Meal Prep ist das einzige Heimküchen-Geschäft, bei dem die Kundschaft jede Woche von allein neu bestellt. Wer Kuchen backt, sucht ewig neue Käufer. Wer Meal Prep kocht, baut sich 20 Stammkunden auf und weiß schon am Donnerstag, was der Sonntag einbringt.

Kurz gesagt: In Deutschland darfst du gekühlte Fertiggerichte aus deiner eigenen Küche verkaufen. Anders als in den USA gibt es hier kein Gesetz, das dir gekühlte Speisen verbietet — die Verordnung (EG) Nr. 852/2004 lässt private Wohnräume in Anhang II Kapitel III ausdrücklich zu. Dafür ist die Temperaturführung streng: Du meldest ein Gewerbe an, registrierst dich bei der Lebensmittelüberwachung, machst die Belehrung nach § 43 IfSG, schreibst ein einfaches HACCP-Konzept und dokumentierst deine Kühltemperaturen. Danach ist der Rest Handwerk: eine einzige enge Zielgruppe, eine Karte aus rund 10 Komponenten statt 20 Rezepten, Preis auf dem Dreifachen von Wareneinsatz plus Verpackung — meist 9 € bis 13 € pro Gericht — und ein harter Bestellschluss. Zwanzig Leute mit je zehn Gerichten pro Woche sind rund 2.200 € Wochenumsatz. Starten kannst du für unter 1.000 €.

Jetzt die lange Version, in der Reihenfolge, in der du sie wirklich brauchst.

Darfst du Meal Prep aus deiner Privatküche verkaufen?

Ja. Und dieser eine Punkt unterscheidet Deutschland von fast allen englischsprachigen Ratgebern, die du zu diesem Thema findest.

In den USA erlauben die "cottage food laws" nur Lebensmittel, die bei Raumtemperatur sicher sind. Gekühlte Gerichte fallen dort raus, und deshalb liest du überall, du bräuchtest eine Mietküche. Das EU-Hygienerecht funktioniert anders. Es verbietet keine Produktgruppe. Es verlangt, dass du die Risiken deines Produkts kennst, beherrschst und aufschreibst.

Für gekühlte Gerichte heißt das: Deine ganze Arbeit hängt an der Temperatur. Hühnchen mit Reis in einer Schale ist ein leicht verderbliches Lebensmittel. Es verzeiht dir keinen Nachmittag auf der Arbeitsplatte.

Was du wirklich anmelden musst

  1. Gewerbe anmelden beim Gewerbeamt deiner Stadt. Kostet je nach Kommune 20 € bis 60 €.
  2. Als Lebensmittelunternehmer registrieren. Das verlangt Artikel 6 der Verordnung (EG) Nr. 852/2004. Zuständig ist die Lebensmittelüberwachung bei deinem Landrats-, Veterinär- oder Ordnungsamt. Die Registrierung ist in der Regel kostenlos.
  3. Belehrung nach § 43 Infektionsschutzgesetz. Pflicht, sobald du mit leicht verderblichen Lebensmitteln arbeitest — bei Meal Prep also immer. Über das Gesundheitsamt oder einen zugelassenen Anbieter, 20 € bis 35 €, höchstens drei Monate vor dem Start.
  4. Hygieneschulung und HACCP-Konzept. Online-Schulung 20 € bis 80 €. Für eine Heimküche reichen meist zwei Seiten: Was kann schiefgehen, wo misst du, was tust du dann.
  5. Fragebogen zur steuerlichen Erfassung ans Finanzamt über ELSTER, innerhalb eines Monats nach dem Start. Dort wählst du auch die Kleinunternehmerregelung.
  6. Bei der Berufsgenossenschaft anmelden. Für Gastro und Lebensmittel ist das die BGN, innerhalb einer Woche nach dem Start, auch ohne Angestellte.
  7. Betriebs- und Produkthaftpflicht. 100 € bis 350 € im Jahr. Deine private Haftpflicht deckt gewerbliche Tätigkeit nicht ab — kein Cent.

Zusammen landest du meist bei 50 € bis 200 € an Gebühren plus Versicherung. Die ganze rechtliche Grundlage steht ausführlicher in unserem Leitfaden dazu, wie du Essen von zu Hause verkaufst.

Wenn Fleisch und Fisch im Spiel sind

Hier wird es einen Schritt strenger, und die meisten Ratgeber überspringen es.

