürze = 94,60 €72 %, 40 Portionen2,37 € + 0,80 € Beilage = 3,17 €14,50 €23,4 %
Lachs sous-videLachsfilet 24,90 €/kg, 160 g Einwaage88 %, Portion 140 g3,98 € + 1,20 € Beilage = 5,18 €18,90 €29,3 %
Tomatensugo als Basis30 kg Dosentomaten à 1,45 € + 14 € = 57,50 €20 l, 133 Portionen à 150 ml0,43 € Sauce, ganzes Pastagericht 1,35 €11,90 €12,1 %

Siehst du das Muster? Die Pasta subventioniert den Lachs. Einzelne Gerichte dürfen weit auseinanderliegen — entscheidend ist der Mix. Über die ganze Karte gerechnet solltest du in der Küche bei 28 bis 33 % netto landen, bei Getränken bei 18 bis 25 %. Liegst du deutlich darüber, stimmt entweder der Preis nicht oder die Ausbeute.

Und ganz wichtig: Vorkochen verbessert deine Quote nicht über den Einkaufspreis, sondern über bessere Ausbeute, weniger Verwurf und weniger Panikeinkäufe am Freitagnachmittag.

Abkühlen nach DIN 10508: hier wird es in kleinen Küchen ernst

Große Chargen heißen große Mengen heißes Essen, und heißes Essen kühlt in einem tiefen Behälter gefährlich langsam ab. Das ist der Punkt, den das Lebensmittelüberwachungs- oder Veterinäramt bei vorkochenden Betrieben am häufigsten aufschreibt.

Die maßgebliche Norm in Deutschland ist die DIN 10508 (Temperaturen für Lebensmittel). Anders als der US-Code arbeitet sie nicht mit Stufen wie 135 → 70 → 41 °F, sondern mit klaren Zielwerten:

SituationTemperatur nach DIN 10508
Warmhalten von Speisenmindestens 65 °C
Kalte Speisen, Salate, angeschnittene Warehöchstens 7 °C
Tiefkühlung−18 °C
Wiedererhitzen72 °C im Kern, 2 Minuten lang
Kerntemperatur Geflügel72 °C
Frisches Geflügel im Kühlhaushöchstens 4 °C
Hackfleischhöchstens 2 °C
Frischer Fischauf schmelzendem Eis, 0 bis 2 °C

Beim Abkühlen verlangt die Norm keine Minutenzahl, sondern "so schnell wie möglich" auf unter 7 °C. In der Praxis rechnen Kontrolleure mit rund 90 Minuten von heiß auf kalt, und genau das solltest du in deinem Eigenkontrollkonzept auch so festschreiben und messen. Ein Schockkühler schafft das locker, dein Kühlhaus nicht.

So schaffst du die Zeiten auch ohne Schockkühler:

  • Flach statt tief. Ein GN-Behälter mit 65 mm kühlt in einem Bruchteil der Zeit eines 200-mm-Behälters ab. Das ist der wirksamste einzelne Handgriff.
  • Charge teilen. 20 l Suppe in vier Behälter statt in einen Topf.
  • Kühlstab oder Eispaddel. Ein 60-€-Kühlstab, durch heißen Fond gerührt, ist peinlich effektiv.
  • Eiswasserbad im Spülbecken. Wasser transportiert Wärme viel schneller ab als Luft.
  • Deckel erst drauf, wenn es kalt ist, dann beschriften und stapeln.
  • Nicht alles gleichzeitig. 20 kg heißes Essen heben die Temperatur im ganzen Kühlhaus und gefährden alles andere darin.
  • Nie zweimal wiedererhitzen. Was einmal auf 72 °C war und nicht raus ist, geht in die Tonne — und zwar dokumentiert.

HACCP, Eigenkontrolle und Rückstellproben

Sobald du vorkochst, produzierst du auf Vorrat — und damit steigt der Anspruch an deine Papiere. Ein HACCP-Konzept mit Eigenkontrolle ist nach VO (EG) 852/2004 Pflicht, egal wie klein dein Betrieb ist. Das muss kein Aktenordner sein, aber es muss existieren und ausgefüllt werden.

