Kekse sind das einzige Gebäck, bei dem in Deutschland fast alles für dich spricht. Kein Kühlschrank, keine Kühlkette, keine Ausrüstung, die du nicht schon hast. Deshalb ist ein Keksgeschäft der günstigste Einstieg ins Essen-Verkaufen — und der, den die meisten am schnellsten wieder hinwerfen, weil sie 1,20 € für etwas nehmen, das sie 0,63 € in der Herstellung kostet.
Hier ist alles Wichtige vorweg. Nimm einen Keks und leg ihn mit einer Grammwaage fest, damit jeder Keks gleich schwer ist. Rechne eine Charge nach echten Kassenbons durch und multipliziere mit drei bis vier — die meisten Heimbäckerinnen landen 2026 bei 2 € bis 2,50 € für einen normalen Keks und 3,50 € bis 5 € für einen dicken Bäckerei-Cookie. Verkauf in Boxen, nicht einzeln, nimm Vorbestellungen mit festem Abholfenster, und portioniere deinen Teig Tage vorher in den Froster. Dieser Gefrierschritt ist das ganze Geheimnis: Er macht aus einem Fünf-Stunden-Backtag einen Zwei-Stunden-Backtag. Und er ist der Grund, warum Kekse mitwachsen und Torten nicht.
Von der ersten Testcharge bis zur ersten bezahlten Bestellung dauert es meist zwei bis vier Wochen. Backen ist der leichte Teil. Backen kannst du schon.
Warum Kekse besser skalieren als alles andere aus deinem Ofen
Das ist wichtiger, als es klingt. Jedes Heimküchen-Geschäft stößt irgendwann an eine Decke — bei Keksen kommt sie viel später.
Vier Gründe:
- Teig wartet. Torte nicht. Portionierter Keksteig liegt drei Monate im Froster und wird direkt gefroren gebacken. Die langsame Arbeit — rühren, mischen, portionieren — passiert Dienstagabend vor dem Fernseher. Am Samstag schiebst du nur noch Bleche.
- Sie bleiben tagelang gut. Ein Keks ist am dritten Tag noch ehrlich. Eine Sahnetorte nicht. Allein das öffnet dir Geschenkboxen, Märkte, Firmenkunden und Versand — vier Kanäle, an die eine Tortenbäckerin nicht rankommt.
- Sie reisen. Kekse sind das einzige Gebäck, das einen Versandkarton zuverlässig übersteht. Und in Deutschland darfst du sie ohne Sonderregeln quer durchs Land schicken.
- Die Leute kaufen sie in Mehrzahl. Niemand bestellt einen Keks. Man bestellt eine Sechserbox zum Verschenken oder zehn Dutzend fürs Büro. Ein Gespräch, eine Übergabe, eine Zahlung — aber das Achtfache an Geld.
Vergleich das mit einer Motivtorte: eine Kundin, ein Termin, drei Stunden Spritzbeutel, und wenn sie im Auto verrutscht, ist alles weg.
Was du vor dem ersten Verkauf wirklich brauchst
Kekse sitzen in der einfachsten Kategorie des Lebensmittelrechts. Sie sind lagerfähig, brauchen keine Kühlung und keine Temperaturüberwachung. Das EU-Hygienerecht erlaubt die Herstellung in deiner Privatküche ausdrücklich — Anhang II Kapitel III der Verordnung (EG) Nr. 852/2004 nennt private Wohnräume beim Namen.
Trotzdem brauchst du vier eher langweilige Dinge:
- Gewerbeanmeldung beim Gewerbeamt, 20 € bis 60 €, sobald du regelmäßig mit Gewinnabsicht verkaufst.
- Registrierung bei der Lebensmittelüberwachung nach Artikel 6 der Verordnung (EG) Nr. 852/2004. In der Regel kostenlos, oft direkt mit der Gewerbeanmeldung erledigt.
- Ein Etikett auf jeder Packung. Nach der Lebensmittelinformationsverordnung (EU) Nr. 1169/2011 gehören auf vorverpackte Kekse: Bezeichnung, Zutatenverzeichnis absteigend nach Gewicht, die 14 Allergene hervorgehoben, Nettofüllmenge, Mindesthaltbarkeitsdatum sowie Name und Anschrift deines Betriebs.
