Ein Gast hat sich sein Urteil über deine Karte gebildet, bevor er den ersten Gerichtenamen gelesen hat. Untersuchungen zu Webseiten setzen dieses erste Urteil bei rund einer halben Sekunde an — lange bevor jemand bei deinem geschmorten Rinderbäckchen ankommt. Eine halbe Sekunde aus Farbe, Schriftgröße und Leerraum. Das ist dein erster Eindruck, und die meisten Betriebe überlassen ihn dem, was die Vorlage zufällig mitgebracht hat.

Die Kurzfassung: Eine digitale Speisekarte gestalten, die 2026 mehr verkauft, heißt absichtlich langweilig sein. Hoher Kontrast schlägt "Appetitrot" — mindestens 4,5:1 zwischen Text und Hintergrund. Fließtext ab 16 px. Eine einzige Akzentfarbe, und nur für das, was angetippt werden soll. Viel Luft um jedes Gericht, denn Leerraum ist das, was einen Teller teuer aussehen lässt. Preise in derselben Größe wie der Name des Gerichts, ohne Führungspunkte, nie in einer ordentlichen rechten Spalte. Und 6 bis 8 Gerichte pro Kategorie, weil eine lange Liste überflogen und eine kurze gelesen wird.

Dazu kommt in Deutschland eine zweite Ebene, die in keinem englischen Design-Ratgeber steht: Pflichtangaben. Allergene, Zusatzstoff-Fußnoten, Füllmengen, Endpreise, Impressum. Wer die erst am Ende dazwischenquetscht, zerlegt sein eigenes Layout. Plan sie von Anfang an ein.

Deine Handy-Karte ist keine geschrumpfte Papierkarte

Das ist der Fehler unter fast jeder schlechten QR-Speisekarte. Jemand nimmt eine schöne A4-Karte, exportiert sie als PDF und nennt das digital. Ist es nicht. Es ist ein Plakat, an dem man zoomen und schieben muss.

Papier und Handy sind zwei verschiedene Tiere:

  • Papier ist ein Blick. Das Handy ist ein Scroll. Auf Papier sieht der Gast die ganze Seite auf einmal. Auf dem Handy sieht er vielleicht vier Gerichte und wischt dann weiter.
  • Papier hat Ränder. Das Handy hat Tiefe. In einem Scroll gibt es keine "rechte untere Ecke". Es gibt nur wie weit unten.
  • Papier hat eine Größe. Handys haben alle. Deine Karte muss auf einem sechs Jahre alten Android mit Sprung im Display funktionieren, in der dunklen Ecknische.

Damit fällt ein Klassiker der Kartenberatung weg. Du hast bestimmt vom "goldenen Dreieck" gehört — der Idee, der Blick lande in der Mitte der Karte, springe nach rechts oben und dann nach links oben, also gehören dorthin die Renner. Neuere Blickmessungen haben das schon fürs Papier ziemlich zerlegt. Die meisten Menschen lesen eine Karte wie ein Buch, von oben nach unten. Auf dem Handy gibt es das Dreieck gar nicht.

Die neue Regel: Position heißt Scrolltiefe. Was der Gast beim Laden zuerst sieht, ist deine wertvollste Fläche. Alles darunter bekommt mit jedem Wisch weniger Aufmerksamkeit. Steht dein Gericht mit dem besten Deckungsbeitrag in Kategorie sieben, steht es praktisch nicht auf der Karte. Das ist eine Entscheidung über deinen Deckungsbeitrag, und das Design führt sie nur aus.

Wenn du noch ein PDF ausspielst: hör hier auf, Design-Tipps zu lesen, und bau erst eine echte Karte. Das bringt mehr als jeder Trick in diesem Artikel.

Farben: Kontrast verkauft mehr als Farbpsychologie

Such nach "Farben Speisekarte" und du bekommst jedes Mal dieselbe Liste. Rot macht Appetit. Gelb zieht Blicke. Grün heißt frisch und gesund. Blau bremst den Hunger, weil es in der Natur kein blaues Essen gibt.

Ehrliche Meinung? Das ist zur Hälfte Folklore. Es wird überall abgeschrieben, aber die Studien dahinter sind dünn, alt und drehen sich meist um Verpackungen im Supermarkt, nicht um eine Karte auf dem Handy um 20 Uhr. Ich sage nicht, dass Farbe egal ist. Ich sage, sie ist viel weniger wichtig als die Sache, über die niemand redet: Kann man das überhaupt lesen?

Die eine Zahl, die zählt: 4,5:1

Der Kontrastwert ist der Helligkeitsunterschied zwischen deinem Text und dem Hintergrund dahinter. Fließtext sollte mindestens 4,5:1 erreichen, große Schrift (grob ab 24 px, oder ab 19 px fett) mindestens 3:1. Das ist kein Schönheitswunsch, sondern der Wert, den auch die europäische Norm für Barrierefreiheit ansetzt — dazu weiter unten mehr.

Praktisch ist es der Unterschied zwischen einem Gast, der deine Beschreibung liest, und einem, der direkt zum Preis springt. Kostenlose Kontrast-Prüfer gibt es überall: zwei Hex-Werte reinkopieren, fünf Sekunden später weißt du Bescheid.

Die üblichen Verdächtigen:

  • Hellgraue Beschreibungen auf Weiß. Designer lieben das. Es fällt beim Kontrast fast immer durch — und genau in den Beschreibungen passiert der Verkauf.
  • Weiße Schrift auf einem Foto. Die Helligkeit ändert sich pro Bild, also besteht sie den Test beim dunklen Steak und verschwindet im hellen Kaiserschmarrn. Dunkle Abdeckung drüber oder sein lassen.
  • Gold oder Beige für "Eleganz". Sieht in der Designdatei edel aus. Auf der Terrasse um 13 Uhr unlesbar.
  • Dünne Schriftschnitte. Kontrast ist nicht nur Farbe. Eine haarfeine Schrift im Schnitt 300 wirkt selbst in reinem Schwarz kontrastarm.