Das gehört rein:

  • Temperaturlisten: Kühlhaus, Tiefkühler, Warmhaltung, dazu die Abkühlkurve deiner Chargen. Ein Blatt pro Woche reicht.
  • Wareneingangskontrolle: Temperatur bei Anlieferung, Zustand der Verpackung, Datum, Lieferant.
  • Reinigungs- und Desinfektionsplan mit Unterschrift.
  • Schulungsnachweise: Belehrung nach § 43 IfSG beim Gesundheitsamt (20 bis 35 €), Folgebelehrung intern alle zwei Jahre, dazu die Hygieneschulung nach § 4 LMHV.
  • Rückstellproben, wenn du Catering oder Gemeinschaftsverpflegung machst. Üblich sind rund 100 g pro Komponente, sieben Tage bei −18 °C aufbewahrt, beschriftet mit Gericht, Datum und Charge. Eine bundesweite Pflicht für jeden Gastrobetrieb ist das nicht, bei Veranstaltungen fragen die Ämter aber regelmäßig danach — und im Verdachtsfall ist die Probe deine einzige Verteidigung.

Wenn du unsicher bist, wie lange deine vorgekochte Ware wirklich hält, kannst du sie im Labor prüfen lassen. Das kostet 80 bis 250 € pro Produkt und gibt dir eine belastbare Haltbarkeit statt eines Bauchgefühls.

Kennzeichnung: was auf den Behälter und was aufs Etikett gehört

Eine Charge ohne Beschriftung ist eine Vermutung, und Vermutungen landen in der Tonne. Auf jeden Behälter in deiner Küche gehören vier Angaben: was drin ist, Herstellungsdatum mit Uhrzeit, Verbrauchsdatum und wer es gemacht hat. Dazu die Allergene, weil aus einem Topf plötzlich 100 Portionen werden statt einer.

Ablösbare Etiketten kosten rund 25 bis 45 € pro Rolle. Ein kleiner Etikettendrucker liegt bei 150 bis 400 € und lohnt sich, sobald du mehr als zehn Chargen pro Woche fährst.

Sobald du fertig verpackte Ware weitergibst — Verkauf im Kühlregal, Catering im Schälchen, Abholung im Glas —, gilt zusätzlich die Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV), Artikel 9. Dann müssen aufs Etikett:

  • Bezeichnung des Lebensmittels (nicht dein Fantasiename allein)
  • Zutatenverzeichnis in absteigender Reihenfolge der Menge
  • Die 14 Allergene hervorgehoben, in der Praxis fett gedruckt (Anhang II LMIV): unter anderem Senf, Sellerie, Lupine und Sulfite — genau die vier, die in deutschen Küchen ständig übersehen werden
  • Nettofüllmenge
  • Mindesthaltbarkeitsdatum oder Verbrauchsdatum
  • Name und Anschrift deines Betriebs
  • Los-Nummer und Aufbewahrungshinweis ("bei höchstens 7 °C lagern")

MHD oder Verbrauchsdatum? Das ist kein Detail. Das Mindesthaltbarkeitsdatum ("mindestens haltbar bis") sagt: Danach ist die Qualität vielleicht schlechter, verkaufen darfst du trotzdem. Das Verbrauchsdatum ("zu verbrauchen bis") ist Pflicht bei mikrobiologisch leicht verderblicher Ware — gegarte Fleischgerichte im Kühlregal, frische Pasta, Hackfleischzubereitungen. Nach Ablauf darf die Ware nicht mehr in den Verkehr, Punkt. Für fast alles, was du kühl vorkochst und verpackt abgibst, ist das Verbrauchsdatum die richtige Wahl.