- Ehrliche Allergenangaben. Ein normaler Keks trifft direkt vier: Weizen (Gluten), Ei, Milch und über das Sojalecithin in der Schokolade auch Soja. Nüsse kommen bei jeder zweiten Sorte dazu. Das ist bei dir kein Sonderfall, das steht auf jedem Aufkleber, den du druckst.
Zwei kleine Erleichterungen, die viele nicht kennen:
- Keine Nährwerttabelle nötig. Anhang V der LMIV nimmt handwerklich hergestellte Lebensmittel aus, die in kleinen Mengen direkt an Endverbraucher oder an lokale Läden abgegeben werden. Genau das machst du.
- Keine extra Chargennummer nötig, wenn dein Mindesthaltbarkeitsdatum Tag und Monat nennt. Dann entfällt die Los-Kennzeichnung.
Verkaufst du lose, also ohne Verpackung direkt über den Tisch, brauchst du kein volles Etikett — aber die Allergene musst du trotzdem angeben. Ein Schild mit dem Hinweis, wo die Angaben stehen, plus eine schriftliche Liste hinter der Theke ist der übliche Weg.
Die Frage, die in Deutschland wirklich zählt: Handwerkskammer
Das ist der Teil, den englischsprachige Ratgeber gar nicht kennen — und der bei uns über alles entscheidet.
Bäcker und Konditor sind zulassungspflichtige Handwerke nach Anlage A der Handwerksordnung. Grundsätzlich gehört dazu ein Meisterbrief, und der Umfang deiner Produktion spielt dabei erst mal keine Rolle.
Gute Nachricht: Es gibt mehrere Wege ohne Meisterbrief.
- Einfache Tätigkeiten nach § 1 Abs. 2 HwO — Arbeiten, die sich in wenigen Monaten erlernen lassen, sind nicht meisterpflichtig. Einfache Kekse fallen bei vielen Kammern darunter, aufwendige Konditorware eher nicht.
- Ausnahmebewilligung nach § 8 HwO.
- Altgesellenregelung nach § 7b HwO, wenn du eine Gesellenprüfung und mehrere Jahre Berufserfahrung hast.
- Ein angestellter Betriebsleiter mit Meisterbrief.
Wo genau die Grenze verläuft, entscheidet deine Handwerkskammer, und die Auslegung ist regional unterschiedlich. Ruf dort an, bevor du den ersten Keks verkaufst, und lass dir die Antwort per E-Mail geben. Dieses eine Telefonat ist der wichtigste Schritt im ganzen Artikel.
Mehr zum rechtlichen Gesamtbild steht in unseren Leitfäden zu Essen von zu Hause verkaufen und dazu, welche Erlaubnis du wirklich brauchst.
Leg einen Keks fest, bevor du irgendetwas verkaufst
Der übliche Start: sechs Sorten, "Sonderwünsche willkommen" und ein Logo. Lass alles davon weg.
Fang mit einem Hauptkeks und einer saisonalen Variante an. Die dritte Sorte nimmst du dazu, wenn eine Kundin zweimal danach fragt — dann ist es automatisch die richtige, weil sie sie ausgesucht hat.
Dann sperr sie mit dem Test, der ein Rezept von einem Produkt trennt:
Back sie zweimal, im Abstand von einer Woche, und wieg alles in Gramm. Gleiche Stückzahl, gleiches Gewicht, gleiches Verlaufen, gleiche Ränder? Festgelegt. Wenn nicht, hast du noch kein Produkt.
Eine Grammwaage für 20 € ist die Anschaffung mit der besten Rendite in diesem Geschäft. Der Grund gilt bei Keksen stärker als überall sonst: Dein Portionsgewicht ist dein Preis. Schwanken deine Kekse zwischen 50 g und 70 g, machen manche Kunden ein Schnäppchen, andere fühlen sich über den Tisch gezogen — und kalkulieren kannst du keinen einzigen davon.
Drei Zahlen, die du aufschreibst und nie wieder änderst:
- Teiggewicht pro Keks. 55 bis 60 g für einen normalen Keks. 100 bis 130 g für einen dicken Bäckerei-Cookie. Wieg die ersten Chargen jede Portion ab, bis deine Hand es kann.
