Eine Bestellung über 50 € bringt dir über Lieferando am Ende rund 30 € aufs Konto. Der Wareneinsatz war schon 15 €. Das ist Plattform-Lieferung in zwei Zeilen.
Kurz gesagt: Einen Lieferdienst selbst aufbauen dauert etwa eine Woche. Gib der Lieferung eigene Zeiten. Zieh einen Radius von 3 bis 5 km, den du in 25 Minuten schaffst. Setz einen Mindestbestellwert von 15 bis 25 € und nimm eine echte Liefergebühr von 2,50 bis 4,90 €. Dann entscheide, wer fährt — eigene Leute im engen Radius, oder ein Kurierdienst wie Uber Direct oder Wolt Drive für alles darüber hinaus, zum Festpreis pro Tour. Ein Bestell-Link kommt überall hin: Google, Instagram, Bon, Verpackung. Dir bleibt der volle Bestellwert minus Zahlungsgebühren. Keine Provision. Nie.
Die Technik ist der einfache Teil. Die langweiligen Entscheidungen sind es, die fast alle überspringen — und genau da geht die eigene Lieferung kaputt.
Was "eigener Lieferdienst" wirklich heißt
Die Bestellung kommt zu dir, nicht zu einem Marktplatz. Deine Speisekarte, deine Preise, deine Kasse, dein Gast. Du bekommst Name, Telefonnummer, Adresse und die Bestellhistorie. Auf der Plattform gehört dir davon nichts — und genau das ist der eigentliche Preis, nicht die Provision.
Es gibt drei Wege, und sie sind nicht dasselbe:
- Eigene Fahrer. Angestellte oder Minijobber, zu Fuß, mit dem E-Bike oder dem Auto. Im kleinen Radius am günstigsten pro Tour. Du trägst Lohn, Dienstplan und Versicherung.
- Kurierdienst mit weißem Etikett. Du nimmst die Bestellung an, ein Kuriernetz fährt sie in deinem Namen aus. Fester Preis pro Zustellung, kein Prozentsatz auf das Essen. Uber Direct und Wolt Drive arbeiten so, dazu lokale Stadtkuriere in fast jeder größeren Stadt. 2026 liegt das grob bei 6,50 bis 9,50 € netto pro Tour, je nach Strecke, Stadt und Uhrzeit.
- Mischform. Eigener Fahrer bis 3 km, Kurier für alles darüber. Das fahren die meisten guten Einzelbetriebe heute.
In allen drei Wegen fehlt dasselbe: ein Marktplatz, der sich ein Stück von deinem Essen abschneidet.
Die echte Rechnung auf eine 50-€-Bestellung
Zahlen schlagen Meinungen. Dieselbe Bestellung, drei Wege. Gast bestellt für 50 € Speisen, Wareneinsatz 15 €, Stand 2026.
Über Lieferando, 30 % Provision, Plattform liefert:
- Umsatzsteuer 7 % auf die Speisen ans Finanzamt: 3,27 €
- Provision 30 % = 15,00 € netto (die 19 % USt darauf holst du als Vorsteuer zurück)
- Verpackung: 1,80 €
- Dir bleiben rund 29,90 € — abzüglich 15 € Wareneinsatz also 14,90 € für Miete, Personal, Energie und Gewinn
Direkt, eigener Fahrer. Gast zahlt 50 € plus 3,90 € Liefergebühr, macht 53,90 €:
- Umsatzsteuer 7 %: 3,53 €
- Zahlungsanbieter (rund 1,5 % plus 0,25 €): 1,06 €
- Verpackung: 1,80 €
- Fahrer, 2,5 Touren pro Stunde bei 21 € Stundenkosten inklusive Lohnnebenkosten: 8,40 €
- E-Bike oder Firmenwagen anteilig: 0,80 €
- Dir bleiben rund 38,30 € — abzüglich Wareneinsatz 23,30 €
Direkt, Kurierdienst zu 7,50 € netto. Gast zahlt 50 € plus 4,90 € Liefergebühr, macht 54,90 €:
- Umsatzsteuer 7 %: 3,59 €
- Zahlungsanbieter: 1,07 €
- Verpackung: 1,80 €
- Kurier: 7,50 €
- Dir bleiben rund 40,90 € — abzüglich Wareneinsatz 25,90 €
Das sind 8 bis 11 € mehr pro Bestellung. Bei 20 Lieferungen am Tag landest du im Jahr zwischen 60.000 und 79.000 €. Das ist ein Kochgehalt, das in deiner Gebührenstruktur steckt.
