Deine Pacht läuft 24 Stunden am Tag, dein Gastraum arbeitet vielleicht 40 Stunden die Woche. Genau in dieser Lücke steckt Geld, das viele Gastronomen einfach liegen lassen.

Die kurze Antwort: Ja, das Vermieten der eigenen Räume in den Ruhezeiten lohnt sich — realistisch sind 1.000 bis 3.000 € im Monat durch Pop-ups, Caterer, Meal-Prep-Küchen oder Kochkurse. Damit es sich lohnt und nicht zum Ärger wird, brauchst du drei Dinge, bevor der erste Schlüssel den Besitzer wechselt: die schriftliche Erlaubnis deines Verpächters, einen klaren Vertrag mit Reinigungscheckliste und Kaution, und den Nachweis der Betriebshaftpflicht deines Mieters.

Fangen wir mit dem Punkt an, der in Deutschland alles andere entscheidet.

Zuerst: Darfst du überhaupt untervermieten?

Das ist keine Formalie, sondern die Frage, an der die ganze Idee hängt. Die Gebrauchsüberlassung an Dritte braucht die Erlaubnis deines Vermieters oder Verpächters — sonst riskierst du im schlimmsten Fall eine Abmahnung oder die Kündigung deines eigenen Vertrags.

Also: Vertrag rausholen, Klausel zur Untervermietung suchen, den Eigentümer anrufen und die Zustimmung schriftlich per E-Mail bestätigen lassen. Erkläre dabei konkret, was passieren soll — ein Caterer, der dienstags von 8 bis 14 Uhr produziert, klingt für jeden Eigentümer anders als "ich vermiete manchmal".

Zwei weitere Punkte, die im selben Aufwasch geklärt gehören: Steht in deinem Vertrag eine Betriebspflicht oder eine Nutzungsbeschränkung? Und deckt die Baugenehmigung deiner Räume die geplante Nutzung überhaupt ab? Eine Kochschule im Gastraum ist meistens unkritisch, ein Veranstaltungsbetrieb bis 2 Uhr nachts eher nicht.

Rechnet sich das wirklich?

Ja, und zwar besser als die meisten anderen Ideen zur Umsatzsteigerung. Pacht, Strom, Versicherung und Abschreibung laufen ohnehin. Jede zusätzliche Stunde Nutzung verteilt dieselben Fixkosten auf mehr Umsatz.

Marktübliche Größenordnungen in Deutschland:

NutzungÜbliche AbrechnungRichtwert
Produktionsküche für Caterer oder Meal Preppro Stunde12–30 €
Regelmäßiger Küchenplatz, feste Tagepro Monat400–1.200 €
Pop-up im Gastraum, ein AbendPauschale oder Umsatzbeteiligung150–500 € oder 10–20 %
Kochkurs, halber TagPauschale200–400 €

Rechne die Nebenkosten nicht großzügig weg. Eine laufende Küche mit Kombidämpfer, Abzug und Spülmaschine zieht spürbar Strom, Gas und Wasser. Entweder du legst einen realistischen Pauschalbetrag drauf oder du liest den Zähler vor und nach der Nutzung ab.

Und der ehrliche Teil: Das Geld ist nur etwas wert, wenn dich die Koordination nicht auffrisst. Ein zuverlässiger Mieter mit festen Zeiten ist mehr wert als drei wechselnde.

Die guten, die schwierigen und die unmöglichen Mieter

Nicht jeder Interessent passt in deine Küche.

Das funktioniert gut:

  • Caterer und Meal-Prep-Betriebe. Meist sehr professionell, bringen eigenes Personal mit, arbeiten unter Zeitdruck und räumen deshalb schnell und ordentlich.
  • Pop-up-Konzepte. Ein Ramen-Abend oder ein Sonntagsbrunch bringt neues Publikum in deine Räume. Ein Teil dieser Gäste kommt später für deine normale Karte wieder.
  • Kochkurse und Teamevents. Wenig Technikbedarf, früher Feierabend, hohe Zahlungsbereitschaft.
  • Foodtrucks ohne eigene Produktionsküche. Sie brauchen genau das, was du nachts nicht nutzt.

Da wird es unangenehm:

  • Partyveranstalter für die späte Nacht. Klingt lukrativ, bringt aber Verschleiß, Glasbruch und Ärger mit den Nachbarn. Sperrzeit und Lärmschutz sind in Deutschland kein Kavaliersdelikt — die Beschwerde landet beim Ordnungsamt und im Zweifel bei dir.
  • Absolute Anfänger. Wer noch nie in einer Gastroküche gearbeitet hat, brennt Töpfe an, verstopft den Fettabscheider und hinterlässt Fett an Stellen, die du bis dahin nicht kanntest.

Personal und Schlüssel

Wie behältst du die Kontrolle über einen Raum, in dem du nicht bist? Es gibt zwei Modelle.

Schlüsselübergabe. Der Mieter macht alles selbst. Bequem für dich, riskant für deine Technik. Nur bei Leuten, denen du wirklich vertraust — und nur mit Übergabeprotokoll und Fotos.

