Die Frage „Warum ist mein Restaurant so leer?“ lässt sich nicht nach einer Schicht beantworten: Zwei Tische in sieben Stunden sind schlecht, zeigen aber nicht, ob das ganze Restaurant Probleme hat. Vergleiche denselben Wochentag vier bis sechs Wochen lang. Vergleiche danach dein Trinkgeld und deine Arbeitszeit mit einem anderen Job, bevor du kündigst.
Ist eine ruhige Schicht ein Warnzeichen?
Ein ruhiger Dienstag kann an einer Veranstaltung, Regen, einer Ferienwoche oder der Saison liegen. Ein Warnzeichen ist es, wenn derselbe Wochentag mehrere Wochen lang ruhig bleibt, auch am Wochenende weniger Gäste kommen und die Leitung keine Erklärung hat.
Notiere Datum, Arbeitsstunden, Tische, Gäste, Umsatz, falls du ihn sehen kannst, und Trinkgeld. Vergleiche nach vier Dienstagen die Summe und den Durchschnitt. Verlass dich nicht nur auf den Abend, der sich am schlimmsten angefühlt hat. Frag deine Leitung nach der Zahl der Gäste pro Woche und nach dem Umsatz je Wochentag. Dafür brauchst du keine privaten Gehaltsdaten.
Wenn dienstags nur ein Kellner oder eine Kellnerin arbeitet, passt der Plan vielleicht zur üblichen Nachfrage. Doch wenn du in sieben Stunden nur zwei Tische hast, reicht der Verdienst vielleicht nicht, auch wenn Küche und Essen sehr gut sind. Das sind zwei Fragen: Das Restaurant kann gut geführt sein, aber der Job passt trotzdem nicht zu deinem Einkommen.
Warum sind manche Restaurants voll und andere leer?
Die Leute streichen nicht jeden Restaurantbesuch auf einmal. Ein teures Steakhaus kann voll sein, während Lokale mit mittleren Preisen kämpfen. Ein Restaurant in Köln kann ruhig sein, während Lokale in Vororten gut laufen oder eine Touristenstadt in ihre Hochsaison startet. Das sind verschiedene lokale Muster und kein Beweis für einen Trend in ganz Deutschland.
Gäste eines teureren Restaurants haben oft mehr Geld für Restaurantbesuche. Ein Lokal mit mittleren Preisen verliert Gäste, wenn Haushalte seltener essen gehen, weniger trinken oder Extras weglassen. Eine Stadt mit vielen Herbstgästen oder warmem Terrassenwetter kann mehr Betrieb haben. Dein Restaurant konkurriert dienstags mit Lokalen in der Nähe. Sieh dir an, was im Umkreis los ist, bevor du deinen Service oder die Speisekarte verantwortlich machst.
Auch der Preis verändert, was Gäste bestellen. Kostet das Abendessen für zwei 25 €, finden Gäste das vielleicht günstig. Für dein Trinkgeld bleibt bei einer kleinen Rechnung aber wenig übrig. Bei 25 € Rechnung sind 20 Prozent Trinkgeld 5 €. Bei zwei solchen Tischen sind das 10 € Trinkgeld, vor Steuern und einer möglichen Abgabe an das Team. Das ist eine Beispielrechnung mit 25 € und 20 Prozent, keine Zusage, wie viel Gäste geben. Ein günstiges Restaurant braucht genug Gäste oder viele Abholbestellungen, um das Personal zu bezahlen.
Woran erkenne ich, ob Gäste oder Trinkgeld fehlen?
Notiere Gästezahl, Umsatz, Durchschnittsrechnung und dein Trinkgeld getrennt. Die Gästezahl zeigt, wie viele Menschen da waren. Der Durchschnitt ist der Umsatz geteilt durch die Gästezahl. Trinkgeld hängt von der Rechnung, dem Service, den Gewohnheiten vor Ort und der Aufteilung im Team ab. Deshalb kann ein guter Trinkgeldabend sinkende Gästezahlen kurz verdecken.