Für Lebensmittel tierischen Ursprungs gilt zusätzlich die Verordnung (EG) Nr. 853/2004. Sie verlangt eigentlich eine Zulassung statt einer einfachen Registrierung. Zwei Ausnahmen retten dich als kleine Küche:

  • Einzelhandel an Endverbraucher. Wer fertige Gerichte direkt an die Person abgibt, die sie isst, gilt als Einzelhandel und braucht keine Zulassung nach 853/2004.
  • Abgabe an andere Betriebe — an ein Fitnessstudio, ein Büro, einen Hofladen — bleibt zulassungsfrei, solange sie untergeordnet, örtlich begrenzt und eingeschränkt ist. Ergänzend regelt die Tier-LMHV die Abgabe kleiner Mengen.

"Untergeordnet und örtlich begrenzt" ist bewusst unscharf formuliert, und dein Veterinäramt legt es aus. Genau deshalb ist ein Anruf dort dein erster Schritt, nicht dein letzter. Beschreib konkret, was du kochst, wie viel pro Woche und an wen. Zehn Minuten am Telefon schlagen einen Monat Rätselraten.

Das ist übrigens der große Unterschied zu den US-Regeln, die du sonst überall liest: Der Verkauf an ein Fitnessstudio ist in Deutschland nicht verboten. Er ist nur an Bedingungen geknüpft.

Wann eine Mietküche trotzdem der bessere Weg ist

Deine Küche zu Hause ist der günstigste Start, aber nicht immer der richtige. Eine gemietete Produktionsküche lohnt sich, wenn dein Herd der Flaschenhals ist, wenn du Fleischgerichte in größerem Umfang an andere Betriebe liefern willst oder wenn dein Vermieter bei gewerblicher Produktion in der Wohnung nicht mitspielt.

Preise in Deutschland: 12 € bis 30 € pro Stunde in einer Mietküche, oder 250 € bis 700 € im Monat für einen festen Block außerhalb der Stoßzeiten. Sonntag früh will kaum jemand haben — genau deine Zeit. Wann sich der Wechsel rechnet, steht in unserem Leitfaden zum Umzug von der Heimküche in eine Profiküche.

Egal welcher Weg: Steck deine erste Woche hier rein und nicht in Instagram. Und wenn du zuerst das große Bild willst, lies, was beim Verkauf von Essen aus der Heimküche rechtlich wirklich gilt.

Wähl eine Meal-Prep-Nische — das ist die ganze Strategie

"Gesundes Essen für Leute mit wenig Zeit" ist keine Nische. Das ist ein Wunsch. Die Meal-Prep-Anbieter, die 2026 ausgebucht sind, bedienen alle eine Gruppe mit einem Problem.

  • Eiweißreiche Gerichte für Leute mit Abnehmspritze. Das ist gerade der am schnellsten wachsende Essensbedarf in Deutschland. Wer GLP-1-Medikamente nimmt, isst deutlich weniger, braucht aber trotzdem 30 bis 40 g Eiweiß und echte Ballaststoffe pro Mahlzeit. Kleine Portionen, viel Protein, magenfreundlich. Fast niemand vor Ort macht das gut.
  • Makro-Gerichte für Fitnessstudio-Mitglieder. Der Klassiker. Gut kalkulierbar, leicht zu bepreisen, und die Studios sind voll davon. Druck die Makros auf jedes Etikett oder lass es ganz.
  • Familien-Boxen für den Abend. Vier Portionen in einer Schale, dienstags um 18 Uhr fertig. Eltern zahlen pro Portion mehr als Studiogäste und reklamieren seltener.
  • Essen für Senioren und Menschen nach einer OP. Weiche Konsistenz, wenig Salz, Deckel, die sich leicht öffnen lassen. Bezahlt wird oft von einem Kind, das 400 Kilometer weiter wohnt.
  • Küche, die sonst niemand kocht. Wenn in deiner Stadt eine Person wöchentlich georgische, äthiopische oder vietnamesische Schalen macht, hat diese Person eine Warteliste.
  • Nachtschicht-Essen. Pflegekräfte, Lagerlogistik, Polizei. Die essen um drei Uhr nachts, und ihre Alternative ist ein Automat.

Nimm eine davon. Eine zweite kannst du später dazunehmen. Eine Meal-Prep-Karte, die es allen recht machen will, landet am Ende der Woche im Müll.