Die 60-30-10-Aufteilung

Eine simple Regel, damit deine Karte nicht wie eine Farbfächer-Probe aussieht:

  • 60 % — dein Hintergrund. Eine ruhige Farbe. Meist fast weiß oder fast schwarz.
  • 30 % — Text und Struktur. Kategorie-Überschriften, Namen der Gerichte, Trennlinien.
  • 10 % — dein Akzent. Eine Farbe. Genau eine.

Nimm den Akzent für das, was angetippt oder gesehen werden soll: den Bestell-Button, die Markierung "Empfehlung des Hauses", die aktive Kategorie. Sobald der Akzent an fünf verschiedenen Stellen auftaucht, bedeutet er nichts mehr. Eine Akzentfarbe überall ist dasselbe wie gar keine.

Was Farben auf einer Karte wirklich machen

Zieh die Folklore ab, dann bleibt das hier — und das ist immer noch nützlich:

  • Warme Farben (Rot, Orange, Terrakotta) ziehen den Blick. Nicht weil sie hungrig machen, sondern weil sie neben einem ruhigen Hintergrund laut sind. Nutz sie zum Zeigen, nicht zum Dekorieren.
  • Grün liest sich als "frisch" und "pflanzlich", weil uns die Supermarktverpackungen alle darauf trainiert haben. Kulturell, aber echt.
  • Dunkle Hintergründe wirken teuer. Steakhäuser und Cocktailbars sind nicht zufällig dunkel. Wenn du im gehobenen Bereich unterwegs bist, holt dir eine dunkle Karte etwas Preisluft — kostenlos.
  • Deine Markenfarbe ist nicht automatisch deine Kartenfarbe. Eine neonpinke Marke darf eine fast weiße Karte mit neonpinken Buttons haben. Die Marke ist der Akzent, nicht die Tapete.

Das Problem mit dem dunklen Gastraum

Ein echtes Szenario: Deine Karte ist eine leuchtend weiße Seite. Es ist 21 Uhr, das Licht ist gedimmt, der Gast sitzt bei Kerzenschein. Er scannt, und sein Display wird zur Taschenlampe im Gesicht. Das ist unangenehm, und es lässt deinen Laden weniger warm wirken, als er ist.

Die meisten Handys stehen inzwischen standardmäßig auf Dunkelmodus. Wenn deine Karte das ignoriert und Weiß rausballert, kämpfst du gegen die Einstellung deines Gastes. Zwei Möglichkeiten: eine dunkle Version bauen, oder wenigstens das reine Weiß auf ein weiches Gebrochen-Weiß herunterziehen. Kleine Änderung, abends spürbar freundlicher.

Und teste die andere Richtung genauso. Terrassen gibt es auch. Nimm dein Handy mittags mit nach draußen und schau, ob deine Karte die Sonne überlebt.

Schriften: lesbar schlägt schick — immer

Eine Schreibschrift ist ein Versprechen an deinen Gast, dass er blinzeln wird. Heb sie dir fürs Logo und den Namen des Hauses auf — nicht für 40 Gerichte.

Größen, die auf dem Handy funktionieren

Fang hier an und pass es deinem Geschmack an. Das sind Handy-Größen, keine Laptop-Größen:

ElementGrößeSchnitt
Kategorie-Überschrift20–24 pxFett
Name des Gerichts17–18 pxHalbfett
Beschreibung16 pxNormal
Preis16–18 pxMedium
Füllmenge, Portion, Zusatzstoff-Ziffern13–14 pxNormal

Zwei Dinge, die du dir merken solltest.

16 px ist die Untergrenze für alles, was gelesen werden muss. Das ist die Standardgröße des Browsers. Gehst du darunter, fangen Gäste an zu zoomen — und jedes Zoomen ist ein kleiner Grund, aufzugeben und einfach das zu bestellen, was man immer bestellt. Kleiner als 16 px darf nur, was Zusatzangabe ist: "0,3 l", die Ziffer hinter dem Gericht, die Fußnotenzeile. Und auch die nicht unter 13 px.

Hierarchie entsteht aus den Abständen, nicht aus den Größen. Wenn der Name 17 px hat und die Beschreibung 16 px, lesen sich beide als ein graues Etwas. Mach jede Stufe deutlich — ein paar Pixel und ein anderer Schnitt oder eine andere Farbe. Ein Gast sollte nur die fetten Namen überfliegen, alles andere ignorieren und trotzdem durch die ganze Karte finden.

Zwei Schriften. Mehr nicht.

Eine für Überschriften, eine für den Fließtext. Oder ehrlich: eine Schrift in zwei Schnitten — das ist eine völlig respektable Karte.

Ein paar praktische Regeln:

  • Keine Schreib- und Frakturschriften für Gerichte. Sie kosten Lesbarkeit und bringen bei 17 px genau nichts.
  • GROSSBUCHSTABEN sind okay für kurze Labels, furchtbar für Sätze. "VORSPEISEN" geht. Eine Beschreibung in Versalien nicht — wir lesen Wortbilder, und Versalien machen aus allen Wörtern Rechtecke.
  • Nimm echtes Fett, kein simuliertes. Fehlt der Schriftfamilie ein fetter Schnitt, rechnet der Browser einen dazu, und auf manchen Handys sieht das verschmiert aus.
  • Schau dir die Ziffern an. Manche eleganten Schriften nutzen Mediävalziffern, die auf verschiedenen Höhen sitzen. Hübsch im Roman, unruhig in einer Preisspalte.
  • Zeilenabstand 1,4 bis 1,5 für Beschreibungen. Zu enger Zeilenabstand ist der häufigste Grund, warum eine Karte sich "schwer lesbar anfühlt" und niemand sagen kann, warum.