Komische Branche, ehrlich gesagt. Wirte diskutieren zwanzig Minuten über 40 Cent beim Salatkisten-Preis und überweisen dann 15 € pro Bestellung, ohne mit der Wimper zu zucken.
Eine Zwischenstufe gibt es übrigens auch: Lieferando bietet die Selbstlieferung an, du lieferst selbst und zahlst nur rund 13 bis 14 % Provision statt 30 %. Besser als nichts — aber der Gast gehört weiter der Plattform, und der Marktplatz kennt deine Stammkunden besser als du.
Schritt 1: Gib der Lieferung eigene Zeiten
Liefere nicht einfach immer dann, wenn offen ist. Das ist Fehler Nummer eins.
Die Lieferung braucht einen eigenen Zeitplan, getrennt von den Öffnungszeiten im Haus. In den meisten Küchen sollte die Lieferung im größten Ansturm im Haus aus sein und danach wieder an. Ein Bon, der 18 Minuten im Pass liegt, weil die Küche voll läuft, kommt kalt an. Und kalt heißt Erstattung plus schlechte Bewertung.
Nimm deine ruhigen bis mittleren Zeiten. Werktags 11:30 bis 13:00 Uhr und 17:00 bis 20:00 Uhr funktioniert in vielen Küchen. Samstagabend lässt du aus, bis die Küche bewiesen hat, dass sie beides kann.
Schritt 2: Zieh einen Lieferradius, den du wirklich schaffst
25 Minuten von der Küche bis zur Wohnungstür. Das ist die ehrliche Grenze für warmes Essen.
In der Innenstadt sind das oft nur 2 km. In einer Kleinstadt oder am Stadtrand können es 5 km sein. Setz den Lieferradius nicht nach Luftlinie auf der Karte, sondern nach echter Fahrzeit zur Stoßzeit — mit Parkplatzsuche, Aufzug, Einbahnstraßen und Baustelle. Fahr die Runde einmal selbst, an einem Freitag um 19 Uhr, bevor du sie irgendwem versprichst.
Realistisch sind in Deutschland 3 bis 5 km. Ein zu großer Radius ist der häufigste Grund, warum ein eigener Lieferdienst scheitert. Das Essen geht super raus und kommt traurig an. Der Gast gibt dem Essen die Schuld, nicht der Strecke.
Praktisch: arbeite mit Postleitzahlen und Stadtteilen statt mit einem Kreis. Gäste verstehen "wir liefern nach Nordend und Bornheim" sofort, "4,2 km Radius" nicht.
Schritt 3: Setz einen Mindestbestellwert und bleib dabei
Eine 14-€-Bestellung mit 3,90 € Liefergebühr ist ein Verlustgeschäft. Du kannst keinen Fahrer für 9 € losschicken, um 14 € Essen auszuliefern, und das Ganze Betrieb nennen.
Setz den Mindestbestellwert je nach Durchschnittsbon auf 15 bis 25 €. Faustregel: ungefähr das 1,5-Fache deines normalen Bons im Haus. Das filtert die Touren raus, die Geld kosten, und schiebt Gäste ganz nebenbei zu einer Beilage oder einem Getränk.
Zeig den Mindestbestellwert deutlich auf der Bestellseite, nicht erst im letzten Schritt. Rechtlich musst du das sowieso — dazu gleich mehr. Und niemand baut gern einen Warenkorb, um an der Kasse zu erfahren, dass es nicht reicht.