- Ausbeute pro Charge. "So ungefähr zwei Dutzend" ist keine Ausbeute. Wenn eine Charge mal 22 und mal 26 Stück ergibt, sind deine Kosten pro Keks geraten.
- Backzeit für deinen Ofen. Zieh sie eine Minute früher raus, als sie fertig aussehen, und lass sie fünf Minuten auf dem heißen Blech nachziehen. Das ist der Unterschied zwischen weicher Mitte und Hockeypuck am zweiten Tag.
Und kühl deinen Teig. Über Nacht im Kühlschrank oder direkt aus dem Froster. Kalter Teig verläuft weniger, bräunt besser und schmeckt tiefer — das billigste Upgrade, das ein Keks bekommen kann.
Was du für selbstgebackene Kekse verlangen solltest
Bei keinem Produkt verkaufen sich Heimbäckerinnen so unter Wert wie bei Keksen. Verständlich: Du verschenkst diese Dinger dein Leben lang, und 2,20 € für einen Keks laut auszusprechen fühlt sich unverschämt an.
Zahlen heilen dieses Gefühl. Rechne eine echte Charge komplett durch. Ein realistisches Beispiel für 2026, 24 normale Kekse à 60 g:
| Position | Kosten |
|---|---|
| Butter (450 g) | 4,10 € |
| Zucker, weiß und braun (500 g) | 1,10 € |
| Mehl (600 g) | 0,60 € |
| Eier (2 Stück) | 0,70 € |
| Echte Schokolade in Stücken (400 g) | 3,60 € |
| Vanille, Salz, Backtriebmittel | 0,60 € |
| Boxen und Etiketten (4 Sechserboxen) | 2,80 € |
| Energie, rund eine Stunde Ofen | 0,55 € |
| Schwund (8 %) | 1,09 € |
| Gesamt | 15,14 € — rund 0,63 € pro Keks |
Die übliche Regel für Backwaren ist Wareneinsatz × 3 bis × 4. Damit landet dieser Keks bei 1,90 € bis 2,50 € — also 2,20 €, oder 12 € für eine Sechserbox.
Das ist nicht gierig. In deutschen Innenstädten gibt es Cafés, die gerade 4,50 € für einen einzigen Cookie nehmen, und deiner ist frisch auf Bestellung gebacken.
Grobe Preisspannen für Deutschland 2026, zum Gegenchecken:
| Was du verkaufst | Üblicher Preis aus der Heimküche |
|---|---|
| Normaler Keks (55–60 g) | 1,80–2,50 € |
| Dicker Bäckerei-Cookie (100–130 g) | 3,50–5,00 € |
| Sechserbox, gemischt oder sortenrein | 12–20 € |
| Verzierter Motivkeks, einfaches Design | 3,50–5,50 € |
| Verzierter Motivkeks, detailliert oder handgemalt | 6–10 € |
| Keks-Torte (Ø 20–26 cm) | 25–40 € |
| Keksbuffet für Hochzeit oder Feier | 22–35 € pro Dutzend |
Und jetzt die Rechnung, die fast niemand macht — teile durch Stunden, nicht durch Kekse:
- 24 Kekse zu 2,20 € = 52,80 €, minus 15,14 € = 37,66 €. Auf drei Stunden Rühren, Backen, Packen und Übergeben sind das rund 12,50 € pro Stunde.
- 72 Kekse in einer Schicht — drei Bleche im Wechsel, Teig vor zwei Tagen portioniert — = 158,40 €, minus rund 38 € = 120 €. Auf vier Stunden sind das 30 € pro Stunde.
Gleiches Rezept. Gleicher Preis. Mehr als doppelter Stundenlohn. In deinen ersten sechs Monaten hebt die Chargengröße deinen Stundenlohn schneller als der Preis. Genau das ist das ganze Argument für einen Keks statt fünf.
Die vollständige Kalkulationsmethode gehen wir Schritt für Schritt in Tellerkosten richtig berechnen durch.
Motivkekse rechnest du nach Design, nicht nach Keks
Wenn du in Richtung verzierte Kekse gehst, hör auf, pro Keks zu kalkulieren, und fang an, in Stufen zu denken. Wer das nicht macht, sitzt vier Stunden am Spritzbeutel für einen Stundenlohn von 8 €.