Zwei Fallen noch: Eine Sammelbezeichnung wie "Gewürze" ist nur bis 2 % Gewichtsanteil erlaubt — in einer Gewürzmischung musst du alles einzeln nennen. Und "Bio" darfst du nur schreiben, wenn du öko-zertifiziert bist und deinen Kontrollstellen-Code (DE-ÖKO-0xx) angibst. Sonst kommt die Abmahnung.

Ausstattung, die sich in einer kleinen Küche rechnet

Du brauchst keine Großküche. Kauf in dieser Reihenfolge — die billigste Rückzahlung zuerst. Preise sind typische deutsche Spannen für 2026, zu finden bei Metro, Transgourmet, Chefs Culinar, Gastro-Hero oder direkt bei Bartscher.

AnschaffungPreisWarum sie sich rechnet
Digitale Portionswaage30 – 90 €Stoppt zu große Portionen sofort. Bezahlt sich in einer Woche
Kühlstab / Eispaddel40 – 90 €Bringt dich beim Abkühlen unter die kritische Zeit
Ablösbare Etiketten + Stift25 – 45 €Schluss mit Rätselraten und unbekannten Behältern
GN-Behälter in einheitlichen Größen12 – 45 € pro StückEine Größe stapelt, passt in jeden Wagen
Regalwagen für 20 Bleche180 – 450 €Lagern in der Höhe, ohne Bodenfläche zu verlieren
Etikettendrucker150 – 400 €Datum, Charge und Allergene in drei Sekunden
Vakuumierer (Außenabsauger)150 – 600 €Verdoppelt bis verdreifacht die Kühlhaltbarkeit vieler Sachen
Sous-vide-Stick120 – 350 €Gleichmäßige, wiederholbare Chargen Fleisch über Nacht
Geeichte Waage120 – 400 €Pflicht, sobald du nach Gewicht verkaufst (Bowl, Feinkost, 100-g-Preis)
Cutter oder Thermomix400 – 1.500 €Saucen, Pasten und Farcen in Minuten statt in Stunden
Kammer-Vakuumierer800 – 2.500 €Vakuumiert auch Flüssiges, nicht nur Festes
Kippbratpfanne3.000 – 9.000 €40 Portionen Gulasch in einem Durchgang
Schockfroster (Einstieg)2.500 – 6.000 €Kauf ihn, wenn die Menge dich zwingt — nicht vorher

Schau dir die Reihenfolge an. Die ersten vier Zeilen kosten zusammen keine 400 € und lösen genau die Probleme, an denen kleine Küchen beim Vorkochen scheitern. Gebrauchtgeräte aus Betriebsauflösungen sind übrigens völlig in Ordnung, solange Dichtungen und Kältemittel geprüft sind.

Produktionstag festlegen und die Chargen staffeln

Vorproduktion und laufender Service dürfen sich nie um dieselbe Arbeitsfläche streiten. Nimm deinen schwächsten Tag und mach ihn zum Produktionstag.

  • Schau in deine Umsätze nach Wochentag und produziere am ruhigsten. In den meisten deutschen Betrieben ist das Montag oder Dienstag. Wenn du Montag Ruhetag hast, ist der Dienstagvormittag dein Fenster.
  • Staffle die Posten. Saucen am Dienstag, Fleisch am Mittwoch, Fonds am Sonntagabend. Wenn du alles auf einmal kochst, überforderst du deine Kühlleistung und dein Kühlhaus am selben Nachmittag.
  • Vorkochen gehört in den Vormittag, nie in den Rush. Prep, der mit dem Service um Platz kämpft, ist ein Klassiker für lange Bonzeiten — dazu passt die Liste mit Lösungen gegen langsamen Service in kleinen Küchen.
  • Gib der Produktion einen echten Platz im Dienstplan. "Das schieben wir irgendwie rein" heißt: Freitag um 18 Uhr, also nie.
  • Denk an das Arbeitszeitgesetz. Wenn dieselbe Person vormittags produziert und abends im Service steht, wird daraus schnell ein geteilter Dienst. Ab sechs Stunden 30 Minuten Pause, ab neun Stunden 45 Minuten, dazu die Ruhezeit von elf Stunden (in der Gastronomie zehn, wenn du sie ausgleichst). Ein Produktionstag, der das reißt, ist teurer als jede gesparte Minute.