Bau eine Komponenten-Karte, keine Rezeptliste

Das ist der größte betriebliche Unterschied zwischen einem Meal-Prep-Geschäft, das Geld verdient, und einem, das dich auslaugt.

Anfänger kochen 12 verschiedene Rezepte. Profis kochen 10 Komponenten und bauen daraus 12 verschiedene Gerichte.

Probier diese Matrix:

  • 4 Proteine: Hähnchenbrust, Rinderhack, Lachs, gewürzte Kichererbsen
  • 3 Sättigungsbeilagen: Basmatireis, Ofenkartoffeln, Quinoa
  • 3 Gemüse: Brokkoli, grüne Bohnen, geröstete Paprika
  • 3 Saucen: Chimichurri, Zitronen-Tahin, Teriyaki

Das sind 13 Dinge zum Kochen. Sie ergeben 36 saubere Kombinationen, und allein die Sauce lässt dasselbe Hähnchen nach einem anderen Abendessen schmecken. Du kaufst in größeren Gebinden, kochst in vollen Blechen, und deine Einkaufsliste passt auf eine Seite.

Dann rotierst du. Zwei Dauerbrenner bleiben für immer auf der Karte, drei bis vier Positionen tauschst du wöchentlich. Langeweile ist der häufigste Kündigungsgrund bei Meal Prep — nicht der Preis, nicht die Qualität. Langeweile. Wie du Gerichte aussuchst, die sich in Menge gut kochen lassen, steht in unserem Leitfaden zum Batch Cooking mit Gewinn.

Was ein Meal-Prep-Business wirklich kostet und einbringt

Rechnen wir ein Gericht durch, verkauft für 11 €.

Kosten pro GerichtBetrag
Protein (170 g roh)1,60 €
Beilage + Gemüse0,70 €
Sauce, Öl, Gewürze0,30 €
Schale + Deckel oder Folie0,45 €
Etikett + Tüte0,10 €
Gesamtkosten3,15 €
Verkaufspreis11,00 €
Rohertrag7,85 € (71 %)

Halte Wareneinsatz plus Verpackung bei höchstens 33 % deines Preises. Liegst du über 40 %, sind entweder deine Portionen zu großzügig oder dein Preis zu niedrig. Meistens ist es der Preis. Wie du das sauber pro Gericht durchrechnest, zeigt unsere Methode zur Tellerkalkulation.

Jetzt die Wochenrechnung. Zwanzig Kundinnen und Kunden mit je zehn Gerichten zu 11 €:

  • Umsatz: 2.200 € pro Woche
  • Wareneinsatz und Verpackung: rund 630 €
  • Sprit, Kühltaschen, Kühlakkus: rund 90 €
  • Rohgewinn vor deiner eigenen Arbeit: rund 1.480 € pro Woche

Das sieht großartig aus, bis du die Stunden zählst. Also zähl sie.

Gerichte pro Produktionsstunde ist die Zahl, die über dein Einkommen entscheidet. Anfänger schaffen in einer Heimküche 8 bis 12 Gerichte pro Stunde. Wer mit Backblechen, Reiskocher, einer echten Abfüllstraße und einem Schalensiegelgerät arbeitet, kommt auf 25 bis 30.

Bei 10 Gerichten pro Stunde brauchst du für 200 Portionen 20 Stunden. Bei 25 sind es 8. Gleiches Geld, gleiches Essen, drei Tage deines Lebens zurück. Jag dieser Zahl härter hinterher als neuen Kunden. Was Heimköchinnen und Heimköche realistisch verdienen, haben wir hier aufgeschlüsselt: Wie viel Geld lässt sich mit Essen aus der eigenen Küche verdienen.

Ein Wort zur Umsatzsteuer

Als Kleinunternehmerin oder Kleinunternehmer nach § 19 UStG weist du keine Umsatzsteuer aus. Seit dem 1. Januar 2025 gelten dafür 25.000 € Umsatz im Vorjahr und 100.000 € im laufenden Jahr. Fällst du später aus der Regelung, gilt für gelieferte Speisen der ermäßigte Satz von 7 % — seit dem 1. Januar 2026 auch für Restaurations- und Verpflegungsleistungen. Getränke bleiben bei 19 %. Lass das einmal von einer Steuerberatung anschauen, sobald du regelmäßig verkaufst.