- Grundkosten pro Keks — Teig, Glasur, Tütchen, Band. Meist 0,70 € bis 1,10 €.
- Plus Dekorationszeit zu einem echten Satz. 25 € bis 35 € pro Stunde sind 2026 normal. Stopp ehrlich die Zeit für ein Dutzend, inklusive Trockenpausen und den zwei Keksen, die du neu machen musstest.
- Plus eine Design-Stufe. Eine Farbe, einmal ausgefüllt: Stufe eins. Nass-in-nass, zwei Farben, ein Name: Stufe zwei. Handgemalt, Airbrush, Fondant-Aufbau, Lebensmitteldruck: Stufe drei, und die kalkulierst du jedes Mal einzeln.
Dazu drei Regeln, die dir echten Ärger ersparen: 50 % Anzahlung, nicht erstattbar (davon kaufst du die Zutaten), ein Bestellschluss — 10 Tage für Motivsets, 48 Stunden für Standard — und Lieferung als bezahlte Zusatzleistung. Alles auf deiner Bestellseite, nicht nur in deinem Kopf.
Der Froster ist dein zweiter Ofen
Das ist der Teil, der aus einem Nebengeschäft, das dein Wochenende auffrisst, ein Nebengeschäft macht, das mitwächst.
In deinen Ofen passen zwei Bleche. Das sind rund 40 bis 50 normale Kekse pro Stunde, Abkühlen und Nachladen eingerechnet. Sechs Stunden am Samstag sind etwa 270 Kekse, und bei 2,20 € ist das eine harte Decke von rund 594 € an einem Backtag — vorausgesetzt, du verkaufst wirklich jeden.
Einen zweiten Ofen kaufst du diesen Monat nicht. Aber du kannst aufhören, die Zeit des vorhandenen zu verschwenden.
Der Portionier-und-Einfrier-Ablauf:
- Rühr unter der Woche eine doppelte oder dreifache Charge.
- Portionier jede Kugel aufs Gramm genau auf ein Blech.
- Zwei Stunden durchfrieren, dann sortenrein in Beutel, mit Stückzahl und Datum drauf.
- Am Backtag direkt gefroren backen — zwei bis drei Minuten drauf, nicht auftauen.
Gefrorene Teigkugeln backen sogar besser als frische. Sie halten die Form, verlaufen weniger und geben dir die dicke Mitte, die alle fotografieren.
Was sich dadurch ändert: Dein Backtag ist nicht mehr "rühren, kühlen, portionieren, backen, abkühlen, packen", sondern nur noch "backen, abkühlen, packen". Gleiches Geld, halber Tag.
Drei weitere Hebel, nach Wirkung sortiert:
- Eine Ofentemperatur pro Backtag. Kekse bei 180 °C und etwas anderes bei 220 °C heißt Totzeit, während der Ofen hoch- und wieder runterregelt. Gruppier nach Temperatur, nicht nach Sorte.
- Pack, während das nächste Blech backt. Boxen gefaltet, Etiketten gedruckt, Bestellliste nach Namen sortiert — alles, bevor der Ofen überhaupt an ist.
- Verkauf größere Einheiten. Eine 20-€-Box mit zehn Keksen ist eine Übergabe. Zehn Kekse einzeln an zehn Leute sind zehn Übergaben, zehn Chats und zehn Chancen, versetzt zu werden.
Mehr dazu steht in unserem Leitfaden zum Produzieren in größeren Mengen in einer kleinen Küche.
Kekse verpacken — und ohne Krümel verschicken
Du kannst vier Stunden gute Arbeit in den letzten vier Minuten kaputtmachen.
- Vollständig auskühlen lassen. Warmer Keks plus geschlossene Box ergibt Kondenswasser, und Kondenswasser ergibt einen weichen Keks und ein nasses Etikett.
- Immer luftdicht. Kekse werden von Luft alt, nicht von Zeit.
- Eine Sorte pro Beutel. Ingwer und Vanille in derselben Dose sind bis morgen eine Sorte. Das ist der Fehler, der gemischte Geschenkboxen leise ruiniert.