Google Fonts nie von Google-Servern laden

Das ist der wichtigste technische Satz in diesem ganzen Artikel, wenn du in Deutschland arbeitest.

Bindest du eine Schrift per Link direkt von den Google-Servern ein, wird beim Aufruf deiner Karte die IP-Adresse deines Gastes in die USA übertragen — ohne Einwilligung. Das Landgericht München I hat 2022 entschieden, dass das ein Verstoß gegen die DSGVO ist und dem Kläger Schadenersatz zugesprochen. Danach rollte eine Abmahnwelle durch deutsche Webseiten, inklusive Gastro.

Die Lösung ist einfach und kostet nichts: Schriften selbst hosten. Die Schriftdateien werden von deinem eigenen Server geladen, nicht von Google. Bei einem Baukasten oder QR-Karten-Werkzeug fragst du beim Anbieter nach, ob die Schriften lokal ausgeliefert werden — das ist eine berechtigte Frage, und ein seriöser Anbieter beantwortet sie in einem Satz. Dasselbe gilt für nachgeladene Icon-Sets und Karten-Einbindungen.

Kurz: Design-Entscheidung und Rechtsentscheidung sind hier dieselbe Entscheidung. Wähl eine Schrift, die du herunterladen und selbst ausliefern darfst.

Umlaute, ß und die Länge deutscher Gerichte

Deutsche Namen sind länger als englische. "Pork medallions" hat 15 Zeichen. "Schweinemedaillons in Pfefferrahmsoße mit Kroketten und Marktgemüse" hat über 65. Das ist kein Detail, das ist dein Layout.

Was du konkret tun solltest:

  • Entwirf mit deinem längsten Gericht, nicht mit deinem kürzesten. Nimm "Rinderroulade mit Apfelrotkohl und hausgemachten Kartoffelklößen" als Testzeile. Wenn das auf einem schmalen Handy sauber umbricht, bricht alles sauber um.
  • Plan zwei bis drei Zeilen für den Namen ein, nicht eine. Sonst rutscht der Preis in eine eigene Zeile und die Karte fängt an zu hüpfen.
  • Keine zwei Spalten auf dem Handy. Bei deutschen Wortlängen bleibt pro Spalte kaum ein Wort übrig.
  • Prüf Umlaute und ß in der Schrift, bevor du dich festlegst. Tipp diese Testzeile ein: "Käsespätzle mit Röstzwiebeln, Weißweinsoße und frischem Grünkohl". Fehlt ein Zeichen, tauscht der Browser mitten im Wort still die Schrift — und man sieht es sofort.
  • Vorsicht bei Versalien und ß. Aus "Weißbier" wird in Großbuchstaben "WEISSBIER" oder "WEIẞBIER", und das große ẞ haben längst nicht alle Schriften. Setz solche Labels lieber normal.
  • Automatische Silbentrennung hilft, wenn die Seite die Sprache "de" korrekt gesetzt hat. Sonst reißt "Zwiebelrostbraten" ein hässliches Loch in die Zeile.

Wenn du mehrsprachig veröffentlichst, gilt dasselbe eine Stufe härter: Deutsch ist länger als Englisch, Arabisch braucht ein echtes Rechts-nach-links-Layout und keinen gespiegelten Notbehelf. Prüf jede Sprache einzeln auf einem kleinen Display.

Abstände: das kostenlose Upgrade, das fast niemand nutzt

Wenn du nach diesem Artikel nur eine Sache änderst, dann deine Abstände.

Der Effekt ist erstaunlich verlässlich: Leerraum um ein Gericht lässt dieses Gericht teurer wirken. Schau dir die Webseite irgendeiner Luxusmarke an. Riesige Ränder, ein Produkt, viel Nichts. Und jetzt schau dir einen Discounter-Prospekt an — alles randvoll, alles schreit. Dasselbe Prinzip, entgegengesetzte Enden.

Deine Karte macht gerade eines von beiden, ob du es entschieden hast oder nicht.

Die Startwerte

  • Innenabstand der Karte: 16–20 px. Der Platz zwischen dem Text eines Gerichts und dem Rand seiner Kachel. Unter 12 px wirkt alles gedrängt und billig.
  • Kategorie-Überschrift zum ersten Gericht: 24–32 px. Dieser Abstand macht aus einer Kategorie einen neuen Abschnitt statt einer endlosen Liste.
  • Zwischen zwei Gerichten: 12–16 px, plus eine feine Trennlinie, wenn der Hintergrund sie nicht ohnehin trennt.
  • Seitenrand der Seite: mindestens 16 px. Text, der bis an den Displayrand läuft, ist unangenehm auf eine Art, die Gäste spüren, aber nicht benennen.

Abstand ist auch ein Verkaufswerkzeug

Abstand ist nicht nur Deko, er sagt schau hier her. Gib deinem Aushängeschild eine größere Kachel oder einen eigenen Block mit echter Luft drumherum, und es liest sich als besonders — ganz ohne "UNSER HIGHLIGHT!!"-Banner. Das ist die höfliche Variante von Zusatzverkauf, und sie funktioniert besser als die laute.

Umgekehrt gilt dasselbe. Wenn du ein Gericht hast, das du eigentlich nicht verkaufen willst — hoher Wareneinsatz, dünne Marge, aber die Stammgäste würden Randale machen — dann setz es eng in die Mitte einer langen Liste. Es bleibt verfügbar. Es ist nur nicht mehr der Star. Genau das ist der Weg, mit Ladenhütern auf der Karte umzugehen, bevor du sie streichst.