Schritt 4: Nimm eine Liefergebühr, die die Tour deckt
Kostenlose Lieferung ist keine Strategie. Das ist ein Rabatt, dem du keinen Namen gegeben hast.
- Eigene Fahrer: nimm 2,50 bis 3,90 €. Deine echten Kosten pro Tour liegen meist bei 8 bis 11 €, du teilst sie also, du deckst sie nicht. Das ist in Ordnung — es ist immer noch viel billiger als Provision.
- Kurierdienst: nimm 3,90 bis 4,90 € und trag den Rest. Gäste erwarten eine Gebühr, sie sehen auf jeder Plattform eine.
- Zonen funktionieren gut. 2,50 € bis 3 km, 4,50 € darüber. Einfach, fair, und es lenkt die Nachfrage in deine profitable Zone.
Trinkgeld: In Deutschland wird bei der Lieferung aufgerundet, meist bis ungefähr 10 %. Bau ein Trinkgeldfeld in die Bestellseite ein, aber setz keine 20-%-Voreinstellung — das kommt hier schlecht an.
Schritt 5: Mach deine Bestellseite rechtssicher
Diesen Teil gibt es in keinem amerikanischen Ratgeber, und er ist der, der dich in Deutschland Geld kosten kann. Eine eigene Bestellseite ist ein Onlineshop. Damit gelten dieselben Pflichten wie für jeden anderen Shop — und Abmahnungen kommen hier von Wettbewerbern, nicht von Behörden.
Das gehört auf jede deutsche Bestellseite:
- Impressum nach § 5 DDG. Zwei Klicks maximal, von jeder Seite erreichbar. Name, Anschrift, Telefon, E-Mail, Umsatzsteuer-Identifikationsnummer, bei GmbH Handelsregister und Geschäftsführer. Ein "Kontakt"-Formular allein reicht nicht.
- Datenschutzerklärung. Was du speicherst, warum, wie lange, mit wem du es teilst. Adresse, Telefonnummer und Bestellhistorie sind personenbezogene Daten. Wenn dein Bestellsystem in der Cloud läuft, brauchst du zusätzlich einen Auftragsverarbeitungsvertrag nach Art. 28 DSGVO mit dem Anbieter.
- Cookie-Einwilligung nach § 25 TDDDG. Vor jedem Tracking, jedem Pixel, jedem Analyse-Skript. Technisch notwendige Cookies sind frei, alles andere braucht ein echtes Ja. Und: lade Google Fonts nie direkt von Google-Servern — das Landgericht München I hat 2022 entschieden, dass das ein DSGVO-Verstoß ist. Schriften selbst hosten.
- Endpreise inklusive Umsatzsteuer, § 3 PAngV. Auf der Bestellseite steht 12,90 €, nicht "12,90 € zzgl. MwSt.". Netto-Preise sind hier verboten, wenn Verbraucher bestellen.
- Liefergebühr und Mindestbestellwert vor dem letzten Bestellschritt. Beides muss sichtbar sein, bevor der Gast auf den Bestellknopf drückt — nicht erst danach, nicht versteckt in den AGB. Die Liefergebühr wird separat ausgewiesen.
- Der Bestellknopf braucht die richtige Beschriftung, § 312j Abs. 3 BGB. "Zahlungspflichtig bestellen" oder eine eindeutig gleichwertige Formulierung. "Weiter", "Absenden" oder "Los geht's" reichen nicht — dann kommt der Vertrag gar nicht wirksam zustande.
- Bestellbestätigung unverzüglich per E-Mail, § 312i BGB. Automatisiert, mit allen Positionen und beiden Steuersätzen.