Wenn eine Schicht zum Beispiel 20 Gäste und 500 € Umsatz hat, liegt der Umsatz bei 25 € pro Gast. Hat die nächste vergleichbare Schicht 12 Gäste und 300 € Umsatz, bleibt der Betrag bei 25 € pro Gast. Es kamen weniger Gäste, aber sie gaben pro Person gleich viel aus. Sind es weiterhin 20 Gäste, aber nur 400 € Umsatz, geben sie weniger aus. Der Umsatz pro Gast ist dann auf 20 € gesunken.
Frag deine Leitung drei Dinge: Wie war dieser Dienstag im Vergleich zu den letzten vier Dienstagen? Sind Mittag, Abend, Abholung und Lieferung alle schwächer? Haben sich Gästezahl oder Umsatz pro Gast stärker verändert? Konkrete Antworten zeigen verschiedene Lösungen. Weniger Gäste brauchen mehr lokale Werbung oder andere Öffnungszeiten. Geringere Ausgaben pro Gast bedeuten, dass ihr Speisekarte und Preise prüfen solltet.
Soll ich abwarten oder mir einen anderen Gastro-Job suchen?
Mach zwei Wochen lang beides: Frag nach Zahlen und sieh dich in Ruhe nach Angeboten anderer Lokale um. Vergleiche deinen erwarteten Wochenverdienst, feste Stunden, Trinkgeldabgabe, Fahrtkosten und wie oft Schichten gekürzt werden. Ein volles Restaurant kann trotzdem ein schlechter Job sein, wenn du zu wenige Stunden oder viel Trinkgeld abgeben musst.
Nutze deine eigenen Aufzeichnungen. Hast du an einem Abend nach einem ruhigen Start 200 € verdient, notiere es. Vergleiche aber das Trinkgeld und die Stunden der ganzen Woche. Eine gute letzte Stunde macht sechs schlechte Schichten nicht wett. Frag bei einem möglichen Arbeitgeber, wie viele Kellner und Kellnerinnen dienstags üblicherweise arbeiten, wie die Bereiche verteilt werden und ob das Team früher nach Hause geschickt wird. Frag auch aktuelle Beschäftigte nach einer normalen Woche, nicht nur nach dem besten Samstag.
Setz dir eine Grenze, die zu deinen Ausgaben passt. Brauchst du zum Beispiel 600 € pro Woche aus deinem Job, vergleiche diesen Betrag mit deinem tatsächlichen Wochenverdienst über vier Wochen. Liegt der Verdienst weiter deutlich darunter und gibt es keine zusätzlichen Stunden, such dir einen Job mit planbareren Schichten. Wenn du es dir leisten kannst, bleib bis zu deinem bestätigten Startdatum im alten Job.
Was soll ich vor meiner nächsten Schicht tun?
- Notiere bei den nächsten vier vergleichbaren Schichten Stunden, Gäste, sichtbaren Umsatz, Trinkgeld und Abgaben.
- Frag deine Leitung nach Gästen und Umsatz je Wochentag im letzten Monat sowie nach Änderungen bei Dienstplan und Werbung.
- Prüfe Wetter, Veranstaltungen vor Ort und den Betrieb in Lokalen in der Nähe, bevor du aus einem ruhigen Abend auf einen Trend schließt.
- Vergleiche zwei Jobs nach Wochenverdienst und sicheren Arbeitsstunden, nicht nur danach, ob der Gastraum voll ist.
Wenn die Tische an Wochentagen dauerhaft leer bleiben, erklärt der Artikel wie Lokale an ruhigen Wochentagen mehr Gäste gewinnen Angebote und Dienstplanung. Als Kellner oder Kellnerin helfen dir die Zahlen zu entscheiden, ob die Schichten genug einbringen.