Daumen sind dick, und das ist dein Problem

Alles, was angetippt wird, sollte mindestens 44 px hoch sein — das ist Apples Empfehlung, Google nennt 48 px. Das betrifft Kategorie-Chips, Bestell-Buttons und jede Kachel, die eine Detailseite öffnet. Auch der Link zu deinem Impressum gehört dazu; eine 10-px-Zeile in Hellgrau ganz unten ist kein Link, das ist ein Versteck.

Und denk daran, wo der Daumen wohnt. Wer das Handy einhändig hält, erreicht bequem die untere Hälfte des Displays. Eine feste Kategorieleiste oben ist zum Lesen völlig in Ordnung, aber wenn der Gast für jeden Tipp strecken muss, hört er auf zu navigieren und scrollt nur noch — und sieht dadurch weniger von deiner Karte, nicht mehr.

Preistypografie, die kein Preis-Scannen auslöst

Preis-Scannen heißt: Der Gast liest zuerst die Preisspalte runter, sucht sich eine Zahl aus und schaut dann rückwärts, welches Essen dazugehört. Das ist der Feind. So wird aus deiner Karte eine Preisliste.

Das Layout löst es aus. Vier Korrekturen, alle einfach:

1. Weg mit den Führungspunkten. Diese ......... vom Gericht zum Preis sind eine Autobahn für das Auge. Sie existieren, damit man Preise vergleichen kann. Warum solltest du dabei helfen?

2. Keine rechtsbündige Preisspalte. Ein ordentlicher senkrechter Stapel aus Zahlen ist ein Einkaufszettel. Setz den Preis lieber direkt hinter die Beschreibung oder gleich unter den Namen — an das Essen geheftet, nicht auf einer eigenen Fahrspur.

3. Vorsicht beim Währungszeichen. Eine bekannte Cornell-Studie fand, dass Gäste spürbar mehr ausgaben, wenn Preise als reine Zahl standen ("24") statt als "24,00 €". Das Zeichen erinnert daran, dass gerade Geld weggeht. In Deutschland gibt es dabei aber eine Bedingung: Nach § 3 PAngV musst du Endpreise inklusive Umsatzsteuer angeben, und der Preis muss eindeutig als Preis erkennbar sein. Die saubere Lösung ist ein gut sichtbarer Hinweis im Kopf der Karte — "Alle Preise in Euro inkl. MwSt." — und darunter schlichte Zahlen. Details dazu stehen in Bruttopreise, Nettopreise und die Endpreispflicht.

4. Lass den Preis zum Versprechen passen. Preise auf 9 (9,90 €) rufen Angebot — passt zum Imbiss, passt nicht zum Menü mit vier Gängen. Glatte Zahlen ohne Nachkommastellen (24) flüstern Qualität. Keins von beidem ist besser; der Bruch dazwischen ist das Problem. Edles Design mit ,99-Preisen fühlt sich für Gäste an, als würde man sie bearbeiten.

Pflichtangaben: was auf einer deutschen Karte Platz braucht

Das hier ist der Teil, den englische Design-Ratgeber nicht kennen. In Deutschland muss auf deiner Karte einiges stehen, und wenn du erst am Schluss überlegst, wohin damit, sieht das Ergebnis auch so aus. Plan diese Elemente von Anfang an ein, dann stören sie kein bisschen.

Endpreise, Preisverzeichnis und der Aushang am Eingang

§ 3 PAngV: Du gibst Endpreise inklusive Umsatzsteuer an. Keine Nettopreise, keine "zzgl. MwSt."-Konstruktion gegenüber Gästen.

§ 7 PAngV: Ein Preisverzeichnis muss am oder im Eingang aushängen und von außen lesbar sein. Und jetzt der Satz, der viele überrascht: Eine QR-Speisekarte ersetzt diesen Aushang nicht. Ein QR-Code an der Tür ist kein von außen lesbares Preisverzeichnis. Bei Verstößen sind nach § 19 PAngV Bußgelder bis 25.000 € möglich.

Fürs Design heißt das: Plan die gedruckte Aushangkarte mit ein. Sie ist Teil deines Kartenkonzepts, nicht ein lästiger Zettel. Nimm dieselbe Schrift, dieselben Farben, dieselbe Struktur — dann ist sie in zehn Minuten aus derselben Vorlage gebaut und sieht nicht nach Notlösung aus.

Wenn du druckst, brauchst du eine Auflösung, die trägt. Faustregel: Druckgröße in cm × 120 = Pixel. Ein A4-Aushang (21 × 29,7 cm) braucht also rund 2.520 × 3.564 Pixel. Ein QR-Code auf dem Tischaufsteller sollte gedruckt mindestens 2,5 × 2,5 cm groß sein, also etwa 300 × 300 Pixel, mit ruhigem weißem Rand drumherum — sonst scannt er im Halbdunkel nicht.

Zwei weitere Kleinigkeiten, die im Layout Platz brauchen:

  • Tagesempfehlungen brauchen einen Preis. Der Tagesfisch, der nur mündlich empfohlen wird, ist Ärger. Bau dir einen festen Block "Tagesempfehlung" mit Preisfeld, den du morgens füllst.
  • Verkauf nach Gewicht braucht zusätzlich den Grundpreis pro Kilogramm. Eine kleine Zeile unter dem Gericht reicht — aber sie muss da sein.
  • Offene Getränke brauchen die Füllmenge. "Pils 0,3 l — 4,20 €", "Weißwein 0,2 l — 6,50 €". Ausgeschenkt wird aus geeichten Schankgefäßen. Gestalte die Füllmenge als kleines Label neben dem Preis, nicht als Klammer mitten im Namen.

Allergene und Zusatzstoffe, ohne die Karte zu überladen

Es sind 14 Allergene nach Anhang II der LMIV: glutenhaltiges Getreide, Krebstiere, Eier, Fisch, Erdnüsse, Soja, Milch, Schalenfrüchte, Sellerie, Senf, Sesam, Schwefeldioxid und Sulfite, Lupinen, Weichtiere. Senf, Sellerie und Sulfite sind die, die in deutschen Küchen am häufigsten vergessen werden — sie stecken in Dressings, Fonds und Trockenweinen.