- Widerrufsrecht: nenn die Ausnahme. Beim Onlinekauf haben Verbraucher normalerweise 14 Tage Widerrufsrecht. Für schnell verderbliche Lebensmittel gilt es nicht (§ 312g Abs. 2 BGB) — sonst könnte jemand eine Pizza bestellen, essen und zwei Wochen später widerrufen. Schreib das ausdrücklich hin, statt einfach nichts zu sagen. Genau das Weglassen ist ein klassischer Abmahnpunkt.
- Ab 11 Beschäftigten kommt der Hinweis zur Verbraucherstreitbeilegung nach § 36 VSBG dazu.
Klingt nach viel. Ist es auch, aber es ist einmalige Arbeit. Ein guter Anbieter für digitale Speisekarten liefert die Struktur schon mit, dann füllst du nur noch deine Daten ein.
Schritt 6: Zahlungsarten, die deutsche Gäste erwarten
Eine reine Kreditkartenlösung reicht in Deutschland nicht. Damit verlierst du einen großen Teil der Bestellungen — schlicht, weil viele Leute hier keine Kreditkarte im Alltag benutzen.
Nimm mindestens diese Auswahl:
- PayPal — für viele der Standard beim Onlinekauf, rund 2,49 % plus 0,35 € pro Zahlung
- SEPA-Lastschrift — günstig, oft unter 0,40 € pro Zahlung
- Apple Pay und Google Pay — am Handy die schnellste Kasse, und Lieferbestellungen kommen fast immer vom Handy
- Klarna oder Rechnungskauf — bei größeren Bestellungen ein spürbarer Umsatzhebel
- Kartenzahlung an der Tür mit einem mobilen Terminal, das girocard akzeptiert. Die girocard ist immer noch die meistgenutzte Karte in Deutschland, und viele Gäste zahlen erst, wenn das Essen da ist.
- Bargeld an der Tür. Ja, immer noch. Plan Wechselgeld ein, gib dem Fahrer eine feste Wechselkasse und leg fest, wie abgerechnet wird.
Und jetzt der Punkt, den viele falsch machen: § 270a BGB verbietet Aufschläge. Für SEPA-Überweisung, SEPA-Lastschrift und normale Giro- und Kreditkarten von Verbrauchern darfst du keine Gebühr verlangen. "Bei Kartenzahlung 0,50 € Aufschlag" ist unwirksam und abmahnfähig. Deine Zahlungsgebühren gehören in die Kalkulation, nicht auf den Bon.
Ein Restrisiko bleibt bei Bezahldiensten wie PayPal — dafür gilt § 270a nicht direkt, und der BGH hat Aufschläge dort grundsätzlich erlaubt. Trotzdem: lass es. Ein Aufschlag von 0,49 € kostet dich mehr Bestellungen, als er einbringt.
Schritt 7: Die Steuer pro Bestellung — 7 % und 19 % nebeneinander
Seit dem 1.1.2026 gilt auf Speisen 7 % Umsatzsteuer, in jedem Kanal: im Haus, außer Haus, Lieferung, Catering. Die alte Frage "hier essen oder mitnehmen?" ist steuerlich erledigt. Für die Lieferung ist das eine echte Verbesserung — früher war die Rechnerei je nach Kanal unterschiedlich.
Was du trotzdem sauber trennen musst:
- Getränke bleiben bei 19 % — egal ob Cola, Bier oder Wein, egal ob im Haus oder geliefert.
- Ausnahme Milchmischgetränke: ab 75 % Milchanteil sind sie außer Haus 7 %, im Haus 19 %. Der Latte-to-go-Sonderfall gilt auch für die Lieferung.
- Die Liefergebühr folgt der Hauptleistung. Reine Speisenbestellung: 7 % auf die Liefergebühr. Gemischte Bestellung: aufteilen.
Ein Beispiel für die Aufteilung. Bestellung: 32 € Speisen, 8 € Getränke, 3,90 € Liefergebühr. Das Verhältnis ist 80 zu 20. Also gehen 3,12 € der Liefergebühr mit 7 % in die Kasse und 0,78 € mit 19 %. Beide Steuersätze müssen auf dem Beleg getrennt ausgewiesen sein. Dieselbe Aufteilung brauchst du bei Kombiangeboten und Menüpreisen — die Methode gehört dokumentiert und fest in dein Kassensystem. Genau hier findet die Betriebsprüfung Geld.