Mit Aufsicht. Eine erfahrene Person aus deinem Team bleibt vor Ort, zeigt, wo was steht, und passt auf, dass Geräte richtig bedient werden. Diese Stunden legst du direkt auf die Miete um, inklusive Zuschlägen. Bei Nacht- oder Sonntagsarbeit gelten dabei ganz normal das Arbeitszeitgesetz und die Ruhezeiten deiner Leute — plan die Person also ein, statt sie "eben noch dazubleiben" zu lassen.

Kleiner Praxistipp: Vergib für die Mietzeiten eigene Kassen-PINs oder sperr die Kasse komplett. Und dokumentiere den Zählerstand deiner Spülmaschine, wenn du sie mitvermietest.

Versicherung, Genehmigungen, Hygiene

Hier trennt sich das seriöse Nebengeschäft vom teuren Missverständnis.

Deine eigene Versicherung zuerst. Ruf deinen Versicherer an und frag konkret nach: Ist die Nutzung der Räume durch Dritte in deiner Betriebshaftpflicht und deiner Inhaltsversicherung mitversichert? Viele Policen schließen genau das aus. Diese eine Frage ist wichtiger als der komplette Rest dieses Abschnitts.

Die Versicherung des Mieters. Lass dir eine aktuelle Betriebs- und Produkthaftpflicht nachweisen, mit Versicherungsschein und Gültigkeitsdatum. Wer Lebensmittel produziert und in Verkehr bringt, haftet dafür selbst. Schreib in den Vertrag, dass er dich von Ansprüchen Dritter freistellt.

Der Mieter braucht eigene Papiere. Gewerbeanmeldung, Registrierung als Lebensmittelunternehmer beim kommunalen Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt für diese Adresse, Belehrung nach § 43 IfSG für alle Beteiligten. Ohne diese Registrierung produziert in deiner Küche jemand ohne Aufsichtsbehörde — und du sitzt daneben.

Alkohol und Pop-ups. Deine Gaststättenerlaubnis ist personenbezogen und gilt nicht automatisch für deinen Mieter. Für einzelne Veranstaltungen gibt es die vorübergehende Gestattung nach § 12 GastG beim Ordnungsamt. Das ist unkompliziert, dauert aber ein paar Tage. Wer regelmäßig ausschenken will, braucht seine eigene Erlaubnis.

Hygiene und Trennung. Zwei Betriebe in einer Küche funktionieren nur mit klarer Trennung: eigene Kühlflächen, alles beschriftet mit Name und Datum, getrennte Lagerung von Allergenen, eigene Reinigungsdokumentation. Dein HACCP-Konzept muss die Fremdnutzung abbilden — sonst steht bei der nächsten Kontrolle die Frage im Raum, wessen offene Ware das eigentlich ist.

Steuerlich ein eigenes Thema. Die reine Raumvermietung ist umsatzsteuerfrei, die Mitvermietung von Betriebsvorrichtungen wie Küchentechnik in der Regel nicht. In der Praxis kommt bei einer voll ausgestatteten Küche fast immer Umsatzsteuer aufs Ganze. Lass dir die richtige Aufteilung einmal von deinem Steuerberater festlegen und dann sauber in die Rechnung schreiben — das ist einmal Aufwand und danach Routine.

Musik und GEMA. Wenn bei Veranstaltungen Musik läuft, wird das angemeldet. Kläre im Vertrag, wer das übernimmt.

Der Vertrag, der Ärger verhindert

"Alles so hinterlassen, wie du es vorgefunden hast" ist keine Vereinbarung, sondern ein Streitanlass. Was wirklich reingehört:

  • Zeiten auf die Viertelstunde genau, inklusive Aufbau und Reinigung.
  • Was mitvermietet ist und was ausdrücklich nicht — Kombidämpfer ja, Kaffeemaschine und dein Messerblock zum Beispiel nicht.
  • Reinigungscheckliste mit einzelnen Punkten: Böden, Fritteuse, Kühlung leeren, Abfall raus, Fettabscheider, Spülmaschine ausgeräumt.
  • Kaution von 300 bis 1.000 € und die klare Regel, dass daraus deine eigenen Leute bezahlt werden, wenn nachgereinigt werden muss.
  • Übergabeprotokoll mit Fotos vorher und nachher. Das kostet fünf Minuten und beendet 90 Prozent aller späteren Diskussionen.
  • Kündigungs- und Absagefristen für beide Seiten.

Lass den Standardvertrag einmal von einem Anwalt anschauen. Diese Investition zahlt sich beim ersten Schaden aus.


Räume in den Ruhezeiten zu vermieten ist eine der wenigen Ideen, die echten Deckungsbeitrag bringen, ohne dass dein Team länger arbeitet. Der Aufwand steckt komplett am Anfang: Zustimmung des Verpächters, saubere Verträge, geprüfte Versicherungen. Danach ist ein zuverlässiger Caterer am Montagvormittag das entspannteste Geld, das dein Betrieb im Jahr verdient.