Für lose Ware, also alles, was du im Betrieb offen abgibst, erlaubt die LMIDV neben der schriftlichen auch die mündliche Auskunft. Dann brauchst du zwei Dinge: eine schriftliche Dokumentation, die im Betrieb jederzeit für Gäste und Kontrolle einsehbar ist, und einen gut sichtbaren Hinweis auf der Karte, dass die Auskunft mündlich erfolgt. Ein versteckter Satz in 10 px zählt nicht als gut sichtbar.

Drei Layout-Muster, die funktionieren:

  1. Aufklappbarer Bereich pro Gericht. Unter dem Namen eine dezente Zeile "Allergene & Zusatzstoffe" mit Pfeil. Antippen, aufklappen, fertig. Die Karte bleibt ruhig, die Information ist einen Tipp entfernt — und weil sie im Text steht und nicht im Bild, findet sie auch ein Screenreader.
  2. Symbole plus Legende. Kleine Icons oder Kürzel direkt am Gericht, dazu eine Legende oben in der Kategorie. Wichtig: nie nur über Farbe arbeiten. Ein rotes Pünktchen allein ist für rund jeden zwölften Mann nicht unterscheidbar.
  3. Ziffern-Fußnoten wie auf der Papierkarte. Die klassische deutsche Lösung: hochgestellte Ziffern am Gericht, Fußnotenlegende am Ende der Kategorie. Funktioniert digital genauso, solange die Ziffern nicht unter 13 px rutschen und die Legende in derselben Kategorie steht — nicht ganz unten auf Seite drei.

Die Zusatzstoff-Kennzeichnung ist ein eigener Pflichtblock: mit Farbstoff, mit Konservierungsstoff, mit Antioxidationsmittel, mit Geschmacksverstärker, geschwefelt, geschwärzt, gewachst, mit Phosphat, mit Süßungsmittel, enthält eine Phenylalaninquelle, koffeinhaltig, chininhaltig. Die passen gut in dieselbe Fußnotenlegende wie die Allergene — ein Block statt zwei, das spart dir eine halbe Bildschirmhöhe. Wie man das sauber aufbaut, ohne die Karte zuzumüllen, ist ein Thema für sich.

Bezeichnungsschutz: der große Fehler im deutschen Kartentext

Design ist auch Text, und hier liegt eine Falle, die es im Englischen nicht gibt. Die Leitsätze des Deutschen Lebensmittelbuchs legen fest, was ein Name bedeuten muss:

  • "Wiener Schnitzel" ist immer vom Kalb. Vom Schwein heißt es "Schnitzel Wiener Art". Das ist der Klassiker unter den Abmahnungen.
  • Geschützte Herkunftsnamen wie Schwarzwälder Schinken, Nürnberger Rostbratwürste, Lübecker Marzipan oder Allgäuer Emmentaler darfst du nur schreiben, wenn die Ware das auch erfüllt.
  • "Hausgemacht" heißt: im eigenen Betrieb hergestellt. Nicht angeliefert und aufgewärmt.
  • "Bio" nur mit Öko-Zertifizierung und Kontrollstellen-Code (DE-ÖKO-0xx).
  • Herkunft und Zustand gehören dazu: Rindfleisch mit Herkunft, Fisch mit Fanggebiet und Fangmethode, aufgetaute Ware als "aufgetaut", Analogkäse als "Lebensmittelimitat".

Diese Zusätze brauchen Platz. Rechne pro Gericht mit einer zusätzlichen kleinen Zeile unter dem Namen und gestalte sie einmal ordentlich — in 13–14 px, in einer gedeckten Farbe, aber mit ausreichend Kontrast. Wenn du sie erst nachträglich einschiebst, sieht deine Karte aus wie ein Formular.

Umsatzsteuer im Layout: seit 2026 einfacher, aber nicht egal

Seit 1.1.2026 gelten auf Speisen 7 % Umsatzsteuer in jedem Kanal — im Haus, außer Haus, Lieferung, Catering. Die alte Frage "hier essen oder mitnehmen?" ist steuerlich erledigt. Getränke bleiben bei 19 %, egal wo und egal ob mit Alkohol. Eine Ausnahme lohnt sich zu merken: Milch und Milchmischgetränke ab 75 % Milchanteil sind außer Haus 7 %, im Haus 19 % — der Latte-to-go-Sonderfall.

Für das Design heißt das vor allem eins: Kombiangebote und Menüpreise musst du in einen Speisen- und einen Getränkeanteil aufteilen. Wenn du ein "Mittagsmenü mit Getränk" als einen Preis auf die Karte setzt, muss die Aufteilung in der Kasse hinterlegt und dokumentiert sein. Das ist kein Layout-Problem, aber es entscheidet, wie du Menüs überhaupt anlegst. Mehr dazu in Umsatzsteuer im Restaurant.

Deine digitale Karte ist rechtlich eine Website

Sobald deine Karte im Browser läuft, ist sie ein digitales Angebot — mit allem, was dazugehört. Drei Punkte, drei Fußzeilen-Links, einmal gemacht und dann Ruhe.

  • Impressum nach § 5 DDG. Das Digitale-Dienste-Gesetz hat 2024 das alte TMG abgelöst, die Pflicht ist geblieben: Name, Anschrift, Kontakt, Rechtsform, Vertretungsberechtigte, Umsatzsteuer-ID, wenn vorhanden. Muss von der Karte aus direkt erreichbar sein, mit einem Klick oder Tipp, nicht über drei Umwege.
  • Datenschutzerklärung nach Art. 13 DSGVO. Was wird erhoben, warum, wie lange, wer verarbeitet mit. Wenn du eine Cloud-Lösung nutzt, gehört ein Auftragsverarbeitungsvertrag nach Art. 28 DSGVO mit dem Anbieter in die Schublade.
  • Cookie- und Tracking-Einwilligung nach § 25 TDDDG. Lässt du Statistik oder Heatmaps auf der QR-Speisekarte laufen, brauchst du vorher eine echte Einwilligung — mit einer genauso gut sichtbaren Ablehnen-Möglichkeit wie dem Zustimmen-Button. Rein technisch notwendige Speicherung, etwa die gewählte Sprache, braucht keine Einwilligung.