Mehr dazu in Umsatzsteuer im Restaurant: im Haus, außer Haus und Lieferung und in Steuerkategorien in der Gastronomie.
Kasse, TSE und Beleg gelten auch bei Lieferung
Eine Lieferbestellung ist ein ganz normaler Umsatz. Es gibt keinen Sonderweg, nur weil das Geld an der Haustür wechselt.
- § 146a AO: Jede elektronische Kasse braucht eine zertifizierte technische Sicherheitseinrichtung (TSE). Cloud-TSE kostet 5 bis 15 € im Monat, Hardware-TSE 200 bis 350 € einmalig.
- Belegausgabepflicht, § 146a Abs. 2 AO: Der Beleg muss angeboten werden. Er darf digital sein — als QR-Code oder per E-Mail in der Bestellbestätigung. Bei Lieferung ist das sogar der bequemere Weg.
- Mitteilungspflicht, § 146a Abs. 4 AO: Elektronische Kassen meldest du über ELSTER, neue Systeme innerhalb eines Monats.
- GoBD: Unveränderbarkeit, Einzelaufzeichnung, 10 Jahre Aufbewahrung, Verfahrensdokumentation und der DSFinV-K-Export für die Prüfung. Storni und Rabatte müssen protokolliert sein. Löschen ist nie erlaubt.
- Läuft deine Kasse in der Cloud, ist das Auftragsverarbeitung — also AVV nach Art. 28 DSGVO mit dem Anbieter.
Wenn Lieferbestellungen an der Kasse vorbei in einem Extra-Heft landen, ist das kein Detail. Das ist der Punkt, an dem eine Kassennachschau nach § 146b AO unangenehm wird.
Schritt 8: Wer fährt? Eigene Fahrer sind Arbeitnehmer
Der teuerste Fehler beim Lieferdienst selbst aufbauen ist nicht der Radius. Es ist der Satz "der fährt auf Rechnung, der ist selbstständig".
Ein Fahrer, der deine Bestellungen fährt, in deinem Dienstplan steht, deine Kleidung trägt und keine anderen Kunden hat, ist Arbeitnehmer. Punkt. Rechnest du ihn als Selbstständigen ab, ist das Scheinselbstständigkeit. Die Deutsche Rentenversicherung kann dann Sozialabgaben für bis zu vier Jahre nachfordern — Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil, und den Arbeitnehmeranteil holst du dir nur für drei Monate zurück. Bei Vorsatz wird es strafrechtlich. Im Zweifel machst du ein Statusfeststellungsverfahren bei der Rentenversicherung, bevor der erste Kilometer gefahren wird.
Was du also einplanen musst, Stand 2026:
- Mindestlohn 13,90 € pro Stunde. Das ist die Untergrenze, nicht dein Kostenwert.
- Minijob bis 603 € im Monat — beim Mindestlohn sind das rund 43 Stunden. Praktisch für Freitag und Samstag.
- Echte Stundenkosten: 18 bis 24 € inklusive Lohnnebenkosten. Da stecken Sozialabgaben, Urlaub, Feiertage, Krankheitstage und der BGN-Beitrag drin. Das ist die Zahl, an der die Eigenlieferung steht oder fällt — nicht der Bruttolohn auf dem Vertrag.
- Arbeitszeitgesetz: 30 Minuten Pause ab 6 Stunden, 45 Minuten ab 9 Stunden. Ruhezeit 11 Stunden, in der Gastronomie 10 Stunden mit Ausgleich. Und die Arbeitszeit muss erfasst werden.
- Kilometergeld 0,30 € pro Kilometer, wenn der Fahrer sein eigenes Auto nutzt. Steuerfrei, aber es gehört in deine Kalkulation.