- Eine Scheibe Brot in die Dose hält weiche Kekse tagelang weich. Alter Trick, funktioniert immer noch.
- Verpackung unter 10 % vom Preis halten. Eine 2-€-Box bei einer 25-€-Bestellung ist in Ordnung. Eine 2-€-Box bei einem 2,20-€-Keks nicht.
Nicht vergessen: Wer als Erster gefüllte Verkaufsverpackungen in Umlauf bringt, muss sich im Verpackungsregister LUCID eintragen (kostenlos) und sich an einem dualen System beteiligen. Für kleine Mengen sind das 30 € bis 100 € im Jahr, und eine Mindestmenge gibt es nicht. Das gilt auch für Keksboxen.
Druck einen QR-Code auf deinen Aufkleber, der deine aktuelle Keksliste mit Preisen öffnet. Die Box steht ohnehin schon in ihrer Küche — das ist das billigste Wiederkaufs-Marketing in diesem Geschäft und kostet dich nichts.
Darfst du Kekse verschicken?
Ja. Und das ist einer der größten Vorteile gegenüber den USA, wo der Versand über Bundesstaatsgrenzen oft verboten ist. In Deutschland verschickst du Kekse frei im ganzen Land, und innerhalb der EU auch grenzüberschreitend — dann allerdings mit einem Etikett in der Sprache des Ziellandes. Bleibt dein EU-Fernabsatz unter 10.000 € im Jahr, versteuerst du weiter in Deutschland; darüber kommt das OSS-Verfahren.
Wenn du verschickst, entscheidet das Format mehr als das Rezept:
| Versandtauglich | Versandkritisch |
|---|---|
| Dicke, saftige Bäckerei-Cookies | Dünne, knusprige, splittrige Kekse |
| Cantuccini, Mürbegebäck, Brownies und Riegel | Alles mit Creme- oder Puddingfüllung |
| Durchgetrocknete Zuckergussmotive, flach im Beutel | Frisch gespritzte Buttercreme |
| Alles, was fest gepackt nicht klappert | Filigrane Ränder, Überhänge, Schokoladenfäden |
Und rechne den Versand durch, bevor du ihn anbietest. Karton, Füllmaterial und Beutel kosten rund 1,50 € bis 2,50 €, ein Päckchen oder Paket bis 2 kg liegt online frankiert bei 4,50 € bis 7 €. Das sind 6 € bis 9,50 € auf jede Bestellung.
Damit ist der Versand einer 12-€-Sechserbox sinnlos. Setz einen Mindestbestellwert um 30 € und bau Boxen, die diesen Wert auch erreichen. Verschick früh in der Woche, damit nichts übers Wochenende im Verteilzentrum liegt.
Wichtig fürs Kleingedruckte: Beim Versand verkaufst du im Fernabsatz. Dann brauchst du ein Impressum, Angaben zum Anbieter und klare Lieferbedingungen auf deiner Seite. Ein Widerrufsrecht gibt es bei schnell verderblicher Ware nicht — bei haltbaren Keksen aber sehr wohl. Schreib das ehrlich hin, statt es zu verschweigen.
Woher Keksbestellungen wirklich kommen
Nicht von Instagram. Tut mir leid.
Das Modell, das bei fast allen neuen Keksverkäuferinnen funktioniert, ist der wöchentliche Drop: Du postest, was du backst, die Leute bestellen und zahlen vorab, du backst genau diese Menge, und abgeholt wird in einem festen Zeitfenster an einem Tag.
Warum das einen offenen Laden schlägt:
- Du backst nie auf Vorrat, der liegen bleibt.
- Du kennst deine Ofenauslastung, bevor du anfängst.
- Eine Zahl erzeugt ehrliche Dringlichkeit. "40 Kekse diesen Samstag" verkauft sich. "Bestellungen jederzeit möglich" nicht.
- Du bist nicht in Dauerbereitschaft. Zwei Stunden am Samstag statt sieben Tage Chat.
Woher die ersten 20 Bestellungen kommen, ungefähr nach Wirkung sortiert:
- Direkte Anfragen. Zehn einzelne Nachrichten, nicht ein Broadcast-Post. Völlig anderer Rücklauf.