Der Wochenrhythmus, der Meal Prep trägt

Meal Prep läuft nach Kalender, nicht nach Eingebung. Auf diesen Rhythmus kommen die meisten erfolgreichen Heimküchen raus:

  1. Montag — Karte veröffentlichen. Die Gerichte der nächsten Woche gehen online. Bestellungen offen.
  2. Donnerstag 20 Uhr — harter Bestellschluss. Keine Ausnahmen, nie. Diese eine Regel rettet dein Geschäft.
  3. Freitag — einkaufen und vorbereiten. Exakt nach Bestellzahl kaufen. Schneiden, marinieren, Trockenware abwiegen.
  4. Samstag oder Sonntag — kochen. Eine lange Schicht. Kochen, abkühlen, siegeln, etikettieren.
  5. Sonntagabend — ausliefern oder übergeben. Alles verlässt das Haus gekühlt.
  6. Montagmorgen — nachzählen. Kosten, Verluste, Stunden. Zehn Minuten. Dann von vorn.

Der Bestellschluss ist der eigentliche Trick. Du kaufst genau das, was verkauft ist, deine Verluste liegen bei fast null, und du gehst nie in Vorleistung. Wer samstagfrüh noch "eine letzte Bestellung" annimmt, verliert an dieser Bestellung jedes Mal Geld.

Abkühlen und Haltbarkeit: hier trennt sich Profi von Amateur

Kochen ist der leichte Teil. Richtig abkühlen ist die eigentliche Fähigkeit — und genau danach fragt eine Kontrolle als Erstes.

Das EU-Recht schreibt dir keine feste Abkühlzahl vor. Es verlangt, dass du im HACCP-Konzept festlegst, was sicher ist, und dass du es einhältst und dokumentierst. Als Maßstab hat sich in Deutschland die DIN 10508 (Temperaturen für Lebensmittel) durchgesetzt:

  • Heiß hergestellte Speisen so schnell wie möglich herunterkühlen — in der Praxis unter zwei Stunden auf 7 °C oder kälter. Wer nach dem Cook-&-Chill-Verfahren arbeitet, kühlt sogar in 90 Minuten auf unter 3 °C.
  • Kalte Lagerung bei höchstens 7 °C, Hackfleischgerichte und Geflügel eher bei 2 °C bis 4 °C.
  • Warmhalten bei mindestens 65 °C, wenn du überhaupt warm hältst.
  • Wiedererhitzen auf 72 °C für zwei Minuten im Kern.

Ein tiefer Topf Chili auf der Arbeitsplatte reißt diese Vorgaben um Stunden. Oben fühlt er sich kühl an, während die Mitte fünf Stunden im kritischen Bereich steht. So schaffst du es wirklich:

  • Flach ausbreiten. Behälter mit höchstens 10 Zentimetern Füllhöhe. Die Oberfläche macht die Arbeit.
  • Eisbad nutzen. Behälter in einen größeren mit Eiswasser, alle zehn Minuten umrühren.
  • Nie heiß abdecken. Deckel drauf, wenn es kalt ist, nicht vorher.
  • Heiß portionieren, in der Schale abkühlen. Eine einzelne 350-g-Portion in einer flachen Schale kühlt viel schneller als ein großer Behälter.
  • Kauf ein Einstichthermometer und schreib die Werte auf. Kochzeit, Wert nach zwei Stunden, Kühlschranktemperatur. Eine Seite pro Produktionstag. Dieses Protokoll ist deine Verteidigung, falls je etwas passiert.

Haltbarkeit: Gekühlte Fertiggerichte aus einer sauberen Produktion halten realistisch 3 bis 5 Tage bei höchstens 7 °C, Produktionstag als Tag eins gezählt. Bei durchgehend 3 °C sind eher fünf drin. Reis und Fisch altern am schnellsten, Schmorgerichte und Eintöpfe am besten. Setz dein Datum lieber einen Tag früher als einen Tag zu spät.

Wichtig für die Kennzeichnung: Leicht verderbliche gekühlte Gerichte bekommen nach Artikel 24 LMIV ein Verbrauchsdatum ("zu verbrauchen bis"), kein Mindesthaltbarkeitsdatum. Das ist keine Formsache — nach dem Verbrauchsdatum gilt ein Lebensmittel rechtlich als nicht sicher. Wenn du stattdessen einfrieren willst, gelten ganz andere Regeln: die stehen in unserem Leitfaden zu selbstgemachten Tiefkühlgerichten.