- Versicherung. Die private Kfz-Versicherung deckt gewerbliche Fahrten oft nicht — das muss dem Versicherer gemeldet und im Tarif abgebildet sein. Dazu brauchst du eine Betriebshaftpflicht mit Deckung für Dienstfahrten. Ruf deinen Makler an, bevor die erste Tour rausgeht, nicht nach dem ersten Unfall.
- Führerschein prüfen und dokumentieren. Als Halter haftest du, wenn jemand ohne gültige Fahrerlaubnis für dich fährt.
- E-Bikes über 25 km/h brauchen ein Versicherungskennzeichen. Normale Pedelecs nicht.
Rechne einmal ehrlich durch: Bei 21 € Stundenkosten und 2,5 Touren pro Stunde kostet dich jede Zustellung 8,40 € plus Fahrzeug. Wenn du nur sechs Bestellungen am Abend hast, steht der Fahrer die meiste Zeit herum und die Tour kostet dich 15 €. Eigene Fahrer lohnen sich erst ab stabilem Volumen.
Kurierdienste sind deshalb der bessere Start. Uber Direct und Wolt Drive verkaufen die Zustellung einzeln, ohne dass du auf ihrem Marktplatz stehst — der Gast bestellt bei dir, du buchst nur den Fahrer dazu. Du zahlst nur, wenn tatsächlich eine Bestellung da ist. Kein Dienstplan, kein Leerlauf, keine Versicherungsfrage.
Fang mit Kurieren an. Steig auf eigene Fahrer um, wenn das Volumen es beweist.
Schritt 9: Bau eine Lieferkarte, keine Kopie deiner Speisekarte
Manche Gerichte überleben die Fahrt nicht. Alles Knuspriges, alles mit Schaum, alles, was in 90 Sekunden gegessen werden muss — lass es weg.
- Kürze auf die 15 bis 25 Gerichte, die 25 Minuten in einer Box überstehen.
- Preise für die Lieferung 10 bis 15 % über dem Preis im Haus. Verpackung und Fahrerzeit sind echte Kosten. Gäste akzeptieren das.
- Fotografiere alles. Lieferung ist ein Kauf über Bilder, nicht über Text.
- Bestell einmal selbst. Warte 25 Minuten. Dann iss es. Dieser eine Test verändert deine Lieferkarte mehr als jede Beratung.
Zwei deutsche Pflichten, die auf der Lieferkarte hängen
- Die 14 Allergene nach Anhang II LMIV musst du beim Fernabsatz schon vor dem Abschluss der Bestellung zugänglich machen — und noch einmal bei der Lieferung. Die mündliche Auskunft, die im Lokal reicht, funktioniert online nicht. Das gilt auch für die Zusatzstoff-Fußnoten: mit Farbstoff, mit Konservierungsstoff, mit Geschmacksverstärker, geschwefelt, koffeinhaltig und so weiter.
- Mehrwegangebotspflicht nach § 33 f. VerpackG. Wer Speisen in Einwegkunststoff verpackt, muss dieselbe Speise auch in Mehrweg anbieten, ohne Aufpreis. Ausgenommen sind nur Betriebe mit höchstens 5 Beschäftigten und höchstens 80 m² Fläche. Dazu kommt die LUCID-Registrierung im Verpackungsregister, bevor die erste verpackte Bestellung rausgeht, und die Einwegkunststoffabgabe nach dem EWKFondsG.
Schritt 10: Ein Link, und der kommt überall hin
Hier verlieren die meisten. Sie richten die Bestellung ein und verstecken sie dann.
Du brauchst einen kurzen Link, der deine Speisekarte öffnet und die Bestellung annimmt. Und der geht dann auf:
- Dein Google-Unternehmensprofil. Als Bestell-Link und als Speisekarten-Link. Das ist mit Abstand deine größte kostenlose Trafficquelle in Deutschland.
- Instagram und TikTok in der Bio. Ein Link, kein PDF.