- Der warme Kreis — Arbeit, Kita und Schule, Sportverein, Nachbarschaftsgruppe. Diese Leute hätten Alternativen gehabt, also zählen sie als echte Kunden.
- Firmen- und Feiertagsboxen. Eine Person bestellt 15 Boxen fürs Team. Das ist die wertvollste Bestellart, die einer Heimbäckerei offensteht — und sie kommt per E-Mail, nicht über einen Marktstand.
- Wochenmärkte. Gut für Rückmeldungen und Bargeld, aber rechne nach: 40 € Standgebühr bei 2,20 € pro Keks heißt 18 Kekse nur fürs Dastehen. Wir haben es aufgeschlüsselt in auf dem Wochenmarkt verkaufen.
- Feiern und Keksbuffets. Hochzeiten, Babypartys, Taufen, Geburtstage. Große Menge, eine Lieferung, Monate im Voraus gebucht.
- Stammkunden. Ab Bestellung 30 machen sie den Großteil deines Umsatzes aus — genau deshalb zählt der Aufkleber mit dem QR-Code.
Das Einzige, was du vorher brauchst: eine Karte, die eine fremde Person um 21 Uhr lesen kann, ohne dir zu schreiben. Sorten, Preise, Boxgrößen, das Abholfenster dieser Woche und eine Möglichkeit zu bestellen, die nicht davon abhängt, dass du wach bist. Keine Website — ein Link. Kostenlose Werkzeuge wie Tabres hosten diese Liste und geben dir den QR-Code für deine Etiketten.
Das Logo, die Visitenkarten und den Namen, über den du seit einem Monat grübelst, kannst du weglassen. Das alles fällt leichter, nachdem dich 20 Leute bezahlt haben.
Die Keks-Wachstumsleiter
Jede Stufe hat genau einen Flaschenhals, und es ist fast nie der, den man erwartet. Such deinen in dieser Tabelle:
| Stufe | Menge pro Woche | Was dich wirklich bremst | Die Lösung |
|---|---|---|---|
| 1. Beweisen | 2–6 Dutzend | Dein Keks ist nicht zweimal identisch | Grammwaage, festes Portionsgewicht, Zwei-Chargen-Test |
| 2. Der Wochen-Drop | 10–20 Dutzend | Backtag ist ab 6 Uhr Chaos | Unter der Woche portionieren und einfrieren, eine Ofentemperatur |
| 3. Boxen und Geschenke | 25–50 Dutzend | Packen dauert länger als Backen | Feste Boxgrößen, vorgedruckte Etiketten, packen während des Backens |
| 4. Firmen und Feiern | 60–120 Dutzend | Ehrlich gesagt: dein Ofen | Zweiter Backtag, ein zusätzlicher Umluftofen oder Stunden in einer Mietküche |
| 5. Über die Heimküche hinaus | 150+ Dutzend | Handwerksrecht und Platz, nicht der Ofen | Gespräch mit der Handwerkskammer, Miet- oder Produktionsküche |
Stufe 3 erwischt alle. 300 Kekse backen dauert sechs Stunden. 50 Boxen packen, etikettieren, nach Namen sortieren und mit der Liste abgleichen dauert zwei weitere — und niemand plant sie ein.
Stufe 5 ist in Deutschland anders als in den USA. Es gibt keine Umsatzobergrenze, ab der du aufhören musst, und der Verkauf an ein Café zum Weiterverkauf ist erlaubt. Deine echten Grenzen sind drei andere: ob die Handwerkskammer deinen Umfang noch als einfache Tätigkeit sieht, ob dein Vermieter und deine Wohnung das noch hergeben, und die Kleinunternehmergrenze von 100.000 € — die keine Verbotsgrenze ist, sondern nur bedeutet, dass du ab dann Umsatzsteuer ausweist. Auf Backwaren sind das 7 %. Wann der Wechsel ansteht, steht in wann du von der Heimküche in eine Profiküche wechselst, und die Markenseite in wie du aus einem Heimküchen-Geschäft eine Food-Marke machst.
Was sich 2026 verkauft
Die Nachfrage verteilt sich nicht gleichmäßig. Gut zu wissen, bevor du deinen Hauptkeks festlegst:
- Dicke, gefüllte Bäckerei-Cookies führen die Kategorie weiter an. Sie fotografieren sich gut, sie rechtfertigen 4,50 €, und die gefüllte Mitte ist der Grund für die Nachbestellung.