Platzspartricks für eine Küche ohne Platz

  • Behältergrößen vereinheitlichen. Eine Form stapelt, drei Formen nicht. Nebenbei hörst du auf, Mengen zu schätzen, weil du weißt, wie viel ein GN 1/2 fasst.
  • Nach oben denken. Wandregale, Rollwagen, Schienen an der Tür.
  • 65-mm-Behälter statt 200-mm-Behälter. Sie kühlen schneller und stapeln flacher.
  • In Portionen einfrieren, nicht in Blöcken. Ein gefrorener 5-l-Klotz Sauce ist am Dienstagabend nutzlos. Flach im Beutel einfrieren, dann kannst du Stücke abbrechen.
  • FIFO wirklich durchziehen. Ältestes nach vorn, Neuestes nach hinten, keine Ausnahme. Wenn das keiner kontrolliert, wird aus deinem Vorkochsystem eine langsame Verwurfmaschine.

7 Fehler beim Vorkochen, die still Geld kosten

  1. Vorkochen, bevor du weißt, was läuft. Erst die Verkaufszahlen der letzten Wochen anschauen, dann die Gewinner in großer Charge machen.
  2. Würze linear hochrechnen. Salz, Chili und Säure multiplizieren sich nicht sauber. Würze auf 70 %, schmeck die fertige Charge ab, dann zieh nach.
  3. In tiefen Behältern abkühlen. Langsam, unsicher und der schnellste Weg, eine ganze Charge zu verlieren.
  4. Keine Waage. Siehe die 7.200 € oben.
  5. Etwas vorkochen, das sich schlecht regenerieren lässt. Wenn ein vorgekochtes Gericht immer noch zwölf Minuten am Pass braucht, hast du den falschen Schritt vorgezogen.
  6. Nicht aufschreiben, was weggeworfen wird. Eine simple Verwurfliste am Klemmbrett zeigt dir innerhalb von zwei Wochen, welche Mengen falsch sind.
  7. Dem Gedächtnis vertrauen statt dem Etikett. Jede Küche hält sich für die Ausnahme. Keine ist es. Und ohne Temperaturliste hast du bei der Kontrolle nichts in der Hand.

Wann Vorkochen an seine Grenze kommt

Es gibt eine Decke, und du wirst sie spüren. Die Zeichen sind immer dieselben:

  • Dein Kühlhaus ist voll, und du gehst trotzdem mitten im Service leer aus.
  • Du produzierst an sechs Tagen die Woche vor — das ist kein Vorkochen mehr, das ist einfach Kochen.
  • Nicht die Kochleistung begrenzt dich, sondern die Kühl- und Abkühlleistung.
  • Du sagst Catering-, Groß- oder Handelsanfragen ab, weil es keinen Ort gibt, wo du sie produzieren könntest.

Dann schaust du dir eine gemietete Produktionsküche an, statt noch einen Kühlschrank zu kaufen. In größeren Städten kostet Küchenzeit in einer Mietküche rund 15 bis 30 € pro Stunde, ein fester Teilzeitplatz liegt eher bei 350 bis 900 € im Monat. Die nächste Stufe ist ein Lohnhersteller, der deine Sauce oder dein Pesto nach deinem Rezept abfüllt — dafür brauchst du meist Mindestchargen von einigen hundert Kilo, dafür verschwindet die Produktion komplett aus deinem Tag.