Verpackung, Etikett und Aufwärmhinweise

Deine Verpackung ist der einzige Teil deines Geschäfts, den die Kundschaft anfasst. Mach diese Punkte richtig:

  • Schalen mit drei Fächern halten die Sauce vom Gemüse fern. Kauf mikrowellen- und tiefkühlgeeignet.
  • Ein Schalensiegelgerät verändert alles. Ein Tischgerät kostet 250 € bis 700 €. Gesiegelte Folie bedeutet keine Leckage in der Tasche, längere Frische und Essen, das gekauft aussieht statt geliehen. Das ist die beste frühe Investition — noch vor jedem Küchengerät.
  • Klare Deckel verkaufen. Die Leute essen mit den Augen, bevor die Mikrowelle angeht.

Was aufs Etikett muss

Vorverpackte Gerichte fallen unter die Lebensmittelinformationsverordnung (EU) Nr. 1169/2011. Drauf gehören:

  • Bezeichnung des Gerichts
  • Zutatenverzeichnis, absteigend nach Gewicht
  • Die 14 Allergene hervorgehoben, zum Beispiel fett gedruckt
  • Nettofüllmenge
  • Verbrauchsdatum mit Lagertemperatur ("bei max. 7 °C lagern")
  • Name und Anschrift deines Betriebs
  • Los- oder Chargenkennzeichnung nach der Los-Kennzeichnungs-Verordnung
  • Nährwerttabelle, wenn keine Ausnahme nach Anhang V LMIV greift — für handwerklich hergestellte kleine Mengen im lokalen Verkauf gibt es eine. Frag im Zweifel deine Lebensmittelüberwachung, wie sie das bei dir auslegt.

Wie du Allergene sauber auch digital führst, steht hier: Allergene auf einer digitalen Speisekarte angeben.

Dann kommen die zwei Dinge dazu, die aus Kundschaft Stammkundschaft machen:

  • Aufwärmhinweis. "Deckel anheben. 2:30 Minuten bei 800 Watt. Umrühren. Erhitzen, bis es im Kern dampfend heiß ist — 72 °C." Vage Hinweise erzeugen trockenes Hähnchen und eine verlorene Kundin.
  • Makros, wenn du Studio- oder GLP-1-Kundschaft bedienst. Kalorien, Eiweiß, Kohlenhydrate, Fett. In diesem Markt ist das keine Kür.

Verpackungsgesetz, LUCID und die Mehrwegpflicht

Diesen Teil übersieht fast jede Heimküche, und er kann richtig teuer werden.

LUCID und Systembeteiligung. Wer als Erster gefüllte Verkaufsverpackungen in Umlauf bringt, muss sich im Verpackungsregister LUCID eintragen (kostenlos) und sich an einem dualen System beteiligen. Für kleine Mengen kostet das 30 € bis 100 € im Jahr. Eine Mindestmenge gibt es nicht — auch bei 200 Schalen im Monat gilt die Pflicht, und Bußgelder gehen bis 200.000 €.

Mehrwegangebotspflicht. Seit dem 1. Januar 2023 müssen Betriebe, die Essen zum Mitnehmen in Einwegkunststoff verkaufen, auch eine Mehrwegvariante anbieten (§ 33, 34 VerpackG). Für kleine Betriebe mit höchstens fünf Beschäftigten und maximal 80 m² Verkaufsfläche gilt eine Ausnahme: Du musst stattdessen erlauben, dass Kundschaft eigene Behälter mitbringt, und darauf gut sichtbar hinweisen. Für Meal Prep ist das sogar ein Vorteil — Pfandschalen im Kreislauf senken deine Verpackungskosten und binden Stammkunden.

Einwegkunststofffonds. Wenn du Schalen selbst aus dem Ausland importierst, statt sie in Deutschland zu kaufen, wirst du zum Hersteller im Sinne des Einwegkunststofffondsgesetzes und musst dich beim Umweltbundesamt registrieren und die Abgabe zahlen. Kaufst du im deutschen Handel, ist das oben in der Kette schon erledigt. Prüf das, bevor du eine Palette in China bestellst.

Bestellungen annehmen, ohne in Nachrichten zu ertrinken

Zwanzig Leute, die per WhatsApp bestellen, sind rund 60 Nachrichten, vier Fehler und eine vergessene Allergie — jede Woche. Das trägt bis Woche drei.