- Geschenkboxen schlagen Einzelkekse deutlich. Eine 20-€-Box mit zehn Stück ist ein Vorgang. Zehn Einzelverkäufe sind zehnmal alles.
- Weihnachtsplätzchen sind der stärkste Saisonhebel, den es in Deutschland gibt. Von Mitte November bis Weihnachten kann eine Heimbäckerei mehr umsetzen als im gesamten Sommer. Bunte Teller, Firmenpräsente, Sortenmischungen — nimm im September Vorbestellungen an, sonst backst du im Dezember nur noch Chaos.
- Firmengeschenke wachsen weiter. Dankeschön für Kundschaft, Willkommensboxen für neue Kolleginnen, Weihnachtspakete. Unglamourös und das verlässlichste Geld im Keksgeschäft.
- Verzierte Motivkekse für kleine Feiern — erste Geburtstage, Einschulung, Ruhestand — haben pro Stunde die beste Marge von allen, sobald du deine Dekorationszeit richtig bepreist.
- Braune Butter, Miso, Tahin und gesalzene Varianten sind weiter das, worüber geredet wird. Süß wird erwartet; die Kante zu salzig wird geteilt.
- Eiweißreich und glutenfrei haben echte, unterversorgte Nachfrage. Behandle das aber als eigenes Geschäft mit eigenem Werkzeug — Kreuzkontakt ist eine Sicherheitsfrage, keine Geschmacksfrage.
Nimm die Sorte, die du 500-mal gern machen würdest. Denn genau das wirst du.
Sechs Fehler, die Keksverkäuferinnen Geld kosten
- "Ein Dutzend" ohne festes Gewicht verkaufen. Deine Kundschaft kauft eine Stückzahl. Du musst ein Gewicht verkaufen, sonst wandert deine Marge mit jeder Charge.
- Freundschaftspreise, die nie enden. Die ersten zehn Verkäufe setzen den Anker. Wer bei 10 € pro Dutzend anfängt, kommt später kaum auf 24 €.
- Sorten in einer verschlossenen Box mischen. Kräftige Aromen übernehmen. Beutel sortenrein packen oder sortenreine Boxen verkaufen.
- Verpackung nicht berechnen. Boxen, Beutel, Etiketten und Band sind 8 % bis 12 % einer Bestellung. Entweder du berechnest sie, oder sie gehen direkt von deinem Lohn ab.
- Kleine Bestellungen verschicken. Eine 12-€-Bestellung mit 8 € Versand ist ein Gefallen, kein Verkauf.
- Auf Vorrat backen. Unverkaufte Kekse am Sonntagabend sind der Grund, warum Leute die ganze Idee wieder aufgeben. Immer erst vorbestellen lassen.
Mehr von den Fehlern, die Heimküchen wirklich das Genick brechen, stehen in Fehler beim Food-Business von zu Hause, und ehrliche Monatszahlen in wie viel man mit Essen aus der eigenen Küche verdient.
Ein Keksgeschäft ist einer der seltenen Fälle, in denen du die Ausrüstung schon besitzt und das Können schon hast. Was fehlt, ist langweilig und schnell zu lösen: ein festgelegtes Rezept, eine Waage, ein ehrlicher Preis, ein korrektes Etikett und ein Link, über den Fremde bestellen können.
Also mach es in dieser Reihenfolge. Ruf diese Woche bei der Handwerkskammer an und melde dein Gewerbe an. Kauf die Grammwaage. Back deinen einen Keks zweimal, wieg alles, schreib die Zahlen auf. Rechne sie hoch, nimm mal drei und sprich den Preis so lange laut aus, bis er sich normal anfühlt. Dann portionier eine dreifache Charge in den Froster, such dir einen Samstag, nenn eine Zahl — "40 Kekse, Abholung 11 bis 13 Uhr" — und schreib zehn Leute direkt an.
Zwei bis vier Wochen von der Testcharge zur ersten bezahlten Bestellung. Und anders als bei fast jedem anderen Lebensmittelgeschäft ist der zweite Monat leichter als der erste — weil der Teig dafür schon im Froster liegt.