Und jetzt der Punkt, der in amerikanischen Texten immer falsch steht: Beides ist eine Entscheidung über Kapazität, keine gesetzliche Pflicht. Deine Privatküche darfst du nach VO (EG) 852/2004, Anhang II Kapitel III ausdrücklich gewerblich nutzen. Es gibt in Deutschland keine Umsatzobergrenze, ab der du in eine Gewerbeküche wechseln müsstest, kein Verbot, an Läden und Cafés zu liefern, und keinen Stopp an der Landesgrenze. Was du brauchst, ist die Anmeldung beim Lebensmittelüberwachungs- oder Veterinäramt, ein sauberes HACCP-Konzept und Räume, die die Kontrolle besteht. Wann sich der Wechsel trotzdem rechnet, steht in wann du von der Privatküche in eine Gewerbeküche wechseln solltest.

Wenn du eine neue Fläche anmietest, plan zwei deutsche Zeitfresser ein: die Nutzungsänderung beim Bauamt und die Anmeldung der neuen Betriebsstätte beim Amt. Beides dauert länger, als der Vermieter behauptet.

Häufige Fragen zum Vorkochen

Wie lange hält vorgekochtes Essen im Kühlhaus? Eine feste gesetzliche Zahl wie die amerikanische 7-Tage-Regel gibt es in Deutschland nicht. Du legst die Haltbarkeit selbst in deinem Eigenkontrollkonzept fest und musst sie begründen können — durch Erfahrung, Temperaturprotokolle oder eine Laborprüfung. Praxiswerte: schnell abgekühlte, gegarte Speisen bei höchstens 7 °C etwa drei bis fünf Tage, vakuumiert länger, tiefgekühlt bei −18 °C mehrere Monate. Schreib immer ein Verbrauchsdatum drauf.

Senkt Vorkochen den Wareneinsatz oder die Personalkosten? Vor allem die Personalkosten, und zwar deutlich: oft 40 bis 50 % pro Portion. Der Wareneinsatz verbessert sich indirekt über bessere Ausbeuten, weniger Notkäufe und weniger Verwurf.

Womit fängst du am besten an? Mit der Sauce oder Basis, die in den meisten Gerichten deiner Karte steckt. Geringes Risiko, gute Lagerfähigkeit, und eine Charge macht mehrere Bons schneller.

Kann man aus der Privatküche gewinnbringend vorkochen? Ja, und zwar völlig legal. VO (EG) 852/2004 Anhang II Kapitel III deckt Privaträume ab. Der Weg: Gewerbeanmeldung beim Gewerbeamt (20 bis 65 € je nach Kommune), Anmeldung beim Lebensmittelüberwachungsamt (kostenlos, aber Pflicht), Belehrung nach § 43 IfSG beim Gesundheitsamt (20 bis 35 €), HACCP-Konzept, dazu eine Betriebshaftpflicht für 150 bis 400 € im Jahr und die Anmeldung bei der BGN. Eine Umsatzgrenze gibt es nicht — nur die Kleinunternehmerregelung § 19 UStG (25.000 € Vorjahr, 100.000 € laufendes Jahr) entscheidet, ob du Umsatzsteuer ausweist. Deine echten Grenzen sind Kühlkapazität und Abkühlleistung, nicht das Gesetz.

Wie verhinderst du, dass es aufgewärmt schmeckt? Koch den langsamen Teil vor und mach den schnellen frisch. Fleisch schmoren, aber Anbraten, Sauce und Garnitur à la minute. Gemüse in der Charge etwa 20 % untergaren, damit das Regenerieren es fertig macht. Und beim Wiedererhitzen konsequent auf 72 °C für zwei Minuten gehen — einmal, richtig, nicht zweimal halb.


Vorkochen heißt nicht, mehr Essen zu kochen. Es heißt, die feste Arbeit einmal zu machen statt fünfmal, und die gesparten Minuten in schnellere Bons und bessere Margen zu drehen. Fang diese Woche mit einem Gericht an. Wieg es, rechne die echte Ausbeute, kühl es sauber ab, beschrifte es und zähl die Teller, die es dir spart. Dann nimmst du das nächste. So wächst eine kleine Küche, ohne eine Wand einzureißen.