Und da wir gerade beim Design sind: Ein Einwilligungsbanner, das die halbe erste Bildschirmhöhe frisst, kostet dich genau die Fläche, um die es in diesem ganzen Artikel geht. Halt es klein, halt es unten, halt es fair — und überleg ehrlich, ob du das Tracking auf der Speisekarte überhaupt brauchst. Reine Bestell- und Ansichtszahlen aus deinem eigenen System sind oft aussagekräftiger und rechtlich viel einfacher.

Fotos: stark, und leicht falsch gemacht

Fotos bewegen auf einer digitalen Karte tatsächlich Bestellungen. Sie zerlegen eine Karte aber auch schneller als alles andere auf dieser Liste.

Regeln, für die ich geradestehen würde:

  • Pro Kategorie alles oder nichts. Eine Kategorie, in der drei Gerichte ein Foto haben und fünf nicht, ist keine Karte, sondern eine Rangliste. Die fünf verkaufen sich schlechter, und zwar nicht, weil sie schlechter sind.
  • Ein Bildausschnitt, ein Winkel. Gemischt Hoch- und Querformat lässt eine gute Küche aussehen wie ein Facebook-Album von 2013.
  • Ein schlechtes Foto ist schlimmer als keins. Ein dunkler, gelbstichiger Teller von oben auf einem vollen Pass kostet dich aktiv Geld. Wenn du es noch nicht ordentlich fotografieren kannst, lass es weg.
  • Achte auf die Dateigröße. 4 MB pro Bild heißt: Die Karte braucht im Café-WLAN sechs Sekunden. Gäste warten nicht. Halt die Bilder klein und lass das Werkzeug komprimieren.
  • Fotos schieben alles nach unten. Jedes Bild vergräbt den Rest der Kategorie tiefer im Scroll. Manchmal verkauft eine Karte ohne Bilder schlicht mehr, weil Gäste mehr Gerichte sehen.
  • Jedes Bild braucht einen Alternativtext. Kurz und beschreibend, nicht "bild_2938.jpg". Das ist gleichzeitig Barrierefreiheit und der einzige Weg, wie eine Suchmaschine erfährt, was auf dem Teller liegt.

Struktur: die Design-Entscheidung, die in deinen Kategorien steckt

Du kannst perfekte Farben wählen und den Verkauf trotzdem in der Kategorieliste verlieren.

Halt Kategorien bei 6 bis 8 Gerichten. Die gängige Faustregel liegt bei etwa sieben. Zu viele Optionen und Menschen erstarren, oder sie flüchten zu dem, was sie überall bestellen. Eine kurze Liste wird gelesen, eine Liste mit 22 Positionen wird überflogen.

Erstes und letztes bleiben hängen. Ein gut belegter Gedächtniseffekt: Anfang und Ende einer Liste merkt man sich besser als die Mitte. Setz also dein margenstärkstes und beliebtestes Gericht an den Anfang der Kategorie und die Nummer zwei ans Ende. In die Mitte kommen die Füller.

Die Reihenfolge der Kategorien ist dein ganzes Layout. Auf dem Handy ist Kategorie eins der Seitenanfang. Wenn Getränke vor den Hauptgerichten stehen, verkaufst du Getränke. Entscheide das bewusst.

Benenne Kategorien in Gästesprache, nicht in Küchensprache. "Kleine Gerichte" schlägt "Garde manger". Niemand will sich beim Lesen einer Karte dumm vorkommen.

Allergene gehören ins Design, nicht in eine Fußnote am Ende. Ein Gast mit Nussallergie, der die Antwort nicht findet, bestellt nichts oder geht. Siehe den Abschnitt oben — das ist in Deutschland ohnehin Pflicht, also mach gleich etwas Gutes daraus.

Barrierefreiheit ist Umsatz, nicht Wohltätigkeit

Zwei Dinge, die 2026 wichtig sind.

Erstens das Geld. Ein großer Teil deiner Gäste ist über 50, und kleiner grauer Text auf Armlänge im gedimmten Gastraum ist für sie ehrlich anstrengend. Rund jeder zwölfte Mann hat eine Farbsehschwäche — wenn dein einziges Kennzeichen für "heute nicht verfügbar" ein roter Farbton ist, sieht das ein Teil des Raums schlicht nicht. Dazu kommen Sonne auf dem Display, ein Sprung in der Scheibe, eine Hand voll Kinderjacke. Wer für diese Situationen gestaltet, gestaltet für alle besser.

Zweitens die Regeln — und hier gilt in Deutschland etwas anderes als in den USA. Den amerikanischen ADA gibt es hier nicht, und Artikel, die damit argumentieren, gehen an der deutschen Lage vorbei. Maßgeblich ist das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG), das seit dem 28.6.2025 gilt. Es setzt die europäische Richtlinie um und betrifft digitale Dienstleistungen für Verbraucher. Der technische Maßstab ist EN 301 549, die sich an WCAG 2.1 AA orientiert. Praktisch heißt das:

  • Kontrast mindestens 4,5:1 für Fließtext, 3:1 für große Schrift
  • Text bis 200 % vergrößerbar, ohne dass Inhalte verschwinden oder überlappen
  • Bedienbar ohne Maus — mit Tastatur und mit Screenreader
  • Sinnvolle Alternativtexte für Bilder, echte Überschriftenstruktur statt fett formatierter Absätze
  • Auf dem Handy mindestens 16 px für alles, was gelesen werden muss
  • Information nie allein über Farbe transportieren

Die ehrliche Einschränkung: Für Dienstleistungen nimmt das BFSG Kleinstunternehmen aus — weniger als 10 Beschäftigte und höchstens 2 Mio. € Jahresumsatz. Sehr viele Gastrobetriebe fallen darunter. Ob deine digitale Karte überhaupt als betroffene Dienstleistung gilt, hängt außerdem davon ab, was sie tut: eine reine Ansichtskarte und ein voller Bestell- und Bezahlprozess sind nicht dasselbe. Lass das im Zweifel prüfen, statt dich auf einen Blogartikel zu verlassen — auch auf diesen nicht.