- Ein QR-Code-Aufkleber auf jeder Tüte und jeder Lieferbox. Die billigste Kundengewinnung, die es in der Gastro gibt.
- Unten auf jeden Bon.
- Tischaufsteller und Fenster. Deine Gäste im Haus sind deine besten künftigen Lieferkunden.
Eine komplette Website brauchst du dafür nicht. Eine QR-Speisekarte mit eigenem Link reicht völlig. Kostenlose Plattformen wie Tabres lassen dich die Lieferung pro Filiale einschalten, mit eigenen Zeiten, maximaler Entfernung, Mindestbestellwert und Gebühr — ohne Provision und ohne monatliche Rechnung.
Schritt 11: Hol dir deine Lieferando-Gäste zurück
Die Plattform hat deine Gäste. Hol sie dir.
- Eine Karte in jede Plattform-Lieferung. "Beim nächsten Mal direkt bestellen — 10 % günstiger, gleiche Küche, gleicher Fahrer." Eine Zeile, mehr nicht.
- Ein echtes Angebot statt eines Codes, den niemand eintippt. Ein QR-Code, der direkt auf deine Speisekarte mit hinterlegtem Rabatt führt, funktioniert deutlich besser.
- Finanziere nie Plattform-Aktionen. Du zahlst schon 30 %. Wenn du oben drauf noch "ab 30 € sechs Euro sparen" drauflegst, zahlst du dafür, Geld zu verlieren.
- Sei geduldig. Ein realistisches Ziel ist, in sechs Monaten 20 bis 30 % des Plattformvolumens auf direkt zu verschieben. Wer konsequent Beileger in jede Tüte packt, ist schneller da.
Lass die Plattformen für die Sichtbarkeit an. Hör nur auf, sie als Hauptkanal zu behandeln. Marktplatz für neue Gesichter, direkt für Stammgäste — das ist die Aufteilung, die 2026 funktioniert.
Schritt 12: Vier Zahlen, jeden Montag
Jeden Montag kurz draufschauen:
- Anteil der Direktbestellungen an allen Lieferungen. Das ist die Zahl, die zählt. Steigt sie nicht, ist dein Link nicht sichtbar genug.
- Durchschnittlicher Lieferbon. Sollte über deinem Bon im Haus liegen. Tut er das nicht, ist dein Mindestbestellwert zu niedrig.
- Lieferzeit von Tür zu Tür. Über 45 Minuten hast du ein Radius-Problem oder ein Timing-Problem in der Küche. 30 bis 45 Minuten ist der Bereich, in dem deutsche Gäste zufrieden sind.
- Wiederbestellrate. Wie viele Direktkunden haben in 60 Tagen zweimal bestellt? Unter 25 % reist dein Essen nicht gut.
Zehn Minuten am Montag schlagen die große Monatsauswertung, die sowieso niemand macht. Die BWA vom Steuerberater sagt dir am Monatsende, ob es sich gerechnet hat — die vier Zahlen sagen es dir vorher.
Fehler, die einen eigenen Lieferdienst killen
- Radius zu groß. Kaltes Essen, Erstattungen, Ein-Stern-Bewertungen. Mach ihn kleiner.
- Fahrer als Selbstständige abrechnen. Der teuerste Fehler auf dieser Liste. Vier Jahre Sozialabgaben nachzahlen kostet mehr, als der Lieferdienst je eingebracht hat.
- Kein Verpackungsbudget. Eine 0,35-€-Schale ruiniert ein 18,90-€-Gericht. Gib das Geld für belüftete Boxen und Sicherheitsverschlüsse aus.
- Die Liefergebühr pauschal mit 19 % buchen. Sie folgt der Hauptleistung. Bei reinen Speisenbestellungen sind es 7 %, und über ein Jahr ist das echtes Geld.
- Kein Plan fürs Telefon. Direktbestellungen erzeugen weiterhin Anrufe. Irgendjemand muss rangehen.