Bau es an Tag eins richtig auf:

  • Ein Bestell-Link. Eine einfache Seite mit Preisen und den Gerichten der nächsten Woche, die jeder öffnen kann. Denselben Link überall teilen.
  • Nur Vorkasse. Meal Prep wird auf Bestellung gekocht. Ein Nichtabholer kostet dich das ganze Gericht, nicht nur die Marge.
  • Allergien beim Bestellen abfragen, nicht im Chat. Und dann auf die Schale schreiben.
  • Den Bestellschluss auf die Seite drucken. "Bestellschluss Donnerstag 20 Uhr" dreimal zu schreiben reicht immer noch nicht, hilft aber.
  • Abholung zusätzlich zur Lieferung anbieten. Abholung kostet keinen Sprit und kein Zeitfenster. Mach sie 1 € bis 2 € günstiger, und die Hälfte deiner Leute nimmt sie gern.

Wo du deine ersten 20 Meal-Prep-Kunden findest

Du brauchst keinen Marketingplan. Du brauchst 20 Menschen, und die stehen alle in denselben paar Räumen.

  • Fitnessstudios und CrossFit-Boxen. Frag die Inhaberin nach einem Probiertisch am Sonntag. Bring 30 kleine Portionen mit aufgedruckten Makros mit. Das ist bis heute der schnellste Kanal im Meal Prep.
  • Physiotherapie- und Reha-Praxen. Menschen in der Genesung brauchen gutes Essen und haben Zeit, dir zuzuhören.
  • Schichtarbeit in Kliniken und Logistik. Poste in deren Gruppenchats, nicht auf öffentlichem Facebook.
  • Rückbildungskurse und Eltern-Gruppen. Ein Monat Abendessen ist das beste Babygeschenk überhaupt, und meistens zahlt es jemand anderes.
  • Kleine Büros. Zehn Schreibtische, ein Lieferstopp, zehn Bestellungen. Bessere Routendichte bekommst du nie.
  • Die Kollegen deiner ersten fünf Kunden. Gib jedem zwei Karten mit einem Gratisgericht auf der Rückseite. Es funktioniert, weil eine echte Empfehlung aus dem Büro jede Anzeige schlägt.

Denk an den rechtlichen Teil von oben: Ein Fitnessstudio darf dich hosten, und es darf deine Schalen in kleinem Umfang sogar weiterverkaufen — aber sprich das vorher mit dem Veterinäramt ab, sobald es mehr als ein Nebenschauplatz wird. Mehr dazu, wie du über den Freundeskreis hinauskommst, steht in unserem Leitfaden zu echten Kunden jenseits von Familie und Freunden.

Fehler, die Meal-Prep-Geschäfte killen

  • Zu viele Positionen auf der Karte. Zwölf Rezepte heißen zwölf Einkaufslisten und ein Kühlschrank voller Verluste.
  • Bestellungen nach dem Bestellschluss annehmen. Jede späte Bestellung kostet dich eine Extrafahrt zum Großmarkt.
  • Gegen den Supermarkt kalkulieren. Du konkurrierst nicht mit einem Kilo Reis. Du konkurrierst mit einer Lieferbestellung für 15 €, die lauwarm ankommt.
  • Kein Abkühlprotokoll führen. Das dauert zehn Sekunden und ist der einzige Nachweis, den du je haben wirst.
  • Ein zu großes Liefergebiet. 40 Minuten Fahrt für eine Bestellung über 11 € sind eine Spende, kein Umsatz.
  • Nie die Preise erhöhen. Einkaufspreise ziehen jedes Jahr an. Erhöh einmal jährlich mit zwei Wochen Vorlauf. Fast niemand geht deswegen.
  • Alles ewig allein kochen. Die erste Aushilfe im Meal Prep ist nie eine Köchin. Es ist jemand fürs Spülen, Portionieren und Etikettieren. Rechne 2026 mit mindestens 13,90 € Mindestlohn pro Stunde; bis 603 € im Monat läuft das als Minijob.

Wann du aus der Heimküche rausmusst

Drei Zeichen, dass es Zeit wird:

  1. Dein Backofen ist der Flaschenhals — du kochst 14 Stunden über zwei Tage verteilt.
  2. Ein Studio, ein Café oder ein Büro will regelmäßig größere Mengen, und "untergeordnet und örtlich begrenzt" passt nicht mehr auf deine Zahlen.
  3. Du willst Personal einstellen, und in deiner Wohnküche ist dafür schlicht kein Platz.