Aber der wichtigere Punkt: Die praktische Arbeit ist genau die Arbeit, die du ohnehin machen wolltest. Echter Kontrast, 16 px, große Tippflächen, nie nur Farbe, und Text, den ein Screenreader vorlesen kann — was ein PDF oder ein Bild deiner Karte nie kann. Das ist kein Compliance-Projekt, das ist gutes Design mit einem zweiten Nutzen.

Deine Karte wird jetzt auch von Maschinen gelesen

Neu in den letzten Jahren und zehn Minuten deiner Zeit wert. Gäste fragen immer öfter eine KI: "Wo gibt es hier in der Nähe einen ordentlichen veganen Brunch?" Um das zu beantworten, lesen diese Systeme, was auf deiner Seite steht.

Ein Bild können sie nicht lesen. Ein PDF nur schlecht. Text lesen sie.

Eine echte textbasierte digitale Karte mit klaren Namen, ehrlichen Beschreibungen und ausgezeichneten Ernährungshinweisen macht damit doppelte Arbeit — sie verkauft dem Gast am Tisch, und sie ist das, was ein Assistent zitiert, wenn jemand fragt. Wenn deine Karte ein JPEG ist, kommst du in diesem Gespräch nicht vor. Aus demselben Grund gehört sie auf eine Seite, die Suchmaschinen lesen dürfen, und nicht in eine App.

Der 15-Minuten-Check für deine Speisekarte

Nimm dein Handy. Mach das an einem echten Tisch in deinem echten Gastraum, nicht am Schreibtisch im Büro.

  1. Scann deinen eigenen QR-Code. Stopp die Zeit, bis die Karte da ist. Über drei Sekunden im Café-WLAN ist ein Problem.
  2. Noch nicht scrollen. Was ist auf dem ersten Bildschirm zu sehen? Ist da irgendetwas dabei, das du wirklich verkaufen willst?
  3. Blinzel drauf. Augen unscharf stellen. Was sichtbar bleibt, sehen deine Gäste. Ist das die richtige Liste?
  4. Lies eine Beschreibung auf Armlänge. Zu klein? Zu blass? Größer und dunkler.
  5. Prüf den Kontrast der Beschreibungen gegen den Hintergrund mit einem kostenlosen Werkzeug. Unter 4,5:1 wird korrigiert.
  6. Zähl die Gerichte in deiner größten Kategorie. Mehr als 8? Teilen oder kürzen.
  7. Schau dir die Preise an. Spalte? Führungspunkte? Fehlt der Hinweis "inkl. MwSt."? Alles drei erledigen.
  8. Such die Allergen-Information, als wärst du Gast mit Sellerieallergie. Wie viele Tipps brauchst du? Mehr als zwei ist zu viel.
  9. Sind die Füllmengen bei allen offenen Getränken da? 0,3 l, 0,5 l, 0,2 l — jedes einzelne.
  10. Tipp alles mit dem Daumen an, einhändig. Was du zielen musst, ist zu klein.
  11. Stell das Handy auf Dunkelmodus und lad neu. Sieht das noch nach deinem Laden aus?
  12. Geh raus ins Tageslicht und lies es nochmal.
  13. Wechsel in jede Sprache, die du veröffentlichst, und schau, ob etwas umbricht oder zerbricht.
  14. Öffne Impressum und Datenschutzerklärung von der Karte aus. Beides in einem Tipp erreichbar? Nein? Dann ist das die wichtigste Aufgabe dieser Liste.
  15. Gib dein Handy jemandem, der die Karte nie gesehen hat. Sag nichts. Schau, wo er stehenbleibt und wo er aufgibt. Dieser eine Punkt ist mehr wert als die anderen vierzehn zusammen.

Fehler, die ich immer wieder sehe

  • Die PDF-Karte. Keine Suche, kein Zoom, keine Barrierefreiheit, keine Auswertung. Der größte Einzelfehler.
  • Google Fonts direkt von Google geladen. Kostet nichts, es zu ändern. Kann teuer werden, es zu lassen.
  • Grauer Text auf Weiß, weil es im Designwerkzeug edel aussah.
  • Eine andere Akzentfarbe pro Kategorie. Regenbogenkarte, null Hierarchie.
  • Alle Gerichte zusammengequetscht, um "mehr oben unterzubringen". Mehr unterbringen ist nicht das Ziel. Mehr verkaufen ist das Ziel.
  • Allergene als Textwüste ganz unten. Pflicht erfüllt, Gast verloren.
  • Fotos nur bei manchen Gerichten, was alles andere still abwertet.
  • Ein Logo, das den ersten Bildschirm frisst. Deine Gäste wissen, wo sie sind. Sie haben deinen Tisch gescannt.
  • Am Laptop entworfen. Fast jeder Gast ist am Handy. Entwirf dort.
  • Einmal eingestellt und nie wieder angefasst. Ein Kartendesign ist eine Vermutung, kein Denkmal.