- Unvollständige Adresse. Frag Straße, Hausnummer, Stockwerk, Klingelname und ein Feld für den Fahrer ab. "Blaue Tür, Klingel kaputt" spart zehn Minuten.
- Leise starten. Wenn du es niemandem sagst, kommt niemand. Zwei Wochen lang posten, bekleben, drucken und an jedem Tisch ansprechen.
- Im zweiten Monat aufgeben. Direktbestellung wächst kumulativ. Die Gäste, die du im März gewinnst, bestellen im Oktober immer noch.
Häufige Fragen zum eigenen Lieferdienst
Muss ich Lieferando komplett verlassen? Nein, und wahrscheinlich solltest du das auch nicht. Behalte die Plattform für die Sichtbarkeit und fahr direkt für die Stammgäste. Die meisten Einzelbetriebe, die das gut machen, haben beides und verschieben den Anteil über die Zeit.
Was kostet es, einen Lieferdienst selbst aufzubauen? Fast nichts an Software, wenn du eine kostenlose Bestellseite nutzt. Deine echten Kosten sind Zahlungsgebühren von 1,5 bis 2,5 %, Verpackung und entweder Fahrerlohn oder eine feste Kuriergebühr pro Tour. Einmalig kommen Impressum, Datenschutzerklärung und AGB dazu — je nachdem, ob du eine Vorlage nimmst oder einen Anwalt fragst, 0 bis 600 €.
Kann ich Plattform-Fahrer nutzen, ohne auf der Plattform zu sein? Ja. Uber Direct und Wolt Drive sind Kurierdienste, die du separat buchst, dazu lokale Stadtkuriere. Die Bestellung bleibt deine, du mietest nur den Fahrer. Fester Preis, keine Provision auf das Essen.
Welche Liefergebühr soll ich nehmen? 2,50 bis 4,90 €, je nach Entfernung und Fahrer. Kostenlose Lieferung lohnt sich nur oberhalb eines hohen Mindestbestellwerts, etwa ab 40 €.
Wie viel Umsatzsteuer kommt auf die Liefergebühr? Sie folgt der Hauptleistung. Reine Speisenbestellung: 7 %. Gemischte Bestellung: nach dem Umsatzverhältnis in 7 % und 19 % aufteilen und beides getrennt auf dem Beleg ausweisen.
Darf ich einen Aufschlag für Kartenzahlung verlangen? Nein. § 270a BGB verbietet Gebühren für SEPA-Überweisung, SEPA-Lastschrift und normale Giro- und Kreditkarten von Verbrauchern. Rechne die Zahlungsgebühren in deine Preise ein.
Reicht meine private Kfz-Versicherung für Lieferfahrten? Fast sicher nicht. Gewerbliche Nutzung ist in privaten Tarifen meist ausgeschlossen oder muss ausdrücklich gemeldet werden. Sprich mit deinem Versicherungsmakler über Betriebshaftpflicht und Dienstfahrten-Deckung, bevor du startest.
Braucht mein Fahrrad-Lieferdienst eine Genehmigung? Für Fahrrad, Pedelec und normalen Pkw brauchst du keine Personen- oder Güterbeförderungserlaubnis. Was du brauchst, ist die saubere Anmeldung des Gewerbes, die Anmeldung bei der BGN und die Meldung der Fahrer zur Sozialversicherung.
Ein eigener Lieferdienst ist kein Technikprojekt. Es ist eine Reihe von Entscheidungen über Entfernung, Zeit und darüber, was dir eine Lieferung ehrlich wert ist. Mach den Radius ehrlich, den Mindestbestellwert fest und die Gebühr echt — der Rest ist Wiederholung.
Fang klein an. 3 km, 20 Gerichte, deine ruhigen Zeiten, ein sichtbarer Link. Beweise einen Monat lang, dass es läuft, dann mach es größer. Die Provision, die du nicht mehr zahlst, taucht nirgends als Schlagzeile auf. Sie taucht leise auf, jeden Freitag, in der Zahl ganz unten in der Auswertung.