Der nächste Schritt ist selten ein Restaurant. Es ist ein Sonntagsblock in einer Mietküche — und der kostet im Monat oft weniger als der Wocheneinkauf einer Familie.

Häufige Fragen zum Meal-Prep-Business

Lohnt sich ein Meal-Prep-Business finanziell?

Ja, wenn die Portionen kontrolliert sind. Ein Gericht, das in der Herstellung 2,80 € bis 3,60 € kostet, verkaufst du für 9 € bis 13 € und liegst bei 65 % bis 72 % Rohertrag. Der Gewinn entsteht aber über Gerichte pro Stunde, nicht über den Preis pro Gericht.

Darf ich Meal Prep aus meiner Privatküche verkaufen?

Ja. Anders als in den USA erlaubt das EU-Hygienerecht die Herstellung in privaten Wohnräumen ausdrücklich (Anhang II Kapitel III der Verordnung (EG) Nr. 852/2004). Du musst dich als Lebensmittelunternehmer registrieren, ein HACCP-Konzept führen, die Kühlkette dokumentieren und nach LMIV kennzeichnen. Bei Fleisch- und Fischgerichten kommt die Tier-LMHV dazu — sprich das vorher mit deinem Veterinäramt ab.

Was kostet der Start eines Meal-Prep-Business?

Meist 350 € bis 1.300 €. Darin stecken Schalen, Etiketten, eine Waage, ein Einstichthermometer, Kühltaschen und die Anmeldegebühren. Ein Schalensiegelgerät kommt mit 250 € bis 700 € dazu und rechnet sich schnell.

Wie viel soll ich pro Gericht verlangen?

Nimm Wareneinsatz plus Verpackung mal drei. Damit landen die meisten Gerichte bei 9 € bis 13 €, spezielle oder besonders eiweißreiche bei 13 € bis 17 €. Danach schaust du, was Anbieter in deiner Stadt nehmen.

Wie lange halten Meal-Prep-Gerichte im Kühlschrank?

Realistisch 3 bis 5 Tage bei höchstens 7 °C, den Produktionstag mitgezählt. Bei durchgehend 3 °C sind eher fünf Tage drin. Leicht verderbliche Gerichte tragen ein Verbrauchsdatum, kein Mindesthaltbarkeitsdatum.

Brauche ich einen Gesundheitsausweis für Meal Prep?

Du brauchst die Erstbelehrung nach § 43 Infektionsschutzgesetz, umgangssprachlich Gesundheitszeugnis. Sie kostet 20 € bis 35 € über das Gesundheitsamt oder einen zugelassenen Anbieter und muss spätestens drei Monate vor dem Start liegen. Mitarbeitende musst du danach alle zwei Jahre nachbelehren und das dokumentieren.

Darf ich Meal Prep an Fitnessstudios oder Büros verkaufen?

Ja, im kleinen Rahmen. Die Abgabe an andere Betriebe bleibt zulassungsfrei, solange sie untergeordnet, örtlich begrenzt und eingeschränkt ist. Wird der Betriebskunde zu deinem Hauptgeschäft, brauchst du eine Zulassung nach der Verordnung (EG) Nr. 853/2004 — und damit meist eine gewerbliche Küche.

Wie viele Kunden brauche ich, um davon zu leben?

Etwa 35 bis 45 Wochenkunden mit je zehn Gerichten. Das sind rund 4.000 € bis 5.000 € Wochenumsatz und in 12 bis 18 Monaten realistisch, wenn deine Abwanderung niedrig bleibt.


Meal Prep belohnt langweilige Verlässlichkeit mehr als geniales Kochen. Wer ein Jahr lang jeden Sonntag dasselbe exzellente Hähnchen mit Reis liefert, verdient am Ende mehr als das Talent, das die Karte wöchentlich neu erfindet und im März ausbrennt.

Also mach diese Woche drei Dinge. Ruf deine Lebensmittelüberwachung an und stell genau eine Frage: Was brauche ich, um gekühlte Fertiggerichte aus meiner Küche zu verkaufen? Such dir eine Zielgruppe aus und schreib auf, wo diese Leute sich treffen. Dann koch zehn Schalen für fünf Menschen, die du kennst, nimm den vollen Preis — und schau, wie viele von allein wiederkommen.

Das ist dein ganzer Businessplan. Alles danach ist nur: Sonntag wiederholen.