Woran du merkst, ob es funktioniert hat

Design-Änderungen sind Vermutungen, bis du nachschaust. Gib jeder Änderung zwei Wochen und schau dann auf:

  • Welche Gerichte häufiger bestellt wurden. Renner- und Penner-Auswertung, vorher und nachher.
  • Was Gäste angeschaut, aber nicht bestellt haben. Das ist das schärfste Signal im ganzen Betrieb, und Design löst davon eine Menge.
  • Wie tief gescrollt wird. Wenn kaum jemand Kategorie fünf erreicht, ist Kategorie fünf das Problem, nicht das Gericht.
  • Der durchschnittliche Bon. Bessere Hierarchie und klarere Zusätze zeigen sich meist hier zuerst.
  • Wie oft Beilagen und Extras mitbestellt werden. Was man schlecht sieht, wird nicht dazugenommen.

Änder nach Möglichkeit eine Sache auf einmal. Änderst du sechs, weißt du nie, welche gewirkt hat.

Häufige Fragen

Welche Farbe ist die beste für eine Speisekarte? Es gibt keine. Es gibt einen besten Kontrast: Text mindestens 4,5:1 gegen den Hintergrund. Nimm einen ruhigen Hintergrund (fast weiß oder fast schwarz), eine Akzentfarbe für Buttons und Markierungen, und hör da auf.

Welche Schriftgröße braucht eine digitale Speisekarte? Mindestens 16 px für alles, was Gäste lesen sollen, 17–18 px für die Namen der Gerichte, 20–24 px für Kategorie-Überschriften. Kleiner heißt zoomen.

Machen Rot und Gelb wirklich hungrig? Die Belege sind deutlich dünner, als das Internet behauptet. Warme Farben ziehen den Blick, und das ist echt nützlich — erwarte nur nicht, dass die Farbe selbst ein Gericht verkauft.

Darf ich das Euro-Zeichen bei den Preisen weglassen? Ja, wenn eindeutig bleibt, dass es sich um Endpreise in Euro inklusive Umsatzsteuer handelt. Setz einen gut sichtbaren Hinweis in den Kopf der Karte. Nettopreise gegenüber Gästen sind nach § 3 PAngV nicht zulässig.

Ersetzt meine QR-Speisekarte den Aushang am Eingang? Nein. § 7 PAngV verlangt ein Preisverzeichnis am oder im Eingang, von außen lesbar. Ein QR-Code an der Tür reicht dafür nicht. Plan den Druck also mit ein.

Muss ich alle Allergene direkt am Gericht anzeigen? Für lose Ware erlaubt die LMIDV auch die mündliche Auskunft — dann brauchst du eine schriftliche Dokumentation im Betrieb und einen gut sichtbaren Hinweis auf der Karte. Direkt am Gericht ist trotzdem die gästefreundlichste Lösung, und aufklappbar kostet sie kein Layout.

Gilt das BFSG für meine QR-Speisekarte? Kommt darauf an. Kleinstunternehmen (unter 10 Beschäftigte und höchstens 2 Mio. € Jahresumsatz) sind bei Dienstleistungen ausgenommen, und eine reine Ansichtskarte ist etwas anderes als ein voller Bestellprozess. Lass es prüfen, wenn du unsicher bist — und bau die Karte trotzdem so, weil es sich rechnet.

Soll ich von jedem Gericht ein Foto zeigen? Jedes Gericht einer Kategorie oder keins. Gemischt sieht so aus, als wären die Gerichte ohne Bild die, die keiner bestellt.

Wie viele Positionen sollte eine Kategorie haben? Sechs bis acht. Lange Listen werden überflogen und drängen Gäste zur sicheren Gewohnheit.

Brauche ich dafür einen Designer? Für Farben, Schriften und Abstände auf einer digitalen Karte meistens nicht. Jedes brauchbare QR-Karten-Werkzeug macht diese Einstellungen zugänglich, und der Check oben findet das meiste. Spar das Budget lieber für Fotos auf — die sind wirklich schwer selbst zu machen.

Was dein Werkzeug können muss

Du brauchst keine Designsoftware. Du brauchst ein Werkzeug, das dir diese Dinge nicht verbaut:

  • Schriften selbst ausliefern statt von Google-Servern nachzuladen — die Frage stellst du vor dem Vertrag, nicht danach
  • Farben frei setzen für Seite, Kachel, Überschrift, Name, Beschreibung, Preis und Trennlinie
  • Schriftgrößen ändern, mindestens für Überschrift, Name, Beschreibung und Preis
  • Abstände steuern, wenigstens Kachel-Innenabstand und Abstand von Kategorie zu Gericht
  • Allergene und Zusatzstoffe als eigenes Feld pro Gericht, aufklappbar darstellbar
  • Füllmengen und Varianten pro Getränk, statt sie in den Namen zu tippen
  • Impressum und Datenschutz als feste, erreichbare Links
  • Eine druckbare Version für den Aushang am Eingang
  • Auswertungen, die dir zeigen, was angesehen und was bestellt wurde

Fehlt eines davon, ist das ein guter Grund, sich das Werkzeug nochmal anzuschauen. Alles andere in diesem Artikel funktioniert überall.


Gutes Design für eine digitale Speisekarte sieht nicht nach Design aus. Es geht aus dem Weg. Lesbarer Text, echter Kontrast, Luft zum Atmen, Preise am Essen statt in einer Spalte, Pflichtangaben, die von Anfang an eingeplant sind, und deine besten Gerichte dort, wo der Daumen landet. Nichts davon kostet Geld. Das meiste davon kostet einen Abend. Und anders als bei einer gedruckten Karte kannst du es ändern, beobachten, was passiert, und nächste Woche wieder ändern — das ist der echte Vorteil des Digitalen und der, den fast niemand nutzt. Scann heute Abend deine eigene Karte, an einem echten Tisch, und sei ehrlich mit dem, was du siehst. Deine Gäste sind es schon.